Amtsübernahme in der Coronakrise

Füssens neuer Bürgermeister Max Eichstetter im Interview:"Ich fühle mit den Bürgern"

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Maximilian Eichstetter ist neuer Füssener Bürgermeister. Im Kreisbote-Interview spricht er über die Herausforderungen des neuen Amtes.

Füssen – Die Füssener haben sich in der Stichwahl am vergangenen Sonntag mit deutlicher Mehrheit für Maximilian Eichstetter als ihren neuen Bürgermeister entschieden. Der erst 34-Jährige muss sein Amt mitten in der Corona-Krise in der womöglichst schwierigsten Phase des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg antreten.

Herr Eichstetter, im ersten Wahlgang betrug Ihr Vorsprung auf Christine Fröhlich 740 Stimmen, bei der Stichwahl waren es 1102. Haben Sie mit einem derart klaren Ergebnis gerechnet? 

Eichstetter: „Ich hatte mir gewünscht, dass die Bürger ein klares Zeichen setzen, wen sie gerne als ihren Bürgermeister hätten. Ich bedanke mich von ganzem Herzen, dass die Bürger dieses Signal gesetzt haben.“ 

Sie selbst haben im Vergleich zum ersten Durchgang in der Stichwahl über 1000 Stimmen hinzugewonnen. Was glauben Sie, war dafür ausschlaggebend? 

Eichstetter: „Es war im ersten Wahlgang klar zu erkennen, dass es auf jede einzelne Stimme ankommt, dazu die automatisch zugesandten Briefwahlunterlagen, haben zu einer höheren Wahlbeteiligung geführt. Mich freut es sehr, dass sich die Wahlbeteiligung trotz der schwierigen Zeit entsprechend erhöht hat. Rein rechnerisch war im Verhältnis bei Normalverteilung mit einer höheren Wahlbeteiligung die höhere Stimmenzahl zu erwarten. Aber es war bis zur letzten Sekunde nicht gewiss, wie es ausgehen wird. Umso mehr freue ich mich und bedanke mich bei allen Bürgern für ihr vertrauen.“ 

Sie haben bislang noch keine Erfahrung mit der Arbeit in einer Stadtverwaltung, sollen aber schon im Mai das Rathaus übernehmen. Wie bereiten Sie sich auf ihr neues Amt vor? 

Eichstetter: „Die Einführungsarbeit für das Amt beginnt per sofort, soweit es die digitale Vorbereitung bzw. unter Einhaltung der Pandemie Vorschriften zulassen, mit Herrn Bürgermeister Iacob und Hauptamtsleiter Peter Hartl. Zusätzlich habe ich mich drei Jahre auf die Themen und anliegenden Projekte intensiv vorbereitet und teilweise bereits begleitet. Ich bin guter Dinge, die Einführung zügig voranzutreiben, da ich mich noch nie drei Jahre in einer Vorbereitungs- oder Bewerbungsphase für eine Position befunden habe und mir die Projekte vor Antritt im Detail bekannt waren. Eine neue Herausforderung, wie ein neuer Job, bringt immer eine Einarbeitungszeit mit sich. Wer einen neuen Job annimmt und behaupten würde, ohne Einarbeitung starten zu können, wäre wohl etwas zu selbstbewusst und nicht realistisch. Und eines ist ganz wichtig, für das ganze Leben, nicht nur im Beruf: man lernt nie aus, man muss immer offen sein, um Neues zu lernen, und das will ich.“ 

Wie bringen sie das mit Ihrem Job bei Mercedes Benz unter einen Hut? 

Eichstetter: „Meine Vorgesetzten sind laut ihrer Aussage sehr stolz auf mich und meine Leistung und unterstützen mich voll und ganz in meiner zukünftigen Berufung, bedauern natürlich trotzdem den Verlust. Ich leiste ab sofort 50 Prozent des Tagespensums für die Einarbeitung und diese nutzen wir sehr intensiv.“ 

Sie übernehmen die Führung der Stadtverwaltung in der womöglich größten Krise des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg. Was wäre derzeit Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister? 

Eichstetter: „Als erstes werde ich mich, was jetzt aus Datenschutztechnischen Gründen nicht möglich ist, um den Gesundheitszustand der Corona-Erkrankten und in häuslicher Quarantäne befindlichen Füssenern erkundigen. Im zweiten Schritt, werde ich Ministerium und Landratsamt zu einem gemeinsamen Termin bitten, wie wir die Füssener Unternehmen und damit auch deren Angestellten unterstützen können. Ich denke hier beispielsweise an die Gewerbesteuer, wie hier die Kommune unterstützen kann. Und im dritten Schritt muss das Tagesgeschäft in der Verwaltung wieder richtig anlaufen, denn es gibt ein ‚nach’ dem Corona und die Themenfülle, wie auch die bereits entschiedenen Projekte, müssen betreut und vorangetrieben werden. Wir haben aus dem jetzigen Stadtrat über 90 Millionen Euro entschiedene Projekte, die ab sofort auch ihre volle Aufmerksamkeit benötigen. Auch müssen wir zeitnah eine Ausstiegsstrategie für die Swap-Geschäfte und den millionenschweren Frankenkredit erarbeiten. Es wird Jahre dauern, diese massiven finanziellen Bremsklötze auszumerzen.“ 

Hotellerie und Tourismus in Füssen sind besonders von der Coronakrise betroffen, die Stornierungen in den Hotels liegen bei nahezu 100 Prozent. Welche Möglichkeiten sehen Sie als Bürgermeister, den Betrieben zu helfen? 

Eichstetter: „Ich bin bereits seit Wochen täglich mit der Landrätin, dem Ministerium und unserem Tourismusdirektor im Austausch. Wichtig ist jetzt die Unternehmen und die Hotellerie mit allen notwendigen Informationen zu versorgen und bei Fragen soweit wie eben möglich für Klarheit zu sorgen.“ 

Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats findet traditionell Mitte Mai statt. Ist schon absehbar, ob dieser Termin heuer zu halten sein wird?

Eichstetter: „Bis jetzt ist dieser Termin auch für Mai geplant, wie sich die Zeit entwickelt müssen wir abwarten. Eine Verschiebung ist leider nicht auszuschließen.“ 

Die Menschen haben derzeit wahrscheinlich auch andere Sorgen. Teilen Sie diese Sorgen? 

Eichstetter: „Ich teile diese Sorgen nicht nur, sondern fühle mit den Bürgern und bin für sie da. Es ist eine Situation die meine Generation und die etwas Älteren so noch nie erlebt haben. Die Herausforderung ist immens und vieles scheinbar Unwichtiges rückt in den Hintergrund. Für ein Land ist es wichtig eine politische Person zu haben, welche die Menschen durch die schwierigen Zeiten bringt, so wie unser Ministerpräsident Markus Söder es gerade macht. Das gleiche Prinzip gilt für einen Landkreis und für eine Stadt oder Gemeinde. Als zukünftiger Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um den Bürgern zu helfen. Einige Betroffene Unternehmer und Bürger haben in den letzten Wochen bereits meine Unterstützung persönlich erlebt und es ist wichtig, die Bürger mit allen notwendigen Informationen zu versorgen und an ihrer Seite zu sein.“

Matthias Matz

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