"Eine in sich schlüssige Planung"

Stadtverwaltung und Investor stellen Pläne für das neue Hopfener Strandbad vor

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So könnte das neue Gebäude des Hopfener Strandbads einmal vom See aus gesehen aussehen. Investor Fritz Schweiger hofft auf baldige Baugenehmigung durch das Landratsamt Ostallgäu.

Füssen – Die Uferpromenade in Hopfen mit ihrem kleinen Strandbad gilt als die „Riviera des Allgäus“. Sanft geschwungen schmiegt sie sich an den Hopfensee und lädt mit Blick auf die Alpen ein zu romantischen Spaziergängen. Doch hinter den Kulissen geht es in dem kleinen Urlaubsort derzeit nicht ganz so harmonisch zu wie es zunächst den Anschein hat.

Seit einigen Wochen versucht eine Handvoll Hopfener den Neubau des in die Jahre gekommenen Strandbads zu verhindern – und hat dabei offenbar auch keine Hemmungen, mit Unwahrheiten und Falschaussagen Stimmung zu machen. So sehen es jedenfalls Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und die Erbengemeinschaft, in deren Besitz der See und das Strandbad sind. 

Um ihre Sicht der Dinge dar und einiges klarzustellen, luden Stadtverwaltung und Erbengemeinschaft vergangene Woche zu einer Pressekonferenz ins Rathaus ein. „Wir wollen Wahrheit und Licht ins Dunkel bringen“, erklärte Bürgermeister Iacob. „Es gibt in der Öffentlichkeit immer wieder von Einzelnen gestreute Gerüchte – diesen wollen wir entgegen treten!“ 

Tatsächlich leisten einige Hopfener seit geraumer Zeit Widerstand gegen den Neubau des Strandbads mit Restaurant, Kiosk, Umkleidekabinen und öffentlichen Toiletten. Sie halten vor allem das geplante neue Gebäude – dem der Stadtrat bereits sein kommunales Einvernehmen erteilt hat – trotz immer wider vorgenommener Reduzierungen des Baufensters und des Gebäudes für zu überdimensioniert. 

Als schließlich vor einigen Wochen Harald Vauk, „Sprecher“ der sogenannten Aktiven Bürger, auf den Zug aufsprang, sammelten die Neubau-Gegner Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Dieses wurde allerdings vom Stadtrat als rechtlich nicht zulässig abgelehnt (der Kreisbote berichtete). 

Matthias von Oppen, Anwalt der Erbengemeinschaft, kommt zu dem gleichen Ergebnis: „Das Bürgerbegehren ist aus unserer Sicht rechtswidrig, weil mit falschen Tatsachen gearbeitet wurde“, sagte er in der Pressekonferenz. „Das ist keine informative Entscheidung gewesen!“, betonte von Oppen. „Die Leute hatten keine Ahnung, was sie überhaupt unterschreiben.“ 

Denn unter anderem hätten die Neubaugegner behauptet, dass das Gebiet nördlich der Uferstraße als reines Wohngebiet ausgewiesen werden soll. Tatsächlich sehe der in Aufstellung befindliche Bebauungsplan „Uferstraße Nord“ für das Areal aber ein sogenanntes Mischgebiet vor, erläuterte der Münchner Jurist. Dass ein Biotop mit Seerosen dem Neubau weichen müsse, stimme ebenso wenig wie die Behauptung, dass gegen den Vogel- und Naturschutz verstoßen werde, ergänzte Bürgermeister Iacob. 

So würden die betroffenen Tiere in einem Schilfgürtel weiter westlich leben. Dieser Schilfgürtel werde von dem Neubau aber in keinster Weise tangiert. Hinsichtlich der Seerosen sei man den Kritikern bereits so weit entgegen gekommen, dass man den Steg des Bades nicht nach Westen verschiebe, sondern am jetzigen Standort belasse. 

So könnten sich die Pflanzen noch ein Stück weiter nach Osten bis um Steg ausdehnen. Dieser soll dann aber ein weiteres Anwachsen des Feldes noch weiter nach Osten verhindern. „Sonst hat sich das dort irgendwann mit dem öffentlichen Baden!“ All das sei mit den jeweils zuständigen Behörden so abgestimmt worden. 

Neues Restaurant

Bauamtsleiter Armin Angeringer zeigte sich indes verwundert darüber, dass die Kritik erst jetzt laut werde. Schließlich arbeite das Bauamt bereits seit mehreren Jahren an einem Bebauungsplan für die südliche Uferstraße, der auch den Neubau des Strandbades reglementiere. „Wir versuchen, den rechtlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen“, sagte er. Bei den Neubauplänen handle es sich um „eine in sich schlüssige Planung“. 

