Nicola Förg liest in der Orangerie der Stadtbibliothek aus ihrem neuesten Krimi "Heimatherz" vor

Der Lech, eine versunkene Welt und ein Mord

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Ein Herz für die Heimat: Nicola Förg stellt ihr jüngsten Buches „Heimatherz“ in der Orangerie der Stadtbibliothek St. Mang vor.

Füssen – Einen idealen Beitrag zum Begleitprogramm der Ausstellung „So ein Lech“, die derzeit im Museum der Stadt Füssen zu sehen ist, hat jetzt Nicola Förg geliefert.

Die Autorin las aus ihrem neuesten Krimi „Heimatherz“ in der Orangerie des ehemaligen Klosters St. Mang vor. Darin spielen nicht nur der Fluss, sondern auch der Forggensee eine zentrale Rolle. „Heimatherz“ ist zwar in erster Linie ein Krimi. Er bietet aber nicht nur verbrecherisch-spannende Unterhaltung, sondern möchte auch einige sozialkritische Aspekte ins Bewusstsein des Lesers rücken, wie die Autorin zugibt.

 In der Geschichte wird auf einer Kiesbank am Lechufer an der Litzauer Schleife bei Schongau eine Tote gefunden. Bei seiner Recherchen erfährt Kommissar Gerhard Weinzirl und seine Mitarbeiterin Evi einiges über die Geschichte des Forggensees, den viele Menschen für ein natürliches Gewässer halten. Das ist allerdings nicht der Fall. Der bei Einheimischen und Touristen beliebte See wurde 1954 künstlich als Stausee für den wilden Lech angelegt. Zuvor mussten allerdings zwei Dörfer im See geflutet werden. 

Deren Bewohner verloren ihr Zuhause. Die Überreste der verlassenen Häuser boten jedoch Baumaterial für andere Menschen, die im Krieg ihre Heimat verloren hatten. Damit konnten sie ein neues Heim errichten. Dies hatte Förg genauestens recherchiert, bevor sie „sehr sportlich“ innerhalb von nur drei Monaten den Krimi geschrieben hatte. Bei ihren Erkundigungen, die sie über die Geschichte des Lechs einholte, stieß Förg auf Gunther Bernich, der ihr viele Informationen über den Fluss gab. Dessen eigene Lebensgeschichte weist zudem große Parallelen zu einer Hauptfigur in „Heimatherz“ auf. 

Darin spielt zudem eine Brosche eine wichtige Rolle. Bernich, der in Hausen bei Bertoldshofen wohnt, habe der Schriftstellerin vieles über die sogenannten „Forggenseehäuser“ berichtet. Als Kind von Kriegsflüchtlingen ist er in jungen Jahren selbst in einem davon untergekommen und lebt bis heute darin. Dadurch sei ihr die Dramatik um den Verlust der Heimat der alteingessenen Dorfbevölkerung erst so richtig bewusst geworden, erklärte Förg den rund 50 Besuchern ihrer Lesung. 

Und auch die Zerstörung der Natur am Lech durch den Bau des Forggensees sei ihr mehr und mehr zu Bewusstsein gekommen. „Ich will schon auch auf Umweltthemen aufmerksam machen“, unterstrich die Autorin,

dass sie mit ihrem neuesten Krimi nicht bloß spannend unterhalten wolle.

 Was ist Heimat?

 „Heimatherz“ wirft deshalb die Frage auf, was Heimat speziell auch in unseren Tagen überhaupt ist, in denen sich abermals viele Menschen gezwungen sehen, ihr Zuhause zu verlassen und woanders eine Zukunft zu suchen. 

Ob sie dort eine Heimat finden, dürfte man immerhin bezweifeln, wenn man Förgs Erklärung teilt. Für die Autorin ist Heimat doch „die Menschen, die mir wichtig sind sowie der Lebensraum, in dem man sozialisiert wurde und wo man Dinge tun kann, die einem wichtig sind.“

Der Krimi „Heimatherz“ umfasst 208 Seiten. Er ist im Emons-Verlag erschienen und kostet 12,95 Euro.

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