"Wir müssen uns intensiv Gedanken machen"

Unterschiedliche Reaktionen auf Untersuchungsergebnisse zur Füssener Innenstadt

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Die Öffnungszeiten des Einzelhandels werden von Einheimischen kritisch gesehen.

Füssen – Selbstkritisch bis empört reagierten die anwesenden Einzelhändler und Hoteliers auf die Ergebnisse der Untersuchung „Innenstädte im ländlichen Raum – Perspektiven und Handlungsempfehlungen für das Ortszentrum Füssen“. An Vorschlägen zur Lösung der Probleme mangelt es jedoch nicht, wie die auf den Vortrag folgende Diskussion zeigte. 

Die Hoteliers Willi Schwecke und Frieder Hanauer warnten davor, Stimmung gegen auswärtige Touristen zu machen. Hintergrund ist, dass eine große Mehrheit der befragten Füssener die Stadt in der Hauptsaison als überlaufen empfindet. „Ich halte das ständige Erwähnen der Überbelastung vor den Medien für sehr gefährlich“, sagte Hanauer unter dem Applaus einiger Anwesender. Es sei zu befürchten, dass das auch China wahrgenommen werde und Gäste von dort künftig ausbleiben könnten. 

Schwecke bekannte hingegen: „Ich habe hier heute einen hohen Blutdruck bekommen!“ Die Kritik an Gästen aus Asien sei für ihn schon dicht an der Grenze zum Fremdenhass. „Mich ärgert, dass die Füssener nicht verstehen, dass wir eine Tourismusstadt sind!“ 

Günter Herrmann, der fünf Modegeschäfte in der Innenstadt betreibt, zeigte sich erschrocken über das mäßige Abschneiden des Einzelhandels bei den Ortsansässigen. Denn gerade dort sei in den vergangenen Jahren einiges getan und investiert worden. „Das muss ich so hinnehmen und wir müssen uns intensiv Gedanken machen.“ Ein Problem in seiner Branche sei, dass es an Arbeitskräften fehle. Für Verkäuferinnen sei es beispielsweise nicht einfach, eine Wohnung zu finden. Hier müsse Abhilfe geschaffen werden. 

Klaus Keller, Betreiber des gleichnamigen Sportgeschäfts, wollte indes von Prof. Dr. Alfred Bauer und Dr. Markus Hilpert wissen, wie die Besucherströme reduziert, entzerrt und gesteuert werden könnten. Bauer entgegnete, dass es nicht um eine Reduzierung der Zahlen, sondern eine bessere Verteilung über die Saison und Stadt gehe. Die Ideen dafür müssten aber von den Füssenern selbst in den geplanten Workshops erarbeitet werden. „Eine Erlebbarkeit der gesamten Innenstadt könnte zur Entzerrung führen“, erklärte er. 

Parkplätze im Süden

Schnell wurde in der Diskussion deutlich, dass das Parkkonzept verbessert werden sollte. So schlug Klaus Keller Parkplätze in den alten Hanfwerken vor. Derzeit würden alle Touristen zur Morisse oder die Sparkassentiefgarage fahren. Ein weiterer Parkplatz im Süden der Stadt würde diese Ströme entzerren. Ähnlich argumentierten auch Museumsleiter Dr. Anton Englert und Stadträtin Uschi Lax (CSU). Mit Parkplätzen im Süden oder Osten würden auch mehr Menschen dorthin geleitet und diese Quartiere gestärkt werden. Ein nicht zu unterschätzender Faktor dabei sei der Lechweg, der großes Potenzial habe. Unterstützung erhielten sie dabei von Dr. Hilpert, der bestätigte: „Der Lechweg ist Romantik pur!“ Womit er bestens zur touristischen Ausrichtung der Stadt passe. 

All diese Ideen und Vorschläge sollen nun in Workshops gesammelt und konkretisiert werden. Teilnehmen sollen neben den Experten 28 Personen aus Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie, Stadtverwaltung und Politik. „Uns ist wichtig, dass es schnell in die Umsetzung geht“, mahnte Prof. Dr. Bauer von der Hochschule Kempten.

mm

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