Kritik an wildparkenden Reisebussen

"Eine reine Katastrophe"

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Laut des neuen Parkplatzkonzeptes darf der Busparkplatz des Seehotels am Weißensee von Reisebussen künftig nur noch von Westen, also aus Richtung Weißensee, angefahren werden. Außerdem muss ein Einweiser für Ordnung sorgen.

Füssen – Als jetzt erneut ein Reisebus vor einem Asia-Restaurant hielt und den Verkehr blockierte, platze einem Füssener der Kragen. Auf Facebook fragte er, wann die Stadtverwaltung etwas gegen die wildparkenden Busse unternehme. Doch im Rathaus sind die Verantwortlichen mit ihrem Latein am Ende. 

„Das ist eine reine Katastrophe!“, platzte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vergangene Woche im Stadtrat der Kragen. Es war einmal mehr die Parkplatzsituation rund um den Gasthof Weißensee, die die Diskussion vergangene Woche auslöste und vor allem Bürgermeister Iacob auf die Palme brachte. Denn wie SPD-Fraktionsvorsitzender Lothar Schaffrath berichtete, soll am Seehotel Weißensee unlängst ein Reisebus mit asiatischen Touristen Mitten auf der B310 gehalten haben. Und dieses Problem ist nicht neu. 

Bei Touristen aus Asien steht der Gasthof Weißensee mittlerweile ganz oben auf ihrem Ausflugsprogramm. Denn neben einem Asia-Restaurant will der Gasthof die Urlauber aus fernost mittlerweile auch mit einem Souvenirshop speziell für Gäste aus China, Japan und Korea locken. Dementsprechend oft fahren Busse mit Reisegruppen aus diesen Ländern mittlerweile den Gasthof am Seeufer an – und benutzen offenbar nicht immer die dafür ausgewiesenen Busparkplätze. 

Probleme auf unübersichtlicher Straße

Das sorgte bereits in der Vergangenheit häufig für Probleme an der engen und unübersichtlichen Straße. Deshalb hatte der Bauausschuss auch nur mit Bauchschmerzen und Auflagen dem Souvenirshop zugestimmt (der Kreisbote berichtete). Eine Entscheidung, die sich jetzt zu rächen scheint. 

„Normalerweise müssten wir den Laden zumachen“, empörte sich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vergangene Woche im Stadtrat. Denn trotz dieser Auflage habe der Betreiber das geforderte Parkplatzkonzept nicht umgesetzt, zürnte der Rathauschef. Da der Stadtverwaltung allerdings die Hände gebunden seien, wolle er sich deswegen an das Landratsamt in Marktoberdorf wenden, kündigte er an. Das Ziel: die Schließung des Souvenirladens bis das Parkplatzkonzept umgesetzt sei. 

Keine Genehmigung erteilt

Allerdings kann der Seehotel-Betreiber das neue Stellplatzkonzept noch gar nicht umgesetzt haben, da das Landratsamt noch gar keine Genehmigung dafür erteilt und zugestellt hat, wie Gudrun Hummel, Leiterin des Bau- und Umweltamtes, auf Nachfrage des Kreisbote erklärte. Ihren Angaben zufolge sieht das Konzept vor, dass die Busse den Gasthof ausschließlich aus Richtung Weißensee anfahren dürfen. Außerdem solle ein Einweiser die Busse auf die Parkplätze lotsen. „Das ist einvernehmlich so mit den zuständigen Fachbehörden vereinbart worden“, sagte sie auf Anfrage des Kreisbote. Dazu gehörten unter anderem die Polizei und das Straßenbauamt. Dass die Situation vor Ort nicht einfach sei, sei allen Beteiligten dabei bewusst: „Die Stellplätze für die Busse sind wegen der schwierigen Situation heikel“, so Hummel. 

"Das sind Abfütterstationen"

Doch nicht nur am Weißensee gibt es Problem mit wild parkenden, zumeist aus Südosteuropa kommenden Bussen. „Das ist eine reine Katastrophe“, spielte Iacob im Stadtparlament auch auf die Situation in der Augsburger Straße an, wo die Busse ebenfalls häufig halten, um die Passagiere aussteigen zu lassen. Die steuern in der Regel zielstrebig ein Asia-Restaurant in der Nähe an. „Das sind Abfütterstationen“, ereiferte sich Iacob. „Das kann nicht die Zukunft dieser Stadt sein!“ 

Den Vorschlag von Christoph Böhm (CSU), bei Situationen wie der in Weißensee künftig einfach das Kennzeichen des Busses zu notieren und bei der Polizei anzuzeigen, wies nicht nur der Bürgermeister zurück: Da die Fahrer zumeist aus Südosteuropa kommen, bringe das gar nichts, war sich die Mehrheit der Stadträte einig. 

Buskonzept erarbeiten

Andreas Eggensberger, Stadtrat der CSU, selbst Hotelier und Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins, kündigte dagegen an, zusammen mit Hoteliers und in Absprache mit Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier ein Buskonzept erarbeiten zu wollen. „Wir brauchen ein klares Angebot für Busse“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Spruchreif sei allerdings noch nichts. „Wir sind in der Sammlungsphase“, betonte er. Klar sei aber, dass die Füssener Hoteliers sich nach dem „Verursacherprinzip“ bei der Suche nach Lösungen für das Busproblem einbringen müssten. Ebenso klar sei aber auch: „Es gibt keine einfache Lösung!“

Matthias Matz

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