Nahversorgungszentrum: Räte genehmigen Vorentwurf für Bebauungsplan

Neubau in Füssen: Norma lehnt Tiefgarage ab

Wiese in Füssen
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Auf der großen Freifläche südlich der Kemptener Straße wollen Regensburger Projektentwickler ein modernes Nahversorgungszentrum errichten.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Weder Wohnungen, noch eine Tiefgarage: Die Verhandlungen, den Flächenverbrauch beim geplanten Nahversorgungszentrum rund um die neue Norma-Filiale zu verringern, sind gescheitert. Der Lebensmittel-Discounter als Ankermieter auf dem Areal in der Kemptener Straße lehnt eine Tiefgarage oder ein Parkhaus ab. Eine Entscheidung, die unter anderem die SPD-Fraktion am Dienstag nicht akzeptieren wollte. Während die Mehrheit des Stadtrates das Konzept und den Vorentwurf des Bebauungsplans W40 absegnete, sprachen sie sich zusammen mit den Freie-Wähler-Stadträtinnen Dr. Anni Derday und Christine Fröhlich sowie Dr. Martin Metzger (BfF) dagegen aus. 

Im September hatte der Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplans W40 für das rund 11.200 Quadratmeter große Areal zwischen dem ehemaligen VW-Autohaus Heuberger und dem THW beschlossen. Für Mitte Dezember stand schließlich die Billigung des Vorentwurfs der Planungen an, damit die Stadtverwaltung die Öffentlichkeit an dem Bauleitplanverfahren beteiligen kann. Doch soweit kam es nicht: Weil SPD und Freie Wähler den Flächenverbrauch für das geplante Nahversorgungszentrum für zu hoch hielten, vertagte das Gremium die Entscheidung. Zuerst sollten die Projektentwickler noch einmal Gespräche mit ihren potenziellen Mietern wegen der Parkplätze führen.

Doch ein Parkhaus oder eine Tiefgarage kommt für Norma nicht in Frage, hieß es am vergangenen Dienstag von Seiten der Stadtverwaltung. Kunden würden das nicht ausreichend akzeptieren. Daneben hätte das Kommunalparlament dies bei der Lidl-Filiale, die in der jüngsten Vergangenheit genehmigt wurde, ebenfalls nicht gefordert. „Bei dem aktuellen Projekt würde dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsnachteil führen und sei mit dem Gleichbehandlungsgebot nicht vereinbar“, war in den Sitzungsunterlagen zu lesen.

1200 Quadratmeter Verkaufsfläche

Die Pläne sehen derzeit vor, auf der Fläche an der Kemptener Straße im Süden und Westen zwei eingeschossige Gebäude mit Flach- oder Pultdach zu errichten. In beide sollen jeweils zwei Mieter einziehen. Im südlichen Gebäude möchte sich Norma mit einer Verkaufsfläche von ca. 1200 Quadratmetern und ein Tierbedarfsgeschäft mit ca. 650 Quadratmeter ansiedeln. Das westliche Gebäude ist für einen Bio-Lebensmittelmarkt mit ca. 650 Quadratmeter Verkaufsfläche und einem Getränkemarkt mit ca. 700 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen.

Insgesamt soll so eine Verkaufsfläche von ca. 3200 Quadratmeter entstehen. Dazwischen ist ein Parkplatz mit 142 Stellplätzen geplant, den die Kunden über die Kemptener Straße anfahren können. Hier soll auch eine Fußgängerquerung hin kommen.

Dass der Handel für die Stadt Füssen verträglich ist, hat bereits ein Gutachten bestätigt, dass vorab mit der Regierung von Schwaben diskutiert wurde. Der Idee, Wohnungen oberhalb des Marktes zu bauen, hatte die Stadtverwaltung schon im Dezember eine Absage erteilt. „Vom städtebaulichen Bedarf und der Lage wäre das absolut wünschenswert“, sagte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Doch vom Baurecht her sei das nicht machbar, was auch das Landratsamt Ostallgäu bestätigt habe.

Das sah jedoch FWF-Stadträtin Christine Fröhlich anders. „Die Alternativmöglichkeiten sind mir nicht tief genug diskutiert worden“, kritisierte sie. In der näheren Umgebung gebe es bereits Wohnungen. Außerdem sei das Gewerbe im Umkreis nicht sonderlich lärmintensiv. „Dass das Thema Wohnen von vornherein abgelehnt wird, lasse ich so nicht stehen“, so Fröhlich. „Irgendwann müssen wir mal umdenken. Wir müssen uns dezidiert Gedanken machen, ob wir nicht nachhaltiger handeln können.“ Bei diesem Projekt werde schließlich zu 85 Prozent neuer Boden versiegelt. „Das ist schon relativ viel.“

Auch die neue Verkaufsfläche, die hier entstehe, sei enorm. Kritisch sah sie außerdem, dass das Gutachten vom Antragsteller bezahlt worden sei, und dass bei der Berechnung der Stellplätze der beste Schlüssel für den Bauherren verwendet wurde. „Das alles ist sehr gut gerechnet worden.“

Nachhaltiges Bauen gefordert

Das wunderte ihre Stadtratskollegen Dr. Martin Metzger (BfF) und Erich Nieberle (SPD) überhaupt nicht, wie sie erklärten. Mit Blick auf nachhaltiges Bauen forderten sie ebenfalls ein Umdenken. „Wir sollten hier anfangen“, unterstrich Metzger. „Ich werde so sicher nicht zustimmen“, meinte auch Nieberle und verwies auf neue gesetzliche Grundlagen.

Mit den verschiedenen Möglichkeiten hätten sich die Verantwortlichen intensiv auseinandergesetzt, widersprach Angeringer der FWF-Stadträtin. Das Verträglichkeitsgutachten für das Projekt hätte außerdem das Büro gemacht, das seit Jahren die Gutachten für die Stadt Füssen erstellt. „Es ist üblich, dass der Projektträger die Kosten übernimmt.“ Spätestens die Regierung von Schwaben werde das auf den Prüfstand stellen.

Anders als seine Vorredner bewertete Niko Schulte (Füssen-Land) die Lage. „Wir können das fordern, aber dann bekommen wir keinen Markt rein, weil keiner das zahlen kann“, meinte er mit Blick auf eine zweistöckige Bebauung, bei der auf der unteren Ebene Parkplätze angesiedelt werden. So wollte eigentlich der Edeka-Markt in der Hopfener Straße bauen (der Kreisbote berichtete). Doch diese Pläne werde der Lebensmittelmarkt wahrscheinlich zurückziehen, kündigte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) an. „Sie können das nicht finanzieren mit der Aufständerung“, erklärte er.

Eine neue Idee für das Nahversorgungszentrum in der Kemptener Straße hatte Jürgen Doser (FWF). Er regte an, andere Mieter für das Projekt zu gewinnen, so dass hier hochwertigere Arbeitsplätze entstehen. „Gewerbe ist für Füssen wichtig. Es gibt andere Plätze, wo wir Wohnraum schaffen können.“

„Genau das haben wir angefragt“, erwiderte der Bürgermeister. Die Projektentwickler hätten bisher nur Vorgespräche mit potentiellen Mietern geführt. In die konkrete Verhandlungen könnten sie erst einsteigen, wenn sie grünes Licht von der Stadt bekommen.

Und einen Schritt in diese Richtung machten die Füssener Stadträte im Anschluss. Mehrheitlich stimmten sie grundsätzlich dem vorgelegten Konzept zu und billigten den Vorentwurf des Bebauungsplans, so dass dieser nun ausgelegt werden kann und die Behörden sich beteiligen können.

kk

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