"Klarer Rückschritt in alte Zeiten"

ASF moniert die Nichtwahl von Fröhlich bei den Bürgermeister-Stellvertretern

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„In Zukunft wird es umso wichtiger sein, Fraueninteressen in Füssen zu vertreten", meint ASF-Pressesprecherin Brigitte Protschka.

Füssen – Heftig kritisiert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Füssen, dass in der Reihe der stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Füssen keine Frau einen Platz gefunden hat.

„Das ist sehr bedauerlich und bezüglich der Gleichberechtigung ein klarer Rückschritt in alte Zeiten“ formuliert ASF-Pressesprecherin Brigitte Protschka die große Enttäuschung der ASF-Frauen.

Die ASF hätte von einem jungen, modernen Bürgermeister erwartet, dass er sich für die Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. Zu guter, fairer und transparenter Zusammenarbeit, wie Rathauschef Maximilian Eichstetter angekündigt hatte, gehört für die ASF auch gleichberechtigte Zusammenarbeit von Frauen und Männern. Ein Einstieg in die Regierungsarbeit, bei dem gleich zu Beginn eine Frau, genauer die Bürgermeisterkandidatin der Freien Wähler, Christine Fröhlich, übersehen bzw. übergangen werde, die bei der Bürgermeisterwahl mit 42,2 Prozent der Stimmen ein respektables Ergebnis erzielt hatte und nach Ansicht der ASF als Stellvertreterin prädestiniert gewesen wäre, sei eine verpasste Chance. „Von einer ,Quotenfrau‘ wäre da keine Rede gewesen. Im Gegenteil, Frau Fröhlich hätte absolut ebenbürtige Kompetenzen wie die beiden jetzt gewählten Bürgermeistervertreter einbringen können”, so die ASF. 

"Mehr als enttäuschend"

„Hinterfragt werden muss in diesem Fall, ob nicht bei gleicher Qualifikation einer Frau der Vorzug hätte gegeben werden müssen“, fragt Brigitte Protschka nach einer Verankerung der Gleichstellung in der Satzung – wenn sie schon in den Köpfen der Stadträte nicht verankert sei. Mehr als enttäuschend bezeichnet die ASF deshalb die Wahl der Führungsriege im Bürgermeisteramt. 

„In Zukunft wird es umso wichtiger sein, Fraueninteressen in Füssen zu vertreten und sich nicht – wie einst – mit den bekannten ,Lippenbekenntnissen‘ abspeisen zu lassen“, meint Pressesprecherin Protschka. So fordern die ASF-Frauen die Stadträte auf, in der angekündigten Sondersitzung bzw. Klausur zur Erstellung der Geschäftsordnung und zum Zuschnitt der Ausschüsse den Blick auch auf die Gleichberechtigung zu richten. Die Regel zur Wahl weiterer Stellvertreter des Bürgermeisters sollte weitergeführt werden, so die ASF. Damit könnte den Frauen, wie SPD-Stadträtin Illona Deckwerth bereits in der konstituierenden Sitzung vorgeschlagen hatte (der Kreisbote berichtete), Präsenz in der Reihe der Stadtoberhäupter verschafft werden. 

Daneben fordert die ASF, dass in jedem Ausschuss beide Geschlechter vertreten sein müssen. Grundsätzlich sollte das Thema Gleichstellung in der Satzung verankert werden und sich als definierte Querschnittsaufgabe in allen Ausschüssen wiederfinden, moniert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Füssen.

Eichstetter bedauert geringe Anzahl von Frauen im Stadtrat

Nicht nachvollziehen kann dagegen Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) die Kritik an seiner Person. Schließlich werde der Zweite und Dritte Bürgermeister von 24 Stadträten und dem Bürgermeister gewählt. Folglich hatte er selbst nur eine Stimme zu vergeben. "Auch wir bedauern, dass unsere 42 Prozent Frauen aufgestellte Stadtratsliste so nicht zum Zuge gekommen ist und wir hätten uns mehr Frauenquote im Stadtrat gewünscht", erklärt der Rathauschef. Die 24 Füssener Stadträte setzen sich aus 18 Männern und sechs Frauen zusammen.  "Wie viel Wert ich auf Ausgeglichenheit lege, sehen Sie auch im Vorstand des CSU Ortsverbands, hier haben wir 50 Prozent Frauenquote und das ohne eingeführter Quote", fügte Eichstetter an Protschka gewandt hinzu. 

kb

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