Einstimmige Entscheidung

Nach Corona: Nesselwanger ABC-Bad soll wieder öffnen

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Noch herrscht gähnende Leere im Nesselwanger ABC-Bad. Mitte Juli soll der Betrieb aber wieder aufgenommen werden, hat der Gemeinderat beschlossen.

Nesselwang – Das Nesselwanger ABC-Bad wird am Montag, 13. Juli, seinen Betrieb wieder aufnehmen und für Besucher öffnen. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig entschieden, auch wenn die gesetzlichen Vorgaben zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen und die Beschränkungen bei der Besucherzahl streng sind.

Der Geschäftsführer des Alpspitz-Bade-Centers (ABC), Andre Weißenburger, hatte vor der Beratung die Zahlen des vergangenen Jahres sowie drei mögliche Szenarien für das laufende Jahr vorgestellt. Der Schock saß tief: am 15. März musste das ABC-Bad aufgrund der Anordnung der Staatsregierung mit sofortiger Wirkung wegen der Corona-Pandemie schließen. Bis dahin waren laut Weißenburger bereits fast 52.000 Einheimische und Gäste ins ABC gekommen. 

Damit lag die Zahl der Besucher in den ersten Wochen über der des Vorjahreszeitraumes (49.418). „Wir mussten unser Personal, das uns größtenteils schon viele Jahre treu ist, von heute auf morgen in Kurzarbeit schicken“, so Weißenburger. Die Betreibergesellschaft stockte das Kurzarbeitergeld auf. Die Revision, die sonst regelmäßig nach den bayerischen Sommerferien im September/Oktober stattfindet, wurde vorgezogen. Das Wasser in den Becken wurde vollständig abgelassen, um Reinigungsarbeiten vorzunehmen und Fugen zu erneuern. „Wir haben das zum größten Teil mit eigenem Personal durchgezogen“. 

Voraussetzung für die Wiedereröffnung Mitte Juli ist die Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts. Weißenburger stellte dieses sowie die Anforderungen der Staatsregierung für eine Wiederaufnahme vor. So dürfen künftig vorerst maximal 220 Badegäste gleichzeitig das Bad besuchen. Das ABC hat eine für die Öffentlichkeit zugängliche Fläche von 2200 Quadratmetern. Attraktionen wie der Strömungskanal werden nur reduziert gefahren, der vor allem bei den jüngeren Gästen beliebte „CrazyBob“ muss geschlossen bleiben. 

Ebenso bleiben die Sprudelliegen und die Kopfduschen außer Betrieb. Der Mindestabstand zwischen den Ruheliegen muss 1,5 Meter betragen, außer bei Familien. Die Gäste müssen Namen und eine Telefonnummer hinterlegen, unter der sie sicher erreichbar sind. „Die ganzen Maßnahmen bedeuten einen enormen Mehraufwand für uns. Den wir aber im Falle einer Zustimmung zur Wiedereröffnung durch Sie gerne in Kauf nehmen“, betonte Weißenburger. 

Drei Szenarien

Für den Rest des Jahres hat Weißenburger drei Szenarien aufgestellt. Im ersten bleibt das bei Einheimischen und Gäste beliebte Bad bis auf weiteres geschlossen. Die zweite Variante ist mit dem höchsten Aufwand verbunden und geht von maximal 100 Badegästen aus. Variante drei geht von einer maximalen Besucherzahl von 220 aus und ist gleichzeitig die günstigste Prognose. 

Die Anlaufkosten für die Wiedereröffnung belaufen sich auf einen mittleren fünfstelligen Betrag, wie der Geschäftsführer auf Nachfrage von Julian Mayer („Mitanand für Nesselwang“ – MfN) mitteilte. In diesem Fall muss auch eine mikrobiologische Untersuchung des Beckenwassers aufgrund der langen Ruhezeit erfolgen, um sicherzustellen, dass sich keine Keime – vor allem Legionellen – entwickelt haben.

  Zwei Kostenfaktoren sind für den Betrieb eines Freizeitbads vor allem entscheidend, so Weißenburger weiter: Personal und die Energie. Die Frage von Martin Erd (MfN), ob die Schließung personelle Konsequenzen nach sich gezogen hat, verneinte Weißenburger „Stand heute haben wir niemanden entlassen, auch nicht bei unseren Teilzeit- und Aushilfskräften“. 

„Die kommenden Wochen sind für Personal und Geschäftsführung eine schwierige und herausfordernde Situation. Es gibt viele Unsicherheiten“, beurteilte Bürgermeister Pirmin Joas (CSU). Die Szenarien seien nach bestem Wissen und Gewissen berechnet worden. Auch sei die weitere Situation nicht vorhersehbar, so Joas weiter. „Was ist in drei Wochen? Machen wir weiter auf oder fahren wir wieder auf Null zurück?“ 

Einhellige Meinung

Bei der anschließenden Beratung war für Gemeinderat Wolfgang Köberle (CSU) die weitere Schließung des Bades keine Option. „Wir sind es den Einheimischen und Gästen schuldig, dass wir unser Bad wieder aufmachen. Und auch dem Personal!“ Andrea Allgaier (FW) sprach sich für eine situativ angepasste Erweiterung des Angebots von Woche zu Woche aus. Dem stimmte Peter Schlichtling (CSU) zu. „Wir machen ein Defizit, das ist uns allen klar. Aber das müssen wir schlucken.“ Petra Wörz (FW) sprach sich ebenfalls für eine Wiedereröffnung aus. „Wir denken dabei auch an unsere Vereine wie die Wasserwacht und unsere Kinder. Es müssen wieder Schwimmkurse stattfinden.“ 

Ein großes Lob sprach Max Roth (SPD) aus für die Entscheidung, das Kurzarbeitergeld aufzustocken. „Das ist keine Selbstverständlichkeit!“ Auch Edmund Bayrhof (CSU) lobte die Entscheidung. „Wir müssen unserem guten Personal eine Perspektive bieten und es auf jeden Fall halten.“ „Wenn sie zustimmen, drücke ich morgen früh den Knopf“, kündigte Weißenburger vor der Abstimmung an. „Aber ich bin Optimist. Wir schaffen das.“ Erwartungsgemäß gab es bei der abschließenden Abstimmung auch keine Gegenstimme gegen eine Wiedereröffnung.

hoe

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