»Wir sollten es gleich richtig machen«

Nesselwanger Gemeinderat spricht sich für zentrale Lüftungsanlage in der Grundschule aus

Mann untersucht Lüftungsanlage.
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Die Grundschule Nesselwang soll eine zentrale Lüftungsanlage anstatt mobile Luftfilter bekommen. Dafür hat sich jetzt der Gemeinderat entschieden.
  • VonHerbert Hoellisch
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Nesselwang – Keine mobilen Luftfilter, sondern eine zentrale Lüftungsanlage: Dafür hat sich einstimmig der Gemeinderat für die Grundschule entschieden.

„Die bayerische Staatsregierung hat ein drittes Förderprogramm für mobile Luftreinigungsanlagen aufgelegt. Gefördert werden bis zu 50 Prozent, maximal 1750 Euro je Raum“, sagte der Kämmerer Martin Keller zum Umfang der Förderung. Da es bei den Mobilgeräten keine Frischluftzufuhr gibt und deshalb die Luft nicht ausgetauscht wird, müssen Schüler und Lehrer weiterhin die Schulräume regelmäßig lüften. In Räumen, in denen es Fenster zum Lüften gibt, sind seien sie daher nicht notwendig, so der Kämmerer.

„Die Wirkung und der Nutzen sind bei den Mobilgeräten jedoch stark umstritten“, so Keller. Zudem gibt es auf den Gerätetypus nur ein Jahr Garantie und es fallen hohe laufende Kosten für die regelmäßige Wartung und die Reinigung sowie den Austausch der HEPA-Filter an. Konkrete Vorgaben zu den Geräuschemissionen von maximal 40 dB(A) bei laufendem Betrieb, was einem leise geführten Gespräch oder dem Ticken eines Weckers entspricht, schränken den Kreis der in Frage kommenden Anbieter ein.

Teurer Filteraustausch

„Auch ist hier die Nachhaltigkeit nicht gegeben“, so Keller. Die Kosten für den Austausch der HEPA-Filter belaufen sich auf 400 bis 500 Euro je Filter. Das müsse eine Fachfirma vornehmen, welche die kontaminierten Filter dann auch fachgerecht entsorgt, erklärte Keller auf Nachfrage aus dem Gremium.

Die Grundschule Nesselwang verfügt über acht Klassenzimmer, zwei Gruppenräume, zwei Mehrzweckräume, einen Musiksaal sowie jeweils einen Werk- und einen Textilarbeitsraum. Macht insgesamt 15 Räume, für welche die Gemeinde die Mobilgeräte beschaffen müsste. Die Kosten hierfür belaufen sich nach ersten Berechnung auf etwa 50.000 Euro, wovon die Hälfte durch das Förderprogramm und der Rest durch den Eigenanteil der Kommune finanziert wäre.

„Der Zeitraum für die Realisierung dieser Maßnahme ist voraussichtlich von Oktober bis Dezember, abhängig von der Lieferfähigkeit der Hersteller“, fügte Keller hinzu. Die Preisentwicklung sei derzeit wegen der erhöhten Nachfrage nicht absehbar. „Diese können aber deswegen deutlich nach oben gehen“, so der Kämmerer weiter.

Frischluft und bessere Energiebilanz

Um die Qualität der Innenraumluft zu verbessern, sei es gemäß einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes am nachhaltigsten, fest installierte raumlufttechnische Anlagen zu installieren. Diese reduzieren nicht nur wirksam die Virenbelastung, sind für Wärme- und Feuchterückgewinnung verfügbar, sondern schonen auch die Energiebilanz der Gebäude. Zudem sei durch sie der Wohlfühlfaktor in Innenräumen wesentlich höher, da sie im Gegensatz zu Mobilgeräten auch Frischluft zuführen.

Die Kosten für die beiden Nesselwanger Schulgebäude belaufen sich hier auf etwa 350.000 Euro. „Hier gibt es einen Zuschuss der Bundesregierung in Höhe von 80 Prozent (280.000 Euro), der Eigenanteil des Marktes liegt dann hier bei noch etwa 70.000 Euro“, informierte Keller.

Bei einer zentralen Lüftungsanlage wird laufen Luft ausgetauscht, es gibt ein ganzjährig gleichmäßiges Raumklima und es ist kein regelmäßiges Lüften mehr notwendig. Und gerade das regelmäßige Öffnen der Fenster sahen einige Ratsmitglieder vor allem im Winter als problematisch an. Gekoppelt mit einer Wärmerückgewinnung, welche die von außen zugeführte Frischluft erwärmt, sei die Energiebilanz deutlich besser. „Hier ist auch die Nachhaltigkeit durch die Nutzungsdauer von 15 bis 20 Jahren gegeben“, sagte der Kämmerer. Die laufenden Kosten seien hierbei durch den Abschluss eines Wartungsvertrages für die zwei Schulgebäude überschaubar.

Edmund Bayrhof, Peter Schlichtling (beide CSU) und Martin Erd (Mitanand für Nesselwang – MfN) sowie weitere Ratsmitgliedern hatte erhebliche Bedenken bei den mobilen Luftreinigungsgeräten. „Wenn wir etwas machen, sollten wir es gleich richtig machen. Die Mobilgeräte wären rausgeschmissenes Geld“, fand Ratsmitglied Peter Schlichtling (CSU) deutliche Worten.

Schule ist für stationäre Anlage

Die stationäre Anlage könnte zwischen Oktober und Februar installiert werden. Auch würde sich nach Auskunft von Bürgermeister Pirmin Joas (CSU), die Lärmbelastung während des laufenden Schulbetriebs durch die Ausweichmöglichkeiten in Grenzen halten. „Ganz vermeiden lässt sie sich leider nicht“.

Am Schuljahresende hatte sich die Marktgemeindeverwaltung mit dem Elternbeirat und der Schulleitung über das Thema ausgetauscht. Auch diese favorisieren eine zentrale Lüftungsanlage, informierte Joas.

„Den Antrag für die Fördermittel haben wir im Vorfeld schon gestellt“, sagte der Kämmerer. Der Fördertopf des Bundes sei derzeit noch nicht ausgeschöpft, „aber wenn weg, dann weg“, so Keller. Sollte das Gremium sich gegen eine stationäre Anlage entscheiden, kann der Antrag noch immer zurückgezogen werden. Für die Voraussicht der frühzeitigen Antragsstellung erhielt der Kämmerer viel Lob von den Markträten.

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