Bahnhof: Räte und Kunden kritisieren fehlendes WC

Eine Toilette für jeden?

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Nicht gerade einladend schauen die Toilettencontainer am Füssener Bahnhof aus. Doch noch vor Weihnachten sollen die neuen öffentlichen Toiletten in Modulbauweise geliefert werden, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer im Bauausschuss.

Füssen – Sich auf einen Plausch in der Bäckerei Sinz am Bahnhof treffen, ein, zwei, drei Kaffee schlürfen – und dann der Gang zur Toilette. Doch hoppla, was ist denn das?

Fürs Klo den Mantel anziehen und erst einmal durch den Bahnhof zu den Toilettencontainern laufen?! Das sorgte jetzt für einigen Unmut bei manchen Besuchern aus Füssen. „Sinz hat keine Gästetoilette, sondern nur eine Personaltoilette. Für Gäste muss eine Toiletten da sein“, forderte Michael Schmück (CSU) deshalb im Bauausschuss.

Im Füssener Bahnhof gibt es Toiletten, so viel steh fest: „Für jede gewerbliche Einheit ist ein WC enthalten und genehmigt“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Nur – die seien primär fürs Personal gedacht. Eine Verpflichtung, dass sie auch für die Allgemeinheit zugänglich sein müssen, gebe es hingegen nicht, so der Füssener Bauamtsleiter. 

Das bestätigte auch Gudrun Hummel, Abteilungsleiterin Bauverwaltung am Landratsamt Ostallgäu. Bis zum 31. Dezember 2005 habe die Bayerische Gaststättenbauverordnung geregelt, wie viele Toiletten in einer Gaststätte vorhanden sein müssen. Das hing von der Größe des Schank- und Speiseraums ab. 

Doch mit dem 1. Januar 2006 fiel diese Regelung weg. Auch in der Bayerischen Bauordnung stehe dazu nichts. „Alle können selber entscheiden, wie viele WC sie zur Verfügung stellen“, erklärt Hummel. „Das regelt sich vom Markt selbst. Wir haben keine Einwirkungsmöglichkeit als Stadt“, sagte auch Angeringer. 

Keine Verpflichtung

Ähnlich schaut es bei öffentlich zugängliche Gebäude wie dem Füssener Bahnhof aus. „Auch für diese Art gibt es keine gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung von Toiletten“, so Hummel. Und das schließe auch behindertengerechte WCs ein. Nur wenn grundsätzlich eine Verpflichtung bestehe, WCs zu bauen, sei man auch verpflichtet behindertengerechte Toiletten anzubieten. Trotzdem ist so eine im Füssener Bahnhof, neben der Bäckerei Sinz, vorhanden. 

Wenn ein Bahnreisender ohne Handicap derzeit aufs Klo muss, dann stehen ihm nur die Toilettencontainer an der Nordseite zur Verfügung. „Wir wissen, dass die in einem nicht schönen Zustand sind“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Eine Frage der Moral

Neue öffentliche Toiletten in Modulbauweise habe die Stadtverwaltung aber bestellt. Sie sollen eine Woche vor Weihnachten geliefert und auf der Westseite aufgestellt werden. Die Stadt will sie „noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen“, informierte Angeringer. Um „ausreichende Gelegenheiten für Bus- und Bahnreisende“ zu haben, habe man sich extra „nicht für das kleinste Modell entschieden.“

In dem zehn Meter langen und ca. vier Meter breiten Bau werden vier Einheiten für Damen, Herren und ein Behinderten-WC zur Verfügung stehen. Außerdem können darin auch Babys gewickelt werden. Ein Bezahlsystem soll den Unterhalt finanzieren. 

Trotzdem sieht Magnus Peresson (UBL) bei diesem Thema den Bauherren in der Pflicht. Die Firma Hubert Schmid habe „die moralische Verpflichtung Toiletten zu bauen. Das ist unmöglich. Die Großen (Unternehmen – Anmerk. d. Rd.) machen, was sie wollen.“ Auch die ein Meter breite Absenkung für Rollstuhlfahrer am Bahnhofsvorplatz hielt Peresson für einen Witz. „Da lacht ganz Tirol. Es geht um alte Leute und um Humanität. Hubert Schmid zeigt, dass ihm das vollkommen egal ist.“ „In einer monetären Welt muss man sich damit zufrieden geben“, meinte daraufhin Iacob. „Die gesetzlichen Vorgaben sind leider sehr beschränkt.“ 

Vorteil erhalten

Doch damit zufrieden geben will sich Dr. Christoph Böhm (CSU) offenbar nicht. Mit dem Bahnhof habe Füssen ein „überdimensioniertes Marktoberdorfer Bauernhaus, das auf modern machen will“ erhalten, meinte Böhm. Für die öffentliche Wartehalle, die öffentlichen Toiletten und dem Bahnhofsvorplatz habe die Stadt dem Unternehmen insgesamt rund 534.000 Euro gezahlt, so Böhm. „Wir haben uns vor dem (Unternehmen – Anmerk. d. Rd.) in den Staub geworfen“, lautet deshalb das Fazit des CSU-Stadtrats. 

Etwas differenzierter sah Jürgen Doser (FWF) sie Sache. Es sei zwar richtig, dass die Stadt für öffentliche Toiletten sorge. Aber der Betreiber habe dadurch einen Vorteil erhalten. „Wir bauen zu 100 Prozent.“ Stattdessen hätte die Stadt auch den Betreiber mit einem bestimmten Betrag einbinden können, meinte Doser. „Wir haben Gespräche geführt“, antwortete daraufhin Rathauschef Iacob. 

Eine kommunale Aufgabe

Von Seiten des Marktoberdorfer Bauunternehmes ist die Sache jedoch klar. „Es ist eine kommunale Aufgabe öffentliche Toiletten bereitzustellen. Es ist nicht der Auftrag eines Unternehmens“, erklärte Brigitte Schröder von der Firma Hubert Schmid. Das sei am Bahnhof in Buchloe auch nicht anders. „Man muss nicht an die Moral der Firma Hubert Schmid appellieren.“ Daneben gebe es in allen gewerblichen Einheiten im Bahnhof WCs. „Jeder kann jederzeit zur Toilette gehen. Das ist gar kein Thema“, so Schröder. Eine Haltung, die man nun offenbar auch bei der Bäckerei Sinz eingenommen hat: Seit kurzem können hier auch Gäste aufs Klo gehen.

Katharina Knoll

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