Behindertenbeauftragte verteidigt Stadt

Verschiedene Interessen

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Der neue Bahnhof bringt Rollstuhlfahrer ganz schön in Rage. Deren Kritik richtet sich nicht gegen den Baustil. Es gehe darum, dass Hindernisse auftreten, wo Barrierefreiheit herrschen sollte. Bürgermeister Paul Iacob (l.) diskutiert hier auf dem Vorplatz mit Hilde Brötzner (v.r.), Christine Fröhlich, FWF, und den beiden Behindertenbeauftragten Waltraut Joa und Dagmar Rothemund.

Füssen – Das Thema „Barrierefreiheit“ führt in Füssen auch schon mal zu hitzigen Diskussionen. Beim Ortstermin mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD) kritisierte die Gruppe, die sich für die Interessen von Menschen mit eingeschränkter Mobilität einsetzt, die Gestaltung des Bahnhofvorplatzes.

Folgt man der Sicht von Christine Halaby, Hilde Brötzner und Manfred Sieber, die als Sprecher der Gruppe auftreten, dann müsste umgehend gleich an mehreren Stellen rund um den neuen Bahnhof nachgebessert werden. „Nur leider hat man an uns Rollstuhl- und Rollator-Fahrer nicht ausreichend gedacht“, heißt es in einem Infoblatt der Akteure. 

Enttäuschend sei, „dass auf der Seite zu dem geplanten Busbahnhof der Gehweg keinerlei Absenkung aufweist“. Die von der Gruppe geforderten Nachbesserungen sollten „umgehend geschehen, nicht möglicherweise erst im Zuge der Gestaltung des Busbahnhofs“. Um vom Platz mit Straßencafé zu den Bussen oder in den Freyberggarten zu fahren, müsse derzeit die gesamte Anfahrtsstrecke retour genommen werden, lautete ein weiterer Kritikpunkt. 

Dabei müsse auch auf die Straße ausgewichen werden. Mit Bürgermeister Iacob wies Waltraud Joa die durchaus harsch geäußerte Kritik zurück. Wie die Behindertenbeauftragte im Landkreis Ostallgäu betonte, „sind die Maßnahmen im rechtlichen Rahmen erfolgt. Nicht allein die Belange von gehbehinderten Menschen sind zu berücksichtigen.“ 

Hauptkritikpunkt der Teilnehmer bei der Besichtigung aber war die fehlende Absenkung in Richtung Freyberggarten/Busbahnhof. „Auf dieser Seite sind wir noch nicht so weit“, erklärte Joa. Auch Bürgermeister Iacob wies darauf hin, „dass bisher noch nicht alles umgesetzt werden konnte, was für die Barrierefreiheit rund um den Bahnhof wichtig ist“.

Im Frühjahr werde auf der Seite der Post der Bordstein noch abgesenkt und umgestaltet (der Kreisbote berichtete). „Auf der Fahrbahn wird eine Aufmerksamkeitszone ausgewiesen. Von der Südseite des Gebäudes wird dann ein Übergang für alle geschaffen, die in Richtung Freybergpark und dem geplanten Busbahnhof gehen wollen.“

Die Wegführung werde noch im Stadtrat beraten. Bei dem sich anschließenden Pressegespräch im Luitpoldpark- Hotel unterstrich Dagmar Rothemund (SPD) als städtische Behindertenbeauftragte: Sie bedauere es sehr, dass das Thema so aufgebauscht werde. Rothemund weiter: „Im Behindertenbeirat hätte man sich in den Sitzungen einbringen können.“

Bloß Halbwissen?

Einen Grund, dass die Emotionen nach den praktisch gemachten Erfahrungen rund ums Bahnhofsareal so hoch kochen, hat Bürgermeister Iacob im „Halbwissen von Einzelnen“ ausgemacht. Seit langem sei die Stadt dabei, in Zusammenarbeit mit Joa, Wege zu finden, um Bürgerinnen und Bürger mit Handicap den Alltag zu erleichtern. 

In öffentlichen Gebäuden wie beispielsweise dem Rathaus und dem alten Landratsamt in der Augsburger Straße „ist es uns gemeinsam gelungen, für genau die Verhältnisse zu sorgen, die den Bedürfnissen von Menschen mit Handicap entsprechen“.

Joa bestätigte: „Füssen hat viel Geld in die Hand genommen.“ Dies sei „nicht in allen Kommunen der Fall, die von mir betreut werden“. Landkreis-Behindertenbeauftragte Joa ging auf Nachfrage des Kreisbote auf die geäußerte Kritik im Rahmen der Ortsbesichtigung ein. „Der Grundsatz bei der Planung ist, dass es gelingt, möglichst vielen Interessen gerecht zu werden“, sagte sie.

Einigkeit herrschte unter den Beteiligten – die Firma Schmid war ebenfalls vertreten – über verstärkte Kontrollen, die nötig seien, um Autofahrer daran zu hindern, auf dem Vorplatz des Gebäudes kurzzeitig zu parken. Im Gebäude war bei der voraus gegangenen Begehung kritisiert worden, dass im ausgelegten Leitsystem am Hallenboden ein Noppenfeld fehle, das blinde oder im Sehen stark eingeschränkte Besucher zum behindertengerechten WC führen könnte. 

Darauf angesprochen, informierte Joa darüber, dass „bewusst darauf verzichtet“ worden sei. Der Blindenbund habe darauf hingewiesen, dass „sehbehinderte Menschen nicht zwangsläufig die Behindertentoilette benutzen“ wollten. Wie eine Rollstuhlfahrerin stellvertretend bestätigte, sei die Behindertentoilette im neuen Bahnhof so geräumig gebaut, „dass ich sie gut benutzen kann“.

Chris Friedrich

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