Pfrontener Schleierfahnder blicken auf das vergangene Jahr zurück

Füssen: Mehr Straftaten an der Grenze 

+
Pfrontener Schleierfahnder bei einer ihrer zahlreichen Kontrollen am Füssener Grenztunnel.

Pfronten/Allgäu – Mehr Straftaten als 2016 hat die Schleierfahndung Pfronten, die jetzt Grenzpolizei Pfronten heißt, im vergangenen Jahr verzeichnet.

Waren es damals noch 779 Straftaten sind es heuer 798 (19 mehr), ein Anstieg von zwei Prozent, wie die neue Leiterin Susanna Buchmiller am Freitag in einem Pressegespräch bekannt gab. Vor allem in zwei Bereichen nahmen die Delikte 2017 deutlich zu. „Ich freue mich über die steigenden Zahlen“, erklärte Buchmiller. Das zeige, dass sie engagierte Kollegen habe, „die arbeiten wollen.“ 

Susanna Buchmiller leitet seit 1. April die Schleierfahndung Pfronten, die seit 1. Juli Grenzpolizei Pfronten heißt.

Denn anders als Streifenbeamte, werden Schleierfahnder nicht zu Vorfällen gerufen. Sie werden nur dann fündig, wenn sie kontrollieren. Deshalb sei ein engagiertes Personal so wichtig. Und das registrierte 2017 vor allem viele Urkundendelikte. In diesem Bereich stiegen die Zahlen von 59 Delikten (in 2016) auf 92 (in 2017) an – ein Plus von 56 Prozent. Das sei vor allem auf die verstärkten Kontrollen der Fahnder zurückzuführen. 

Aber auch Behörden wenden sich oft an die Pfrontener Schleierfahnder, wenn ihnen ein Ausweisdokument seltsam vorkommt, erklärte Buchmiller. Gefälschte Ausweise legen sich die meisten Verdächtigen dann zu, wenn ihnen eine bestimmte Berechtigung fehlt, beispielsweise der Führerschein. Oder, wenn sie untertauchen wollen, weil sie gesucht werden. 

Ein weitere Grund seien Privilegien, die beispielsweise nur Bürger der EU haben. Diese wollte offenbar auch ein 23-jähriger Albaner genießen, so Hermann Gessel, Buchmillers Stellvertreter. Nachdem dieser 2016 vergeblich Asyl beantragt hatte und abgeschoben worden war, stellte er erneut einen Aslyantrag – und legte sich zur Sicherheit eine polnische Identitätskarte mit falschen Personalien und einem polnischen Führerschein zu, falls der Asylantrag abgelehnt werden sollte.

Denn Polen dürfen sich völlig legal in Deutschland aufhalten. Damit meldete der Mann sich bei der Stadt Kempten an, wo der Schwindel allerdings aufflog. Dabei seien Fälschungen oft gar nicht so leicht zu erkennen, zumindest nicht für die einfachen Streifenbeamten, erklärte Buchmiller. „Die ,normale Polizei hat gar nicht die technischen Möglichkeiten Fälschungen zu erkennen, wenn sie einigermaßen gut gemacht sind“, erläuterte die Leiterin der Schleierfahndung. Bestimmte Fälschungsmerkmale werden zwar weitergegeben. Dennoch: „Für einen normalen Streifenbeamten ist das äußerst schwer zu erkennen.“

Mehr Sozialleistungsbetrüger

Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten die Beamten auch beim Sozialleistungsbetrug, einem relativ neuen Phänomen mit jedoch teuren Auswirkungen. Migranten stellen dabei einen Asylantrag, obwohl sie bereits in einem anderen EU-Land aufgenommen wurden, dort wohnen und zum Teil arbeiten. Ihre Absicht: finanzielle Leistungen in einem anderen Land abschöpfen. Während die Fahnder 2016 neun solcher Fälle verzeichneten, verfünffachten sie sich 2017 auf 47 Fälle, so Buchmiller. 

Den Löwenanteil mussten jedoch die Lindauer Fahnder stemmen. Sie registrierten vergangenes Jahr 139 solcher Fälle. 2016 waren es noch 63. Der durchschnittliche Schaden liege dabei im vierstelligen Bereich. Sobald es sich jedoch um unbegleitete Jugendliche handelt oder um medizinische Versorgung, steige der Schaden schnell in den fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich. Bei diesem bundesweiten Phänomen sei zudem das Entdeckungsrisiko sehr gering und das Dunkelfeld dementsprechend sehr hoch. 

Zwar könne man durch Fingerabdrücke schnell feststellen, ob jemand bereits in Deutschland Asyl beantragt hat. Der Abgleich mit anderen Ländern erfolge aber nicht so schnell und auch nicht automatisch – auch wenn der Informationsaustausch mit ausländischen Behörden sonst sehr gut funktioniere, so Buchmiller. Wenn ein Migrant zudem ohne Pass mit falschen Personalien einreise, sei der Nachweis dafür „äußerst schwer“. Besonders verwerflich aber sei, dass diese Betrüger „den Großteil der Flüchtlinge in Misskredit bringen, die hier Schutz suchen und zu recht Leistungen beziehen“, erklärte Buchmiller. 

Mehr Schleuser aufgegriffen

Zurückgegangen sind dagegen die Delikte im Ausländerrecht – von 345 (2016) auf 315 (2017). „Die Zahlen sind rückläufig im Hintergrund der großen Migrationswelle“, erklärte Buchmiller. Dennoch seien sie „immer noch relativ hoch.“ Dabei stellten die Fahnder häufig Verstöße beim Touristenprivileg fest. Damit dürfen sich sogenannte Drittstaatsangehörige 90 Tage lang ohne Visum in der Bundesrepublik aufhalten. Viele bleiben jedoch länger oder beginnen zu arbeiten, was sie aber nicht dürfen. 

Andere sind auch mit abgelaufenen Reisedokumenten unterwegs. Zugenommen haben jedoch die Schleusungen, die ebenfalls zu diesem Straftatenbereich zählen. Die Fahnder in Pfronten und Lindau fassten vergangenes Jahr 23 Schleuser – 130 Prozent mehr als 2016. Damals waren es nur zehn. Das seien aber nur die Aufgriffe der Schleierfahnder. „Wie viele Schleusungen die Bundespolizei bearbeitet, weiß ich nicht.“

kk

Auch interessant

Meistgelesen

100 Jahre Bayerische Schlösserverwaltung: Experten blicken hinter die Kulissen von Schloss Neuschwanstein
100 Jahre Bayerische Schlösserverwaltung: Experten blicken hinter die Kulissen von Schloss Neuschwanstein
Mit „Sex-Video” erpresst
Mit „Sex-Video” erpresst
"Was will ich werden?" -Berufsorientierungsmesse in Füssen
"Was will ich werden?" -Berufsorientierungsmesse in Füssen
Luxus-Hotel am Festspielhaus nimmt nächste Hürde
Luxus-Hotel am Festspielhaus nimmt nächste Hürde

Kommentare