Migranten suchen dringend Wohnungen

Stadt unter Druck

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Bürgermeister Paul Iacob mit in Füssen lebenden Asylbewerbern. Die Stadtverwaltung will sich nun um Wohnungen für die Migranten kümmern.

Füssen – Nach offiziellen Angaben leben derzeit 253 Personen in der Stadt, die einen Asylantrag gestellte haben oder schon mit befristetem Bleiberecht hier leben. Nun müssen Wohnungen für die Migranten her: „Wir werden für den dringend benötigten Wohnraum sorgen“, sagte Bürgermeister Paul Iacob.

"Das wäre moralisch so unwürdig, wenn uns das nicht gelingen würde", so der Rathauschef. Er sieht dabei die Stadtverwaltung selbst in der Pflicht, appellierte jedoch auch an private Vermieter: „Die Wohnungssuchenden kennen zu lernen, deren Kinder in Füssen in die Schule gehen und Deutsch lernen!“ 

Ein Haus in Eschach, in dem Asylbewerber untergekommen sind, wird verkauft. Daher suchen die Bewohner nach Wohnungen, um weiterhin in Füssen bleiben zu können. Wenn dies nicht gelingen sollte, bleibe als Alternative lediglich eine Massenunterkunft wie in Markt- oberdorf übrig. 

„Die Kinder gehen alle gern in die Schule und schließen Freundschaft. Sollten die Familien wegziehen müssen, wäre dies ein Rückschritt für die mögliche Integration“, erklärten Betty Reiners und Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD) vom Arbeitskreis Asyl.

Dass sie bis hin zur Mülltrennung nur gute Erfahrungen mit einem Asylbewerber als Mieter im eigenen Haus mache, berichtete Dr. Elke Fritsch. Ein solches menschliches Miteinander könnte sich ihrer Ansicht nach zum Beispiel auch „für eine allein stehende Person, die nicht mehr genutzten Wohnraum zur Verfügung stellt, positiv auswirken“. Die Miete, betonte sie, komme immer pünktlich. „Das Job-Center zahlt!“ Wie deutlich wurde, stehen die Mitglieder des Arbeitskreises den Hausbesitzern als direkter Ansprechpartner zur Verfügung. 

Die Stadt als Vermieterin selbst sieht sich ebenfalls in der Pflicht. In der Ziegelwies müsste ein leer stehendes Haus bewohnbar gemacht werden. Heizung und sanitäre Anlagen sind marode. Ein Ortstermin sollte, so der Bürgermeister, umgehend stattfinden. 

29 Geschwister 

Von Diakon Christoph Schwarzer, der den Arbeitskreis Asyl in Füssen unterstützt, kam der Hinweis, dass es nicht allein die Asylbewerber auf dem Wohnungsmarkt schwer hätten. Jungen deutschen Familien gelinge es kaum, in der Stadt eine Wohnung zu finden, die für sie auch bezahlbar sei. Bürgermeister Iacob räumte in diesem Zusammenhang Versäumnisse in den vergangenen Jahren ein. Er wies auf die gute Partnerschaft mit dem Siedlungswerk hin. Dadurch allein sei aber das akute Problem der fehlenden Sozialwohnungen nicht lösbar. 

In deutscher Sprache schilderten zwei junge Frauen und zwei junge Männer, wie sie zum Beispiel vor Bombardements ihres Dorfes in Syrien nach Europa geflüchtet seien. „Wenn der Krieg vorbei ist, würde ich gerne zurück. Aber wenn der Krieg noch zehn Jahre dauert, habe ich meine neue Heimat in Deutschland gefunden“, so ein 24-jähriger Syrer. Er hat, wie er auf Nachfrage sagte, 29 Geschwister. „Mein Vater hat vier Frauen.“ Durch die vier Berichte wurde deutlich, was Bürgermeister Iacob so kommentiert hatte: Der Asylbewerber sei kein Wesen, das verwaltet wird. „Das sind Menschen mit einer eigenen Geschichte.“

Chris Friedrich

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