Gehsteig in der Bahnhofstraße wird nicht verschmälert

Bebauungsplan W43: Füssener Stadträte loben geänderten Entwurf

Bus in Füssener Bahnhofstraße
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Über die Bahnhofstraße gelangen Busse zum Bahnhof. Doch aneinander vorbeifahren können sie dort nicht. Im Zuge der Neugestaltung des ZOBs soll auch die Bahnhofstraße umgebaut werden. Dann wird eine Be- und Entladezone die Parkbuchten (rechts) am Luitpoldparkhotel ersetzen.

Füssen – Nachdem Stadtverwaltung, Stadträte und Planer jahrelang am Bebauungsplan W43 – Ottostraße/Bahnhofstraße herumgetüftelt haben, scheinen sie nun eine Lösung gefunden zu haben, die fast alle zufriedenstellt. Zumindest gab es jetzt in der Sitzung des Stadtrates viel Lob aus den Fraktionen für Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) und sein Team.

Da dieser nach der jüngsten Klausursitzung des Kommunalparlaments die Pläne ändern ließ, muss der Bebauungsplan erneut öffentlich ausgelegt werden, was die Räte bei einer Gegenstimme absegneten.

Als der Stadtrat im November 2017 nach jahrelangen Diskussionen den Vorentwurf für die erste Änderung des seit April 2006 geltenden Bebauungsplans (B-Plan) W43 beschloss, war die Erleichterung greifbar. Immerhin soll die Bauleitplanung den innerstädtischen Verkehr an einem neuralgischen Punkt verbessern. Statt des Jahrelang geplanten Durchstichs durch den Freyberg-Park soll nun der Luitpoldkreisel ausgebaut werden. Gleichzeitig wollten die Planer auch die Bahnhofstraße zum ZOB verbreitern, damit dort künftig zwei Busse aneinander vorbeifahren können.

Im Gegenzug sollte der nördliche Gehweg schmaler gemacht werden (der Kreisbote berichtete mehrfach). Doch zwei Jahre später hatte eine Mehrheit der Ratsmitglieder Zweifel an diesem Konzept. So hatte die Fraktion von Füssen-Land (FL) im Zuge der damaligen öffentlichen Auslegung des B-Plan-Entwurfs unter anderem beantragt, den nördlichen Gehweg so zu belassen wie er ist und die Parkbuchten auf der Südseite vor dem Luitpoldparkhotel aufzulösen, um die Bahnhofstraße in Richtung Süden verbreitern zu können.

Und diese Änderung hat Eichstetter jetzt unter anderem in den B-Plan-Entwurf einarbeiten lassen. So soll der nördliche Gehsteig der Bahnhofstraße als Hauptverkehrsachse für Fußgänger so großzügig wie möglich gestaltet werden, meinte der Rathauschef. Deshalb soll er künftig 3,50 Meter breit sein, ähnlich wie der an der Südseite, dessen Breite künftig zwischen 3,53 (Westen) und 3,30 Meter (Osten) betragen wird. „Die Fahrbahnbreite bleibt bei sechs Metern“, so der Bürgermeister.

Damit entspreche sie den Richtlinien der Fachstellen, ergänzte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Wegfallen werden künftig die Parkbuchten vor dem Luitpoldparkhotel. Stattdessen soll es eine Be- und Entladezone geben. „Ein Reisebus kann hinfahren und ausladen“, so der Rathauschef. Da er dann allerdings den fließenden Verkehr behindert, werde der Busfahrer dazu genötigt, so schnell wie möglich weiterzufahren. „Das war ein Wunsch, den haben wir aufgenommen.“ Gespräche darüber gab es bereits mit dem Hotel. Wie genau das aber gehandhabt wird, damit wird sich noch der Verkehrsausschuss befassen, erklärte Angeringer.

Um Bussen künftig die Durchfahrt durch den Luitpoldkreisverkehr zu erleichtern, wird der Fahrbahnteiler der Bahnhofstraße nicht mehr begrünt, sondern überfahrbar sein. „Prinzipiell fährt über die Verkehrsinsel jeder drüber“, beschrieb Eichstetter die jetzige Situation. Damit die Schleppkurven zusätzlich entschärft werden, soll der Durchmesser des nicht überfahrbaren Bereichs des Kreisverkehrs um einen halben Meter verkleinert werden.