Pächter und Investor Fritz Schweiger, der das neue Gebäude bauen und nach eigenen Angaben ein qualitativ hochwertiges Grillrestaurant darin betreiben will, erklärte, dass er den Kritikern schon weit entgegen gekommen sei. Unter anderem verzichte er entgegen seiner ursprünglichen Idee darauf, die vorgesehene Terrasse in den See zu bauen, was eine Reduzierung von 280 auf nun noch 160 Quadratmeter bedeute. „Das ist einfach schade“, sagte er. 

Keine Ruhestörung

Schweiger widersprach auch laut gewordenen Befürchtungen, wonach es abends zu Ruhestörungen kommen werde: Wie von der Stadt vorgeschrieben, werde der Terrassenbetrieb um 22 Uhr beendet, erklärte er. Darüber hinaus werde es womöglich zwei bis drei Mal im Jahr zu Auftritten von Live-Bands wie gegenüber im „Seaside“ geben. Ohnehin könne er das Gegenargument Lärmschutz nicht nachvollziehen, sagte er. Schließlich sei die Uferstraße eine der meist befahrenen Straßen im Allgäu überhaupt und nebenan gebe es einen Bootsverleih, einen Segelclub und einen Bolzplatz. 

Dass das Gebäude viel zu groß und zu hoch gebaut werde, wie die Gegner behaupten, will er so ebenfalls nicht stehen lassen: Das neue Gebäude werde gerade einmal 51 Zentimeter höher als das jetzige. Ohnehin gebe es kein Recht auf freie Sicht, ergänzte Bürgermeister Iacob. 

Gerüchten, dass im Obergeschoss eine Wohnung geplant sei, trat Schweiger ebenfalls entgegen. Die im Plan eingezeichnete Treppe – offenbar Auslöser der Gerüchte – diene lediglich der Erreichbarkeit des Technikraums. Überhaupt sei die Technik und die gestiegenen Anforderungen an diese der Hauptgrund für die Vergrößerung des Gebäudes. 

Wie Schweiger auf Nachfrage mitteilte, stehe er in den Startlöchern. Er warte lediglich noch auf die Baugenehmigung durch das Landratsamt, sagte er. Die Kreisbehörde aber wartet offenbar wiederum auf den Bebauungsplan, der derzeit noch einmal in der öffentlichen Auslegung ist, wie Angeringer erklärte. Nach derzeitigem Stand gehe er aber davon aus, dass der Satzungsbeschluss am 15. November vom Stadtrat gefasst werden könne.

mm


Hintergrund:

Füssen – Seit 1931 ist der Hopfensee mit Ufer und Promenade im Besitz einer Erbengemeinschaft. Im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verlängerte Pachtverträge mit der Stadt Füssen stellen sicher, dass sowohl Ufer als auch See für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Das gilt ebenfalls für das Strandbad mit Liegewiese. „Die Erben sind sich der Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit bewusst“, sagt deren Anwalt Dr. Matthias von Oppen.

Weil das jetzige Gebäude des Strandbads im Laufe der Jahre aber baufällig wurde, soll nun ein neues gebaut werden. Der Stadtrat hat entsprechenden Plänen bereits sein kommunales Einvernehmen erteilt, derzeit liegen sie beim Landratsamt zur Genehmigung. In dem Gebäude sollen ein Restaurant, ein Kiosk, Umkleidekabinen und öffentliche Toiletten untergebracht werden. Der Betrieb des Restaurants soll aus wirtschaftlichen Gründen ganzjährig erfolgen.

 Ein unter anderem auch dafür notwendiges Bebauungsplanverfahren steht nach mehreren Jahren Arbeit ebenfalls kurz vor dem Abschluss. Dagegen regt sich aber seit kurzem Widerstand unter einigen Hopfenern, die daraufhin ein Bürgerbegehren gegen die Pläne ins Leben riefen. 

Dessen Rechtmäßigkeit erkannte der Füssener Stadtrat aber nicht an, wogegen die Neubaugegner Klage beim Verwaltungsgericht Augsburg eingereicht haben, wie ein Sprecher des Gerichts auf Nachfrage bestätigte. Demnach begehren die Neubaugegner in einem Eilantrag die vorläufige Zulässigkeit des Bürgerbegehrens sowie eine einstweilige Anordnung zur Einstellung des Verfahrens um den Neubau des Strandbades. Wegen fehlender Unterlagen werde die Kammer aber voraussichtlich nicht vor Montag, 5. November, über die Klage entscheiden. 

Sowohl Bürgermeister Paul Iacob (SPD) als auch Jurist von Oppen sehen einem Urteil allerdings gelassen entgegen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir auf dem rechten Weg in diesem Verfahren sind“, sagte Iacob. Von Oppen meinte, dass die Kammer den Antrag werde zurück weisen müsse, da die Kritiker bei der Sammlung der Unterschriften für das Bürgerbegehren falsche Tatsachen aufgestellt hätten.

mm

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