Nesselwanger Gemeinderat stimmt Bebauungsplan für neue Ganzjahres-Rodelbahn zu

Nesselwanger Räte ebnen Weg für Alpine-Coaster

Sommerrodelbahn in Nesselwang
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Die Sommerrodelbahn auf der Nesselwanger Alpspitz soll durch einen Alpine-Coaster ersetzt werden. Der Gemeinderat macht jetzt den Weg dafür frei.

Nesselwang – Mehr als 40 Zuhörer fanden sich kürzlich in der Alpspitzhalle zur jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats ein. Darunter waren auch mehrere Mitarbeiter der Alpspitzbahn. Schließlich ging es um den Ersatzbau der in die Jahre gekommenen Sommerrodelbahn. Diese ist seit 1996 in Betrieb und in den letzten Jahren reparaturanfällig geworden. Mehrheitlich sprach sich der Marktgemeinderat jetzt für den sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan aus.

Ein sogenannter Alpine-Coaster soll, wie bereits mehrfach im Kreisboten berichtet, die derzeitige Muldenbahn ersetzen. Dieser ist auf dem neuesten Stand der Technik. Durch diese ist ein Anhalten auf der Strecke und ein Abschnallen nicht möglich, ebenso kann bei jeder Witterung gefahren werden. Durch Sensoren wird ein Sicherheitsabstand zum Vordermann gewährleistet. Mit der auf Stelzen errichteten Bahn ist zudem ein ganzjähriger Betrieb und so die Unabhängigkeit von den immer unsichereren werdenden Wintern möglich.

Geoökologe Christopher Berberich von SieberConsult aus Lindau und Landschaftsarchitekt Matthias Kiechle aus Pfronten stellten die Baumaßnahme sowie die dafür notwendigen Ausgleichsmaßnahmen im Gremium vor. „Mit dem landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) wird die Eingriffserheblichkeit sowie die Wertpunkte für die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen ermittelt“, erläuterte Kiechle. So ist im unteren Bereich eine Grünlandextensivierung auf den Eigenflächen der Alpspitzbahn durch eine zweimalige Beweidung sowie eine zweimalige Mahd entlang der Trasse geplant.

Zudem soll die Höhe der geplanten Brücke durch eine Heckenpflanzung durch heimische Gehölze gemildert werden. Der derzeitige Alpweg muss aufgrund der neuen Schlepptrasse und der Trassenführung des Alpine-Coasters verlegt werden. Auch die beiden Kreisel sollen durch die Bepflanzung weitestgehend kaschiert werden. Eine seit etwa einem Jahr geltende Vorschrift schreibt die Begrünung durch gebietsheimische Flora vor. „Alternativ kann auch Heumulch verwendet werden“, so der Landschaftsarchitekt. Er zeigte eine 3-D-Simulation, die die Ansichten der Brücke aus verschiedenen Blickwinkel veranschaulichen sollte.

Keine KönigsCard

„Die Alpspitzbahn mit ihren 106 Gesellschaftern ist ein herausragender Teil des heimischen Tourismus“, betonte Bürgermeister Pirmin Joas (CSU). Der größte Anteilseigner ist der Markt Nesselwang. Er verlas eine Absichtserklärung des Marktes Nesselwang und der Alpspitzbahn, in der sich die Bahn und der Markt unter anderem zu einer nachhaltigen und ökologischen Entwicklung verpflichten. Auch soll die Bahn nicht mit der KönigsCard genutzt werden können oder die Öffnungszeiten aufgrund er erhöhten Sicherheit ausgedehnt werden, um mehr Fahrgäste zu gewinnen.

Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange stellte Christopher Berberich von SieberConsult im einzelnen vor. „Die Anlage wird in der Zone A des Alpenplanes errichtet. Damit richtet sich ein besonderes Augenmerk auf die Errosionsbelastung und den Wasserschutz. Durch den Bau auf Stelzen wird dem besonders Rechnung getragen“, so der Geoökologe.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sprach sich deutlich gegen eine Erweiterung der Parkplätze aus und fordert nachdrücklich ein Verkehrskonzept für den Bereich. Zukünftig wird auch keine Erweiterung derselben genehmigt werden. Zudem soll der Neubau der geplanten Talstation so umweltverträglich wie möglich erfolgen. Landschaftsarchitekt Matthias Kiechle ging auf die einzelnen Punkte ein und erläuterte die Maßnahmen, die hierzu erfolgen sollen.

Keine Aufständerung

Im Bereich einer Ablaufrinne darf laut Wasserwirtschaftsamt Kempten keine Aufständerung erfolgen. Im Falle eines starken Niederschlagsereignisses soll dadurch ein ungehinderter Ablauf des Oberflächenwassers gewährleistet sein und so eine weitergehende Errosion verhindert werden.

Von Seiten des Staatlichen Bauamts Kempten wurde ebenfalls auf die angespannte Verkehrssituation bei einer vollen Auslastung der Parkplätze hingewiesen. Die einzige Zufahrtsstraße „An der Riese” sowie die Einmündung von der Staatsstraße 2520 waren schon wiederholt Thema bei Verkehrsschauen. Ziel der Vor-Ort-Termine war eine Optimierung der Verkehrsabläufe. Eine geplante Westanbindung des Bereichs soll laut Bauamt bei den Verkehrsplanungen unbedingt berücksichtigt werden. Eine Kostenbeteiligung von Seiten des Bauamts wird aufgrund des überwiegend touristischen Verkehrs bei notwendigen Baumaßnahmen abgelehnt.

Der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) fordert ein Lärmgutachten, „damit sichergestellt ist, das die neue Bahn keine zusätzliche Lärmbelastung für die Umwelt sowie Anwohner darstellt“, so Berberich. Er verwies auf die Stellungnahme der zuständigen Behörde, in der erläutert wird, das die neue Bahn aufgrund der modernen Technik deutlich leiser sein werde.

»Emotionales Thema«

Ratsmitglied Martin Erd (Mitanand für Nesselwang – MfN) forderte eine stärkere Einbindung des ÖPNV. Er schlug vor, das es bei Vorlage eines Zug- /Bahntickets eine Ermäßigung auf den Fahrpreis geben könnte. „Es ist ein emotionales Thema, das im Rat für hitzige Diskussion sorgt“, sagte Max Roth von der SPD.

Der einhellige Tenor im Rat war jedoch, dass der Verkehr nicht allein den Besuchern der Alpspitzbahn angelastet werden kann, sondern auch dem Individualverkehr von Tagestouristen, die den Nesselwanger Hausberg als Wanderziel ansteuern.

„Wir dürfen als Bürger von Nesselwang auch stolz sein auf unsere Alpspitzbahn“, so Zweiter Bürgermeister Hans Möst. „Wir sollten unsere Bahn nicht als Feindbild sehen!“

„Wir haben viel Rückendeckung von Behörden und Bürgern für den geplanten Ersatzbau erhalten“, ergänzte Bürgermeister Joas. „Der Betrieb der Alpspitzbahn ist damit für das ganze Jahr sichergestellt!“

Die erforderlichen Beschlüsse zu den einzelnen Punkten erfolgten jeweils bei vier bis fünf Gegenstimmen aus dem Gemeinderat.

hoe

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