"Kein Grund zur Panik"

Möglicher Enterokokken-Befall: Füssener müssen ihr Leitungswasser vorerst abkochen

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Auch die Brunnen in Füssen sind mittlerweile wegen der Gefahr einer Wasserverschmutzung abgestellt.

Füssen/Eisenberg – Große Aufregung am Mittwoch in Füssen: Polizeiwagen fuhren durchs Stadtgebiet und warnten per Lautsprecherdurchsagen davor, Leitungswasser zu trinken. Was war passiert?

Eine Messeinrichtung am städtischen Bauhof, die zur ständigen Trinkwasserqualitätskontrolle dient, hat erhöhte Messwerte im Bereich „Enterokokken“ an einem Hausanschluss festgestellt. Dieses Bakterium kann zu Durchfall und Erbrechen führen. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die Bakterien im Leitungsnetz befinden, hat das Gesundheitsamt vorsichtshalber eine Abkochverordnung erlassen. 

Zwischenzeitlich werden Wasserproben im Labor untersucht. Davon betroffen ist die Stadt Füssen mit all ihren Ortsteilen sowie der Ortsteil Holz der Gemeinde Eisenberg. Die Stadtwerke nehmen in Absprache mit dem Gesundheitsamt nun regelmäßig Proben vom Wasser, das näher untersucht wird. 

Wenn drei Tests in Folge ergeben, dass sich die Bakterien nicht im Leitungsnetz befinden, kann die Abkochverordnung aufgehoben werden. Da jedoch die Auswertung eines Tests 48 Stunden dauert, wird die Anordnung zum Abkochen des Trinkwassers voraussichtlich bis kommende Woche Mittwoch bzw. Donnerstag bestehen bleiben, so die Stadtverwaltung. 

Bei der Routineuntersuchung des Trinkwassers haben die Stadtwerke zwei Test vorgenommen. Während der im betroffenen Hausanschluss positiv auf Enterokokken ausfiel, war der zweite Test im Tiefbrunnen, also im Leitungsnetz, negativ. Wie die Bakterien bei Ersterem ins Wasser gekommen sind, ist derzeit noch unklar. „Die Gründe dafür können von menschlichem Versagen bis zu einem Kanalbruch alles sein, es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten“, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). „Zum jetzigen Zeitpunkt laufen die Untersuchungen auf Hochtouren, woher die Ursache kommt.” 

Das Laborinstitut hat am späten Mittwochnachmittag die Stadtwerke Füssen über den positiven Befund in Kenntnis gesetzt. Daraufhin setzte sich der Rathauschef mit Werkleiter Helmut Schauer und dessen Mitarbeitern in Verbindung und veranlasste die weiteren Schritte. 

Bis auf Weiteres empfehlen die Stadtwerke, dass die Bürger das Wasser, was sie trinken möchten, abkochen. Dazu sollen sie es in einen großen Topf auf den Herd geben, es auf den Siedepunkt von 100 Grad erhitzen und es mindestens drei Minuten sprudeln lassen, um Keime und Mikroorganismen abzutöten. Zur Desinfektion reicht es, das Wasser einmal aufzukochen. Das aufgekochte Wasser sollten die Bürger auch zum Waschen von Obst, Gemüse und dergleichen verwenden, das sie im rohen Zustand verzehren möchten. 

Auch sonstige Lebensmittel, die nicht durchgekocht werden, sollten nur mit abgekochtem Wasser zubereitet werden. Für das Anrichten von Baby- und Kindernahrung empfehlen die Stadtwerke jedoch Mineralwasser zu verwenden. Auch fürs Zähneputzen sollten die Bürger Wasser abkochen. Beim Baden und Duschen – auch von Säuglingen – besteht demnach nur ein geringes Restrisiko. Die Bürger sollten jedoch darauf achten, dass sie kein Wasser schlucken. Auch Händewaschen sei laut Stadtverwaltung problemlos möglich. Genau wie das Spülen per Hand. Hier sei das Infektionsrisiko sehr gering, jedoch sollte auch hier vorsichtshalber das Wasser abgekocht werden. 

