Zahlreiche Besucher verfolgen das Spektakel

"Der Sommer war sehr gut"

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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.
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Bei Kaiserwetter treiben die Hirten am Freitagmorgen das Vieh von der Nesselwanger Alpspitz ins Tal.

Nesselwang – Der Klang der Schellen kündigte es am Freitagmorgen schon von weitem an: Der Alpsommer ist auch in Nesselwang vorbei, das Vieh kehrt ins Tal zurück.

Und das wollten sich am Freitag hunderte Einheimische und Gäste bei Kaiserwetter nicht entgehen lassen. „Der Sommer war sehr gut“, erklärte Thomas Theil, Vorstand des Alp- und Weiderechterverbands Nesselwang. Es gab keinen Unfall, alles sei gut gegangen, sagte Nesselwangs Bürgermeister Franz Erhart (CSU). 

„So ein Sommer dät i glei wieder nehmen“, meinte auch Hirte Meinrad Sigg, der diese Zeit auf den Berg verbracht hat. Deshalb führten auch zwei Kranzrinder die Herde von 113 „Schumpen“ an, die sich unter den wachsamen Augen von rund 20 Viehtreibern von den Alpweiden an der Alpspitze ins Tal begaben. 

Ungestüm vom langen Sommer drängten die Tiere bergab, so dass die Viehtreiber alle Hände voll zu tun hatten, um die Tiere in Zaum zu halten. „Das ist jedes Jahr eine Herausforderung“, erklärte einer der Treiber. „Das Vieh ist anders, das Wetter ist anders. Aber es ist immer wieder schön.“

Die meisten der Treiber seien auf einem Bauernhof aufgewachsen und wüssten deshalb, wie sie mit dem Jungvieh umgehen müssen. „Angst muss man keine haben, aber Respekt und Obacht geben, dann funktioniert das schon“, sagte der Viehtreiber. So wie eben auch am Freitag. „Alles hat bestens funktioniert. So wünsch ich mir das“, lautete Siggs Fazit. 

Zuvor hatte die „Harmoniemusik“ Nesselwang an der Talstation der Alpspitzbahn den Zug empfangen. Sie führte den Tross aus Mensch und Tier die letzten Meter bis zum Scheidplatz am Haus der Vereine an und sorgte für musikalische Unterhaltung. 

Dort warteten schon hunderte Zuschauer, die vor allem von den Kranzrindern nicht genug kriegen konnten. Diese gaben mit ihren Kronen und Bauchbinden aus Silberdisteln, Latschenzweigen, Astern und Fichtenzweigen ein herrliches Bild ab. 

Doch wie wählt der Hirte eigentlich das Kranzrind aus?

 Dafür nehme er „die Braven“, so Sigg. Außerdem schaue er, welche Rinder aus einem Anbindestall kommen. Der Umgang mit ihnen sei leichter, als bei denen, die noch nie angebunden waren, erklärte der Hirte. Seine Erfahrung machte sich auch in diesem Jahr bezahlt: Die beiden Kranzrinder waren während des Abtriebs „sehr brav“, wie er erklärte.

Das Ende der Freiheit

Etwas ungestümer zeigte sich dann aber so manch anderes Rind, als es ans Ausscheiden ging. Dabei nahmen die Viehtreiber den Schumpen die schweren Schellen ab und legten ihnen einen Strick an, um sie ihren Besitzern zu übergeben. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Freiheit des Sommers vorbei ist. 

Doch so manchem Rind schmeckte das gar nicht: Es ließ sich nur mit Mühe von seinen Artgenossen wegführen. Dieses Spektakel wollte sich auch die CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer nicht entgehen lassen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bewirtschaftete früher selbst einen Bauernhof. Sie sei froh, dass man heutzutage noch Vieh auf den Alpen halte, erklärte sie und bedankte sich bei allen, die das ganze Jahr über dort arbeiten. 

Diesem Dank schlossen sich auch Bürgermeister Erhart und Primin Joas, Leiter der Tourist Information Nesselwang, an. Wenn der Rechtlerverband den Edelsberg und die Alpspitze nicht so gut pflegen würde, würde die Landschaft ganz anders ausschauen, waren sich beide einige. 

Und für ihre Bemühungen wurden Rechtler, Alpmeister Andreas Bernhart, Sigg, Viehtreiber und alle weiteren Helfer am Viehscheid mit Kaiserwetter belohnt. „Das ist wahrscheinlich der schönste Tag von allen Viehscheiden“, so Erhart. Und den ließen viele im Festzelt beim Auftritt der Harmoniemusik Nesselwang und beim anschließenden Viehscheid-Hoigarte ausklingen.

Katharina Knoll

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