Neuer Taxistandort

Eine weitere Anregung der Räte war, dass der Stellplatz vor dem Kurcafé Schlosskrone zugunsten des Gehweges und der Fahrbahn aufgegeben wird. Der Hotelier sei darüber informiert. Der Parkplatz soll in der Augustenstraße ersetzt werden. „Ich bin überzeugt, dass die Kunden fünf Meter mehr in Kauf nehmen werden“, meinte Eichstetter. „Für die Allgemeinheit ist das die beste Lösung.“

Beim Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) möchte die Stadtverwaltung zunächst die Entwürfe der Sieger des Realisierungswettbewerbs abwarten. Liegen diese vor, sollen die Taxistellplätze an der Süd-Ost-Seite des ZOBs angesiedelt werden, dort wo sie teilweise jetzt schon stehen. „Der heutige Standort macht viel mehr Sinn“, so Eichstetter. Dieser sei zudem rechtlich abgesichert. Am ursprünglich geplanten Platz wären mittags Schüler zwischen den Autos umhergelaufen. „Das wollen wir nicht.“ Stattdessen könnte hier, südlich des Bahnhofs, der Außen-Wartebereich verbreitert und die Verkehrsfläche begradigt werden.

Außerdem möchte die Stadt die Feuerwehrzufahrt zum Luitpoldparkhotel vom Norden in den Süden verlegen. Denn die Wege müssten im Zuge der Freybergpark-Umgestaltung eh neu angelegt werden. Aktuell sei westlich der Toiletten ein Platz vorgesehen, um Fahrräder abstellen zu können. Derzeit prüfe die Stadtverwaltung aber noch, ob eventuell am Finanzamt ein Platz dafür wäre.

Applaus für Eichstetter

Diese Änderungen bringen allerdings mit sich, dass das Schallschutzgutachten neu gemacht und die geänderten Pläne erneut öffentlich ausgelegt werden müssen, so Eichstetter. Das schien den Stadträten allerdings wenig auszumachen. Sie zeigten sich durchweg erleichtert, dass ihre Anregungen aufgenommen wurden. „Das hier haben wir immer gefordert“, meinte Füssen-Land-Stadtrat Niko Schulte. Unter Eichstetters Vorgänger hätten sie aber immer zu hören bekommen, dass das nicht gehe. Deshalb sprach er ihm und der Stadtverwaltung ein Lob und seinen Dank aus, wofür es Applaus aus dem Gremium gab.

„Wir sind hochzufrieden, dass diese Dinge endlich umgesetzt worden sind gegen viele Widerstände in der Vergangenheit“, betonte Dr. Anni Derday im Namen der Freie Wähler Fraktion. „Wir unterstützen Sie zu 100 Prozent“, ergänzte Jürgen Doser (FWF). Er unterstrich, wie wichtig es war, die Pläne so detailliert auszuarbeiten. Jetzt gelte es aber Gas zu geben. Simon Hartung (CSU) dankte seinen Fraktionskollegen Peter Hartung, Andreas Eggensberger und Eichstetter, die sich viele Stunden lang mit der Thematik auseinandergesetzt hätten. Durch die Klausursitzung sei man hier gut vorangekommen, so Eichstetter.

Bei der öffentlichen Auslegung des B-Plan-Entwurfs wurden bereits 47 Behörden beteiligt, von denen sich nur sieben dazu geäußert haben. Die Einwände wogen die Stadträte einstimmig ab. Aus der Öffentlichkeit gingen zwei Stellungnahmen ein, die sich hauptsächlich um den Standort der Taxen, den nördlichen Gehweg in der Bahnhofstraße und der Be- und Entladezone an der Südseite sowie der Barrierefreiheit drehten. Letztere werde berücksichtigt und im Ausführungsplan enthalten sein, hieß es dazu aus der Stadtverwaltung. Das freute vor allem Ilona Deckwerth (SPD).

Anders sah es da mit der neuen Verkehrsführung aus. „Das ist für mich eine falsche Weichenstellung. Bei der Umwidmung des Luitpoldkreisels kann ich nicht mitgehen.“ Deshalb sprach sie sich als Einzige gegen die Änderungen des B-Plans aus.

kk

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