Neue Figur auf altem Platz

Die neue Nepomukfigur wird mit einem Zweispänner von der Kirche zur Brücke gefahren. Die alte, durch Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogene Figur, steht heute im Flößermuseum Lechbruck. Foto: gau

Es hat etwas gedauert, aber nun hat die Brücke zwischen Lechbruck und Prem wieder ihren Brückenheiligen. Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche von Lechbruck wurde die Figur vor kurzem gesegnet und kam anschließend an ihren „alten Platz“ auf der Lechbrücke.

Auch wenn das Aufstellen und das Fest nicht wie geplant abliefen - abermals hatte Petrus einen Strich durch die Rechnung gemacht - war doch eines wichtig: die gemeinsame Feier der beiden am Lech benachbarten Orte Prem und Lechbruck. Beide Orte lebten jahrzehntelang von der Flößerei, die Arbeitgeber war, und auch für die Infrastruktur der Orte gesorgt hatte. Gemeinsam hätten beide Orte Naturkatastrophen überstanden und sich auch gegen das Ende Flößerei gewehrt, so der Premer Bürgermeister Herbert Sieber. In einem kleinen Grußwort unterstrich er die Nachbarschaft, vielmehr noch die Freundschaft über den Lech hinweg, die angesichts des ausgefallenen Brückenfestes nun wieder gefestigt worden war. So sei es bis heute, meinte Sieber, gemeinsam überwinde man die Grenzen. Und die Lechbrücke sei exemplarisch, sie verbinde, wo vorher Grenzen getrennt haben. Der Lech sei eine kräftige Grenze, so der Premer Pfarrer Günter Bäuerle. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Lechbruck, Gebhard Schneider, hatte Bäuerle den Gottesdienst zelebriert. Heute sei der Fluss Grenze zwischen den Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben, bis zur Säkularisation zwischen dem Welfenkloster in Steingaden auf der einen und dem Fürstbistum Augsburg auf der anderen Seite des Flusses. Dabei seien Brücken immer ein verbindendes Element, das die Menschen zueinander bringe anstatt sie zu trennen. Was aber zur Geschichte der Brücke, aber auch zur Heiligenfigur gehöre. Denn 1945, genauer am 28. April, hatte man die Lechbrücke gesprengt, in der Hoffnung, die Amerikaner aufhalten zu können. Damals waren die Figuren, neben dem Nepomuk auch ein steinerner Flößer, in den Lech gestürzt. Während der Flößer im Wasser verloren ging, „überlebte“ die hölzerne, aus dem Jahr 1836 stammende Figur und wurde 1954 auf die wieder aufgebaute Brücke gestellt. Kurz darauf kam auch wieder eine Flößerfigur hinzu. Die, so Bäuerle, an das Alte, Vergangenen und nicht Wiederkommende, erinnert. Während der Nepomuk für das Hier und Jetzt stehe, so Bäuerle. Johannes Nepomuk war vom Prager König Wenzel IV in der Moldau ertränkt worden, weil er sich gegen den Potentaten zur Wehr gesetzt und auch das Beichtgeheimnis bewahrt hatte. Dafür trägt der Heilige fünf Sterne in seinem „Heiligenschein“, dem Nimbus, so Bäuerle. Die fünf Sterne stehen für das lateinische ‚tacui‘, „Ich habe geschwiegen“.

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