Mentale Belastung wird dem 32-Jährigem zu hoch

Rösler legt Amt als Kämmerer nieder

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Tobias Rösler, Herr über die Füssener Finanzen, legt sein Amt nach nur drei Jahren nieder.

Füssen – Die Stadt Füssen sucht einen Nachfolger für Kämmerer Tobias Rösler. Wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstagnachmittag in einem Pressegespräch bekannt gab, wird der 32-Jährige sein Amt zum 30. Juni kommenden Jahres nach nur drei Jahren niederlegen und die Stadtverwaltung nach 16 Jahren verlassen. 

Als Grund führte Rösler die hohe Belastung und Verantwortung, die mit dem Amt des Kämmerers einhergeht, an. „Für mich persönlich geht es so nicht weiter“, sagte er. 

Der heute 32-Jährige war erst zum 1. Juli 2015 zum Kämmerer ernannt worden, nachdem die ursprünglich als Kämmerin vorgesehene Sandra Hartmann damals überraschend nach nur wenigen Wochen wieder gekündigt hatte. Zuvor hatte über ein Jahrzehnt Helmut Schuster die städtische Finanzverwaltung geführt. 

In einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag begründete Rösler seinen Schritt mit der hohen psychischen Belastung des Amtes. „Das Fell, das man dafür braucht, ist mir nicht gewachsen“, so Rösler. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange überlegt. „Aber ich habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, bevor es zu gesundheitlichen Einschränkungen kommt.“ 

Tatsächlich sind die Anforderungen an den Kämmerer in Füssen im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größenordnung ungewöhnlich hoch. Neben den hohen Schulden der Stadt verlangen derzeit vor allem die Währungskredite in Schweizer Franken und die jüngst durch den Kreisbote öffentlich bekannt gewordenen Swap-Geschäfte den Mitarbeitern der Finanzverwaltung viel ab. 

Dazu kommen immer neue Regelungen und Vorgaben von Bund und EU, was die Arbeit des Kämmerers - der auch für die städtischen Eigenbetriebe wie Stadtwerke oder Forggenseeschifffahrt zuständig ist - zusätzlich erschwere. „Irgendwie geht die Angst immer mit, etwas falsch zu machen“, erklärte Rösler. „Ein Alltag hat nie stattgefunden, da immer neue Sachen aufkamen.“

Bürgermeister Iacob bedauert die Entscheidung Röslers nach eigenen Angaben „zutiefst“. Rösler sei „eine absolut kompetente Kraft, die hier ausgebildet wurde“, sagte er. „Es war eine gute Zusammenarbeit.“ 

Auch Iacob verwies auf die gestiegenen Anforderungen durch immer mehr Vorgaben aus Brüssel beispielsweise in steuerrechtlichen Angelegenheiten. „Es wird Verantwortung nach unten gegeben und Geld nach oben abgezogen“, kritisierte der Rathauschef. „Wir müssen den Mitarbeitern immer mehr Verantwortung überlassen.“ Und gerade die eines Kämmerers sei mittlerweile „unglaublich hoch“. 

Erschwert werde die Arbeit der Verwaltung zusätzlich durch eine kritische Beobachtung durch die Öffentlichkeit. „Die Mitarbeiter stehen heute unter einem ungeheuren Druck!“ Er frage sich daher, ob künftig überhaupt noch junge Menschen bereit sein werden, Verantwortung im öffentlichen Dienst zu übernehmen.

Die Stellenausschreibung für Röslers Nachfolger soll im kommenden Jahr überregional erfolgen, kündigte Iacob an. Idealerweise sollte der oder die „eine gewisse Erfahrung“ mitbringen. „Wir sind vom Tourismus geprägt und wir haben unsere Verbindlichkeiten bei den Banken“, verwies Iacob auf die Besonderheiten der Lechstadt. 

Zunächst aber werde Tobias Rösler wie üblich den Haushalt 2018 aufstellen. Dieser werde dann hoffentlich zügig die zuständigen politischen Gremien und die Genehmigungsbehörden passieren, so Iacob weiter.

Matthias Matz

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