Stadt stellt Brunnen ab

In landwirtschaftlichen Betrieben, die das Wasser zur Reinigung von Milchgeschirr usw. verwenden, ist das Wasser ebenfalls nur abgekocht zu verwenden. Lebensmittelbetriebe, die Wasser zur Herstellung, Behandlung, Konservierung oder zum Inverkehrbringen von Lebensmitteln nutzen, müssen ebenfalls das Wasser abkochen. Wer Gegenstände und Anlagen reinigt, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, darf nur abgekochtes Wasser verwenden. An allen öffentlichen zugänglichen Zapfstellen und Wasserentnahmestellen sind Hinweisschilder mit der Aufschrift „kein Trinkwasser“, „Nur abgekocht zu verwenden“ oder mit dem entsprechenden Symbol, gut sichtbar anzubringen. 

Der städtische Bauhof hat das bereits getan und zudem sicherheitshalber die zwei Trinkbrunnen in Bad Faulenbach und den Sieben-Stein-Brunnen an der Tourist Info Füssen aus dem Betrieb genommen.

Ohnen Vorbehalt können die Bürger dagegen das Leitungswasser in ihren Geschirrspülmaschinen (mindestens jedoch auf 50 Grad erhitzt) und in Waschmaschinen verwenden. Gleichzeitig mit den Bürgern benachrichtigte die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben unter anderem das Krankenhaus, die Fachklinik, alle Seniorenzentren, alle Schulleiter, die Medien und die Bundeswehr. Außerdem fragte sie bei der Fachbehörde für Nutztiere nach. 

Die Polizei startete außerdem Aufrufe, die Feuerwehr verteilte Flyer und die Stadt veröffentliche alle Informationen zu dem Vorfall auf ihrer Homepage. Desweiteren werde das Landratsamt Ostallgäu die Stadt mit neuen Desinfektionsmitteln versorgen. 

Hotline eingerichtet

„Wir bleiben für Sie intensiv dran, ich bitte Sie dennoch Ruhe zu bewahren und mit Besonnenheit vorzugehen”, appellierte Bürgermeister Eichstetter an die Füssener Bevölkerung. „Es gibt keinen Grund zur Panik auch wenn diese Situation mehr als außergewöhnlich ist und gerade in dieser schweren Zeit absolut nicht förderlich ist.” 

Für weitere Fragen von besorgten Bürgern haben die Stadtwerke Füssen eine Hotline unter der Telefonnummer 08362/30 02 900 eingerichtet. Alle Neuigkeiten dazu sind auch auf der Homepage des Kreisbote unter www.kreisbote.de oder auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Was sind Enmerokokken?

Enterokokken werden nach Angaben des Bundesinsituts für Risikobewertung zu den Milchsäurebakterien gerechnet und kommen in vielen Varianten in der Umwelt vor. Sie sind Teil der normalen Darmflora von Mensch und Tier, kommen aber auch in traditionellen Lebensmitteln wie Käse oder Rohwürsten vor. Ungewollte Belastungen mit Enterokokken gelten als Hinweis auf schlechte hygienische Bedingungen. Rund 25 verschiedene Enterokokken-Spezies sind bisher bekannt. Bestimmte Enterokokken-Stämme werden in der Human- und Tiermedizin zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass bestimmte Enterokokken-Stämme (insbesondere bestimmte E. faecalis-Stämme) bei Menschen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, Infektionen wie Wund- und Harnwegsinfektionen, eine Entzündungen der Herzinnenhaut, Bauchfellentzündung oder Bakteriämien (eine große Zahl von Bakterien im Blut) auslösen können. Enterokokken zeichnen sich durch eine hohe Umweltstabilität und vielfältige Resistenzen gegen Antibiotika aus. Laut dem Robert Koch-Institut gelten Enterokokken allgemein aber als nur bedingt pathogen und nicht sehr virulent.

kk

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