Füssener Nachtumzug lockt zahlreiche Gruppen und Zuschauer an

Umzug mit Besonderheiten

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Die Schindauer dürfen bei der mittlerweile sechsten Auflage des Füssener Nachtumzuges selbstverständlich nicht fehlen.

Füssen – Heiß wie beim Karneval in Rio war es beim sechsten Füssener „Nachtumzug“ des Faschingsvereins und seinen zahlreichen Gästen nur in der Nähe der vielen Hexen.

Zu den weiteren Gruppen, die am Freitagabend der Kälte und dem Schnee mutig trotzten, gehörten auch die „Sieben Schwaben“. In die Chronik des mit dem „Fiassar Muckl“ originell wieder belebten feierfreudigen Vereins um den 1. Vorsitzenden Roland Berkmüller geht der mit Neuschnee einher gehende Februarabend als Highlight ein. 

Nach dem Rußigen Donnerstag legten die von Fasching begeisterten Füssener keine Atempause ein. Vor dem Nachtumzug, der am Freitagabend um 19.11 Uhr an der Morisse an den Start gehen sollte, konnten sich am Nachmittag bunt kostümierte Mädchen und Buben austoben: Der FC Füssen hatte in familiärer Atmosphäre zum Feiern in Hopfen am See eingeladen. Der Partyraum in Uli Pickls „Haus Hopfensee“ war Schauplatz fürs närrische Treiben der Kleinen. 

Der feuchtkalte Abend mit Neuschnee hielt Annette und Tim Kerler aus Füssen nicht davon ab, mit Samuel in seinem Kinderwagen in Richtung Morisse aufzubrechen. Dem erst 22 Monate zählenden Bub wurde unter den Arkaden am Feneberg-Markt nicht kalt, denn ihn schützte ein dickes Fell. „Sein erstes Kostüm war Marienkäfer, Dieses Jahr haben wir uns ganz anders entschieden: für den wilden Löwen!“, erzählten die Eltern. 

Nicht nur Mädels und Buben warteten auf die Fußgruppen des Nachtzugs in fantasievoller faschingsübliche Bekleidung. Im Kreis der Erwachsenen musste es nicht gleich von Kopf bis Fuß ein Bajazzo oder Teufel sein. Ein flottes Hütchen tat es auch. Ziemlich aus dem Rahmen fiel dagegen Jürgen Brecht.

 Der Füssener war in keines der üblichen Kostüme von der Stange geschlüpft. Er erklärte gegenüber dem Kreisbote: „Ich trage ein Gwand, wie es die amerikanischen Fallensteller im 18. Jahrhundert anhatten.“ 

19 Gruppen

Der Uhrzeiger ging schon auf 19.30 Uhr zu, als sich das Publikum in der Inneren Kemptner Straße über die ersten schrägen Töne freuen konnte. „Wir hatten mit dem Zug Verspätung. Einige unserer Gäste standen lang im Stau“, bat Anne Berkmüller aus dem einheimischen Organisationsteam um Verständnis. Tatsächlich staute sich der Verkehr auf der A7 zu diesem Zeitpunkt bereits weit über den Reinertshofener Tunnel hinaus.

Freie Fahrt hinter den vorne weg marschierenden „Schindauern“ und 19 weitere Fußgruppen aus Nah und Fern gab es dafür anschließend für das Ziehwägelchen mit einer Puppe, die augenscheinlich dem Füssener Bürgermeister ähnelte. Den im Urlaub weilenden Paul Iacob (SPD), so der Faschingsverein in einer Stellungsnahme, wollte man zumindest symbolisch mit dabei haben, wenn sich der mittlerweile bereits sechste Nachtumzug des Vereins über Ritter- und Reichenstraße zum Schrannenplatz bewegte. 

Dort sorgte der in der laufenden Gruppe der Seinigen doch schmerzlich vermisste Vorsitzende Roland Berkmüller mit den live spielenden Musikgruppen dafür, dass die angekündigte Party schnell Fahrt aufnahm. 

Hexen mit Herz

 „Die vielen Hexen“ im Umzug waren auch Werner Strobl aus Füssen aufgefallen. Sein Kommentar: Da fühle sich ein jeder selbst nicht mehr schlecht aussehend. Zumal die „bösen Weiber“ viel Herz zeigten und ausgewählten männlichen Zuschauern Halsketten aus hochkarätigen Plastikperlen schenkten.

 Hexengruppen gehen auf die alemannische Tradition zurück. Als Mitglied des bayerisch-schwäbischen Fastnachtsverbands legt der Füssener Verein Wert, mit seinen Gästen an solches Brauchtum zu erinnern. „Alle sagten, dass sie wieder nach Füssen kommen“, freut sich Berkmüller mit den Aktiven. 

Zu wenig los?

Alleinstellungsmerkmal des Vereins ist die Figur des „Fiassar Muckl“, in dieser Saison frech verkörpert von Katja Raaz. 

Der erste Muckl aus den Reihen des Faschingsvereins, der weiterhin mit „Hauruck“-Ruf unterwegs ist, war dagegen noch männlich. Die Gastgruppen – wie sie versicherten – wollen Füssen wegen der einmaligen Atmosphäre in den Altstadtstraßen und am Schrannenplatz weiterhin die närrische Treue halten. Kritik gab es allerdings aus den Reihen des Publikums. Hier war zu hören, dass im Umland viel mehr los sei als in der Stadt.

Chris Friedrich

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