Bauausschuss lehnt Drei-Sterne-Hotel im Gewerbegebiet kategorisch ab

Absage an zusätzliches Hotel

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Eine weitere Zimmer- und Bettenmehrung wollen Politik und Verwaltung verhindern. Im Gewerbegebiet Nord darf deshalb kein Hotel entstehen.

Füssen – „Das grenzt an eine Zumutung!“ Mit zum Teil deutlichen Worten hat der Bauausschuss am Dienstagabend die Bauvoranfrage für ein Drei-Sterne-Hotel in der Abt-Hafner-Straße im Gewerbegebiet Füssen-Nord abgelehnt.

Neben verschiedenen baurechtlichen und städtebaulichen Gründen passe das Vorhaben nicht in die Tourismusstrategie der Stadt, argumentierten die Stadträte.

Diese sieht bekanntlich eine Steigerung der touristischen Qualität vor. Die aktuellen Tourismuszahlen für dieses Jahr (siehe eigener Bericht) scheinen das zu bestätigen. Von einer Qualitätssteigerung könne bei dem geplanten Projekt aber nicht die Rede sein, so die einhellige Einschätzung de Ausschussmitglieder. 

So soll das Drei-Sterne-Hotel mit rund 60 Zimmern im Gewerbegebiet Füssen-Nord gebaut und über 100 Meter lang werden. Zielgruppe sind demnach vor allem Familien. Neben den 60 Zimmern mit einer Größe von etwa 25 Quadratmetern sollen auch ein Restaurant und eine kleine Küche eingerichtet werden. 

Der Marketing- und Wirtschaftsausschuss der Stadt hatte sich bereits im Vorfeld der Bauausschusssitzung einstimmig gegen das Hotel ausgesprochen. Standort und Klassifikationsniveau würden keinen Grund zu der Annahme geben, dass das Hotel die angestrebte Qualitätsoffensive der Stadt maßgeblichen stützen könne, heißt es in der Stellungnahme des Gremiums.

Die Experten befürchten durch eine weitere Bettenmehrung eine Überhitzung des Marktes in der Hauptsaison. „Vielmehr handelt es sich um die Ausweitung von Kapazitäten im preissensiblen Bereich, was zu einem zusätzlichen Preisdruck in der Nebensaison führen würde“, schreiben sie. Außerdem befürchten die Ausschussmitglieder, dass der Markt in der Hauptsaison überhitzt, die Infrastruktur überlastet und die Toleranz der Einheimischen überstrapaziert wird.

„Die meisten Anträge dieser Art sind reine Bettenmehrung“, konkretisierte Füssens Tourismuschef Stefan Fredlmeier am Dienstagabend in der Sitzung die Kritik des Wirtschafts- und Marketingausschusses. Ein Grund dafür sei der derzeit glänzend laufende Deutschlandtourismus. Wie lange dieser Boom anhalte, sei aber nicht abzusehen. Fest stehe nur, dass es sich dabei um keinen Dauerzustand handle. „Aber die Häuser haben kein Profil, um langfristig bestehen zu können.“ 

Gegen hochwertige Vier- bis Fünf-Sterne, wie es etwa irgendwann am Festspielhaus gebaut werde, bestünden dagegen keine Einwände, da diese den Tourismus in der Stadt voranbringen würden.

"Das ist keine Lösung"

Darüber hinaus verstößt das Vorhaben laut Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer in Teilen auch gegen die Vorgaben des dort geltenden Bebauungsplans Nr. 10 und die städtische Stellplatzsatzung. So würden Baugrenzen und Firsthöhen überschritten. Dazu komme die Gebäudelänge von über 100 Metern. „Das ist städtebaulich keine Lösung!“, so Angeringer. Außerdem plane der Bauwerber ein Pultdach statt der dort erlaubten Satteldächer sowie zwei Zufahrten statt einer. 

Die Meinungen der Stadträte zu dem Gehörten waren eindeutig. „Wir müssen den Qualitätstourismus fördern – das tun wird mit diesem Vorhaben nicht“, sagte Michael Jakob (CSU). Sein Fraktionskollege Michael Schmück kritisierte die Pläne ebenfalls scharf: „Das grenzt an eine Zumutung!“ Stadträtin Dr. Anni Derday (FW) betrachtete das Thema allgemeiner. „Diese Bettenmehrung wird zu einem Riesenproblem für unsere Stadt“, erläuterte sie. „Wir müssen uns überlegen, wie wir das in den Griff bekommen“, appellierte sie.

 Gemeinsamer Antrag 

Eine mögliche Lösung könnte in einem fraktionsübergreifenden Antrag von SPD und CSU liegen. Deren Vorsitzende Lothar Schaffrath (SPD) und Heinz Hipp (CSU) fordern eine Änderung des dort geltenden Bebauungsplans Nr. 10 und eine zweijährige Veränderungssperre. „Da bereits in der Vergangenheit Anträge von Bauwerbern eingegangen sind, die mit dem geltenden Bebauungsplan nicht umzusetzen sind, sollte dem Stadtrat die Möglichkeit gegeben werden, die neuen Anforderungen diskutieren und dann eventuell auch umsetzen zu können“, schreiben die beiden Fraktionsvorsitzenden. Stadtrat Michael Jakob schloss sich dieser Forderung nach einer Überarbeitung des B-Plans aus. „Damit wir da mal Ruhe reinkriegen!“

Der Ausschuss stimmte einstimmig zu.

Matthias Matz

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