Landrätin sieht den Freistaat in der Pflicht

Festspielhaus: "Die Stadt kann die Million nicht stemmen"

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Öffentliche Zuschüsse für Einrichtungen wie das Festspielhaus sind unter bestimmten Voraussetzungen zwar grundsätzlich möglich. Die Stadt hat aber nicht das nötigien Geld, um das hohe Defizit ausgleichen zu können.

Füssen – Nach der Rücknahme der Hotel-Pläne durch Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler hat die Debatte um öffentliche Zuschüsse für das Veranstaltungshaus am Forggensee Ende vergangener Woche Fahrt aufgenommen.

In einem Pressegespräch der SPD-Fraktion brachte Stadträtin Dagmar Rothemund diese Option ins Spiel. Auch Rietzler hat deswegen in der Vergangenheit schon bei der Stadt angefragt. Als Vorbild könnte die Stadt Kempten dienen, die die ebenfalls privatwirtschaftlich betriebene bigBOX seit Oktober 2007 jährlich bezuschusst. Doch die Hürden dafür sind hoch. 

Selbst die Gegner es geplanten Fünf-Sterne-Hotels am Festspielhaus sind sich darüber im Klaren: Allein durch den Musiktheaterbetrieb kann das Festspielhaus wirtschaftlich nicht dauerhaft betrieben werden. Drei Insolvenzen in der Vergangenheit haben das eindrucksvoll bewiesen. Und selbst unter einem erfolgreichen Geschäftsmann wie Rietzler soll das jährliche Defizit des Hauses nach Informationen dem Vernehmen nach bei über einer Million Euro liegen. Damit ist das Festspielhaus aber keineswegs ein Einzelfall. Im Gegenteil: Kaum ein Theater oder ähnliches schreibt schwarze Zahlen. 

Bislang glich der Marktoberdorfer das Minus aus eigener Tasche aus. Doch am Mittwoch vergangener Woche kündigte er an, nur für diese Spielzeit nochmals die Verluste tragen zu wollen. Für die Saison 2020 werde deshalb bereits an einem verschlankten, also kostengünstigerem Spielplan, gearbeitet. „Birgit Karle und Benjamin Sahler werden als Theaterleitung auch weiterhin versuchen das Haus in eine sichere Zukunft zu führen“, sagte er. 

Ob das Haus so aber langfristig überleben kann, ist fraglich. Rietzler ist jedenfalls nach wie vor der Überzeugung, dass die Existenz des Hauses nur durch ein Hotel gesichert werden kann. „Nach einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsprüfung der Zahlen der letzten Jahre ist nach der Meinung von Experten ein Erhalt des Festspielhausbetriebes nur durch eine Verbreiterung des Angebots mit einem angeschlossenen Hotel- und Kongresszentrum möglich“, erläuterte er. 

Nachdem der Eigentümer seine Hotel-Pläne aber zurückgezogen hat (der Kreisbote berichtete), nimmt die Debatte um öffentliche Zuschüsse für das Veranstaltungshaus wieder Fahrt auf. So forderte unter anderem SPD-Stadträtin Dagmar Rothemund einen Zuschuss durch die Stadt Füssen. Als Vorbild nannte sie die Stadt Kempten, die die ebenfalls privatwirtschaftlich betriebene bigBOX seit fast 12 Jahren bezuschusst. Auch die Projekt-Gegner um Bund Naturschutz und Kreisfischereiverein hatten in der Vergangenheit als Alternative zum Hotel immer wieder öffentliche Subventionen ins Spiel gebracht. 

Grundsätzlich möglich

Grundsätzlich möglich sind öffentliche Zuschüsse für privatwirtschaftliche Einrichtungen wie das Festspielhaus tatsächlich – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wie der stellvertretende Kemptener Kämmerer Johannes Höld auf Anfrage des Kreisbote erläuterte, bezuschusst die Stadt Kempten die bigBOX seit Oktober 2007 mit jährlich bis zu 350.000 Euro im Rahmen der Kulturförderung. Dies sei EU-rechtlich möglich und auch wasserdicht, weil die bigBOX die Funktion einer Stadthalle erfülle, die die Stadt Kempten selbst nicht hat. 

Bei der Bezuschussung gehe ausschließlich um den Spielbetrieb bzw. den Ausgleich des Betriebsverlusts des Spielbetriebs, sagte er. „Alles, was nicht als Stadthalle gilt, darf nicht bezuschusst werden!“ Allerdings betonte er auch: „Das ist eine freiwillige Leistung ohne Anspruch!“ Das ein solches Modell auch auf das Festspielhaus angewendet werden könne, sei durchaus denkbar. „Das müsste man sich anschauen“, sagte er. 

Unterdessen bestätigte Felix Blersch, Sprecher der Stadt Füssen, dass Rietzler das Thema öffentliche Zuschüsse bereits in der Vergangenheit einmal gegenüber der Stadt Füssens angesprochen habe. Ein offizieller Antrag sei aber nicht gestellt worden. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sieht einen städtischen Zuschuss für das Festspielhaus ohnehin kritisch. „Privatinstitutionen kann man unter bestimmten Voraussetzungen fördern“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Allerdings gebe der Haushalt der Stadt dies kaum her. Auch SPD-Stadtrat Georg Waldmann warnte vergangene Woche vor allzu hohen Erwartungen. „Die Stadt kann die Million nicht stemmen“, erklärte er. „Füssen hat nicht den Haushalt von Kempten.“ 

Vom Landkreis Ostallgäu ist ebenfalls kein Geld für das Festspielhaus zu erwarten. Da die Einnahmen des Kreises fast zur Hälfte auf der Kreisumlage beruhen, die alle Gemeinden zahlen, dürfe der Landkreis nur Geld für seine Aufgaben ausgeben, erklärte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) auf Anfrage des Kreisbote. Dazu gehöre auf kultureller Ebene beispielsweise die Heimatpflege. „Die Förderung von Einrichtungen wie Stadthallen, Kurhäusern, Mehrzweckhallen oder eventuell eines privaten Festspielhauses als Ersatz für solche Einrichtungen ist daher auf der Ebene der Kommune, insbesondere von Städten zu sehen“, so Landrätin Zinnecker weiter. Außerdem habe das Füssener Festspielhaus einen überregionalen Besucherkreis. „Eine Subventionierung muss daher vor allem der Freistaat Bayern leisten.“

Matthias Matz

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