Schleierfandung Pfronten zieht Bilanz

Mehr Fälschungen und Drogen

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Eine Kontrollstelle der Pfrontener Schleierfahnder an der A7 am Grenztunnel Füssen. Bei solchen groß angelegten Kontrollen werden die Ostallgäuer Beamten meistens auch fündig.

Pfronten – Mit mehr Drogen und vor allem gefälschten Urkunden hatten die Schleierfahndungen Pfronten und Lindau im vergangenen Jahr zu kämpfen. Das zeigt der Jahresbericht, den der Erste Polizeihauptkommissar, Siegmund Gast, am Mittwoch in Pfronten präsentierte.

Aber auch verschiedene Fahndungen und der Flughafen Memmingen halten die Beamten auf Trab. 29 Prozent mehr gefälschte Urkunden hat die Schleierfahndung Pfronten nach eigenen Angaben heuer im Vergleich zum Vorjahr entdeckt. Das reicht vom falschen Schülerausweis, um in Discos reinzukommen, bis hin zum europäischen Pass, um in der EU leben und arbeiten zu dürfen. 

Auffällig sei, dass in den vergangenen Jahren vor allem letzteres zugenommen habe. Die Betroffenen waren in der Regel aufgrund ihrer Nationalität entweder sichtvermerkspflichtig oder hätten auf legalem Weg aufwändige Anträge stellen müssen, um in der EU wohnen oder arbeiten zu dürfen. 

Beliebt seien auch gefälschte Führerscheine. Hier arbeitet die Schleierfahndung mit den Kollegen aus dem benachbarten Österreich eng zusammen. Außerdem überprüft sie Dokumente, die bei Behörden wie dem Einwohnermeldeamt oder der Zulassungsstelle eingereicht werden. Dabei hat sie im vergangenen Jahr 5533 ausländische Dokumente kontrolliert. Brisant dabei ist: Wird der vermeintlich abgelaufene, aber gefälschte Pass im jeweiligen Einwohnermeldeamt nicht erkannt, bekomme die Person einen neuen Pass ausgestellt und halte sich damit legal in der Bundesrepublik auf. Um das zu verhindern, schult die Schleierfahndung auch die Angestellten der Behörden. 

„Eine wesentliche Erleichterung“ bei den Kontrollen sei laut Gast das sogenannte Passlesegerät. Dieses überprüfe die Dokumente optisch, den Sicherheitschip elektronisch und vergleiche die Daten mit den aktuellen Fahndungen. In den nächsten Jahren soll das Gerät weiterentwickelt werden, wie der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beim Besuch in Pfronten im vergangenen Jahr ankündigte. „Da geht es mit ganz großen Schritten voran“, so Gast.

 "Crystal" auf dem Vormarsch 

Weiterhin ein „großes Thema“ seien Drogen, erklärte der Erste Polizeihauptkommissar. Während die Delikte 2012 stark angestiegen seien, wuchsen sie 2013 im Bereich der Scheierfahndung Pfronten nur um fünf Prozent. Doch laut Gast erlebe derzeit vor allem die Droge „Crystal“ einen „Boom, der seinesgleichen sucht“. Sie wandere derzeit vom Osten des Freistaats Bayern „unaufhaltsam nach Westen“. Die Droge sei so beliebt, weil sie Ermüdungserscheinungen überbrücke und die Konzentrationsphasen verlängere. Allerdings mache sie schnell abhängig und führe zu einem starken körperlichen Verfall. Bisher haben die Schleierfahnder noch nicht viel „Crystal“ sichergestellt, allerdings vermuten sie in den nächsten Jahren „rasante Zuwächse“. 

Dass Drogen in allen Gesellschaftsschichten ein Thema sind, zeigen laut Gast die zwei Identitäten eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Der 52-jährige Architekt war im Dezember mit seinem BMW auf der A7 unterwegs, als die Schleierfahnder ihn bei Memmingen kontrollierten. Der Mann zeigte deutliche Anzeichen für Drogenkonsum, was schließlich ein Urintest bestätigte. Neben zwei Tütchen Kokain und Spritzen in seinem Auto fanden die Beamten in seiner Wohnung Kokain und Amphetamin in „nicht geringer Menge“. 

Viele Fahndungstreffer 

Auf hohem Niveau halten sich laut dem Ersten Polizeihauptkommissar auch die Fahndungstreffer der Ostallgäuer Schleierfahndung, obwohl sie im vergangenen Jahr, um 0,5 Prozent auf 318 gesunken ist. Dabei handele es sich um Personen, die per Haftbefehl gesucht werden. 

Einen kuriosen Fall erlebten im Mai die Lindauer Schleierfahnder: Sie kontrollierten einen 43-jährigen Türken, gegen den ein internationaler Haftbefehl aus Norwegen vorlag. Der Mann soll dort einen Raub verübt haben. Die Überprüfung ergab, dass der Mann von seinem Wohnort in Schweden in die Schweiz flüchten wollte. Da er nicht genug Geld bei sich hatte, durfte er aber nicht bei den Eidgenossen einreisen. Auf seinem Weg dorthin tankte er mehrmals ohne zu bezahlen. Außerdem fanden die Beamten bei ihm eine nicht zugelassene Schreckschusspistole und rund 250 Schuss Munition. 

Die Allgäuer Schleierfahnder sind aber nicht nur auf der Straße, sondern auch am Flughafen Memmingen im Einsatz. Dort leisteten sie im vergangenen Jahr 13.753 Stunden bei der Grenzabfertigung, bei denen 367 Unregelmäßigkeiten auftraten. Das sind 200 Stunden weniger als im vergangenen Jahr, was vor allem daran liegt, dass sich die Zahl der Reisenden um 3,6 Prozent verringert habe. Dennoch bedeuten die Kontrollen „eine Riesenbelastung für uns“, so Gast.

Katharina Knoll

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