Sparkasse hält an Aus für Füssen-West fest

Unbelohnte Treue

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Karin Lösch und Manfred Hegedüs simulieren ein Kundengespräch.

Füssen – Es bleibt beim Aus für die Sparkassen-Filiale in Füssen-West. „Die Beschlüsse sind gefasst“, erklärte Manfred Hegedüs gegenüber etwa einem Dutzend Mitgliedern des Vereins Füssen-West bei einem öffentlichen Treffen am Dienstagabend im Sparkassensaal. Der Verein überlegt nun, eine Unterschriftenaktion zu starten.

Damit erteilte die Bank dem Wunsch des Vereins, zumindest einmal in der Woche die Filiale mit einem persönlichen Ansprechpartner zu besetzen, eine klare Absage.

Wie mehrfach berichtet, zieht die Sparkasse Allgäu in insgesamt 14 Filialen das Personal komplett ab und ersetzt es durch SB-Automaten. In Füssen sind davon die Niederlassungen in Füssen-West in der Hohenstauferstraße und Weißensee betroffen. Der Verein Füssen-West hatte sich daraufhin mit der Bitte an den Bank-Vorstand gewandt, „zumindest einmal in der Woche ein persönlicher Ansprechpartner für die Kunden der Sparkasse zur Verfügung steht“, so Vorsitzende Evelyn Vesenmayer (der Kreisbote berichtete). Um dies zu gewährleisten, müsste ein mobiler Dienst eingerichtet werden. „Diese Idee einer fahrbaren Filiale ist für die Sparkasse leider praktisch nicht umsetzbar“, antwortete Manfred Hegedüs darauf.

Grundversorgung soll bestehen bleiben

Der Vorstandvorsitzende betonte, dass ab April 2016 „eine Grundversorgung“ für den Stadtteil gewährleistet sei. Die Sparkasse biete ihren Kunden – „nur einen Anruf entfernt“ – eine Telefon-Filiale an. Dieses Angebot sei, wie Erfahrungen zeigen würden, eine sichere Sache, sagten Vorstandsmitglied Heribert Schwarz und Karin Lösch, Leiterin der Telefon-Filiale mit 14 Mitarbeiterinnen. „Wir betreiben kein Call-Center“, so Lösch. „Es dauert durchschnittlich eine Minute, bis Kunden mit uns sprechen können“, sagte sie. Lösch und Hegedüs simulierten anschließend ein solches Telefongespräch – „der immer vom Kunden ausgehen wird“. Dafür gab es keinen Applaus.

Zwei Hauptgründe

Zuvor hatte Hegedüs noch einmal erklärt, warum sich die Sparkasse personell zurückziehe. Als Hauptgründe nannte er ein verändertes Kundenverhalten sowie die anhaltende Niedrigzinspolitik. Außerdem könne durch die Reform gewährleistet werden, dass die Bank weiterhin ihre Rolle als Sponsor für regionale Vereine und Initiativen wahrnehme. Enttäuschte Mitglieder Stimmen aus dem Publikum zweifelten an, dass die Telefon-Filiale sicherer sei als der Einwurf von Überweisungsträgern in einen Kasten, den die Sparkasse wegen „wachsender krimineller Fälle nicht mehr anbietet“.

Vom Tisch ist folglich auch der Vorschlag, eine Box für Überweisungen zu installieren. Die Bank komme ihren Kunden aber insofern entgegen, dass „auf persönlichen Wunsch für den Überbrückungs-Zeitraum selbstverständlich Freiumschläge zugesandt werden“, signalisierte Hegedüs. Damit könnten ganz bequem Überweisungen ausgeführt werden, „die vom Briefkasten am Supermarkt in Füssen-West an die zuständige Sparkasse-Adresse gelangen“.

Kritische Mitglieder

Die Zuhörer blieben allerdings skeptisch, was die neue Filialstruktur betrifft. Apotheker Daniel Hierl meinte, das Einzugsgebiet mit Hopferau, Roßhaupten und Weißensee bleibe unberücksichtigt. Die Kunden müssten „künftig eine lange Anfahrt wegen innenstädtischer Verkehrsprobleme in Kauf nehmen“, ergänzte Herbert Bühler. „Die Westler wollen nicht in die Stadt. Denn wir haben hier alles, was wir brauchen“, sagte Vesenmayer. Sichtlich enttäuscht nach dem offiziellen Teil der Info-Veranstaltung gingen sie und ihre Begleiter davon aus, „dass Kunden zur wenige Schritt entfernten Volksbank-Filiale wechseln. Das könnten „schon 100 Westler werden“.

Der Verein hat nach eigenen Angaben 160 Mitglieder. Hier wird derzeit diskutiert, ob eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Sparkassen-Filiale in ihrer ursprünglichen, langjährigen Form gestartet werden solle. „Die Entscheidung der Vorstandschaft ist für uns nicht nachvollziehbar. Einige Familien halten der Sparkasse seit 60 Jahren hier die Treue“, so Vesenmayer im Gespräch mit dem Kreisboten.

Chris Friedrich

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