Alpspitz-Bahn: Für die Zukunft gerüstet

Neue Sommerrodelbahn in Nesselwang: Räte wägen Einwendungen ab 

Sommerrodelbahn auf der Alpspitz bei Nesselwang
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Die Sommerrodelbahn an der Nesselwanger Alpspitzbahn ist in die Jahre gekommen.

Nesselwang – Nachdem der Gemeinderat bereits im August grünes Licht für eine neue Sommerrodelbahn an der Alpspitzbahn gegeben hat, lagen in den vergangenen Wochen die Pläne dafür nun öffentlich aus. Das Ergebnis präsentierten die Planer jetzt im Gemeinderat. Und das öffentliche Interesse daran war groß: Die Plätze im Zuschauerraum der Alpspitzhalle, die aufgrund der Corona-Pandemie nur begrenzt zur Verfügung standen, waren alle belegt.

Der sogenannte AlpspitzCoaster soll die in die Jahre gekommene und mittlerweile reparaturanfällige Sommerrodelbahn am Nesselwanger Hausberg ersetzen. Außerdem läuft heuer die Betriebserlaubnis für den Sessellift aus, der als Zubringer für die Fahrgäste und die Schlitten dient.

„Der Neubau ist ein strategischer Schritt für den Ganzjahresbetrieb unserer Bergbahn auch weil der Winterbetrieb aus bekannten Gründen nicht mehr durchgängig gewährleistet werden kann“, sagte Bürgermeister Pirmin Joas (CSU). Zudem biete der ganzjährig nutzbare „AlpineCoaster” einen Wettbewerbsvorteil für Nesselwang gegenüber anderen Tourismusdestinationen. Mit dem Landratsamt und der Unteren Naturschutzbehörde habe die Gemeinde bereits im Vorfeld gesprochen. Bis 28. November lagen die Pläne öffentlich aus. „Hierzu sind uns sieben schriftliche Stellungnahmen von Bürgern und Marktgemeinderäten eingegangen“, so der Rathauschef. Diese wurden soweit wie möglich in die Planungen eingearbeitet.

Christopher Berberich vom Planungsbüro Sieber erklärte die einzelnen Bestandteile des vorhabenbezogenen Bebauungsplans (B-Plan). In diesem finden sich die Trassenführung der Bahn, das Baufenster sowie die neuen Gebäude, die für den Betrieb notwendig sind. So ist ein neues Gebäude westlich der derzeitigen Talstation mit Technik-, Sozial- und Büroräumen geplant.

Ingenieur Martin Kiechle stellte den landschaftspflegerischen Begleit- und den Grünordnungsplan vor. Die 580 Stellplätze, die derzeit an der Alpspitzbahn zur Verfügung stehen, sollen nicht erweitert werden.

Die Trasse des „AlpineCoasters” verläuft in einer Höhe von maximal sieben Metern. Das wird im Bereich der beiden Kreisel der Fall sein. „Die alte Bahn wird komplett zurückgebaut und die freigewordenen Flächen und Areale werden wieder renaturiert“, so Kiechle. Dies betrifft auch die alte Sessellift-Trasse. Die artenreichen Nass- und Trockenwiesen im Planungsbereich wird die neue Bahntrasse aber nicht berühren. Dafür seien auch nur wenige Eingriffe in das Gelände notwendig.

Die Pläne sehen zudem zahlreiche Bepflanzungen entlang der neuen Bahn vor, welche diese teilweise verdecken und im Winter von der Skipiste abtrennen. Bäume und Sträucher verdecken teilweise jetzt schon die Bereiche der beiden Kreisel. Sie sollen aber noch weiter eingegrünt werden.

Auch die Brücke, die eine Querung des Fahrweges und der Schlepptrasse ermöglicht und maximal fünf Meter hoch werden wird, soll durch eine adäquate Bepflanzung ins Landschaftsbild eingebunden werden. „Die Brücke ist von der Talstation aus nicht sichtbar, da sie durch eine Geländekante verdeckt wird. Nur von weiter entfernten Standorten wird sie zu sehen sein“, informierte Kiechle.

Den Umweltbericht stellte der Landschaftsarchitekten im Anschluss vor. „Der Schutz des Bodens ist hoch. Die Stützen sind größtenteils nur mit Erdnägeln im Untergrund befestigt und es sind nur wenige Fundamente notwendig“, erklärte der Diplom-Ingenieur. Auch die LKW-Bewegungen während der Bauphase seien überschaubar. „Es sind deutlich weniger als beim Bau der Kombibahn.“ Die Bauarbeiten werden etwa drei Monaten dauern. Die maximale Anzahl der Fahrgäste ist durch die Limitierung der vorhandenen Parkplätze gegeben. „Mehr geht einfach nicht“.

Weniger Lärm

Kiechle regte an für eine bessere Besucherlenkung die Verkehrsführung zum und vom Parkplatz im oberen Bereich der Straße „An der Riese“ zu verbessern. An besuchsstarken Tagen könnten Shuttlebusse die Gäste von weiter entfernten Parkplätzen zur Bahn bringen. Den größten Teil der Bauarbeiten macht die nötige Verlegung des Alpweges aus. Auch die Lärmemissionen während des Betriebs werden sich in Grenzen halten. „Die neue Bahn ist leiser als die bisherige.“

Bürgermeister Joas verlas anschließend die eingegangenen Stellungnahmen. Diese wurden bei einer Sondersitzung des Beirats der Alpspitzbahn besprochen. So wurde der Bau eines Zwischeneinstiegs angeregt, „der aktuell technisch schwierig umzusetzen ist“, erklärte Joas. Denn die Fahrgäste des Alpspitz-Coasters setzen sich an der Talstation auf die Schlitten, werden über die Schlepptrasse hochgezogen und können dann an deren Endpunkt die Fahrt ohne Zwischenausstieg zurück zur Talstation antreten.

Eine weitere Stellungnahme befasst sich mit den geplanten Neubauten von Gebäuden. Diese seien notwendig, um die Zufahrt der Pistenpflegegeräte von den Garagen zu den Skipisten zu ermöglichen. Eine weitere Anregung befürchtete vor allem durch die geplante Brücke negative Auswirkungen auf das Ort- und Landschaftsbild. Andere hatten Bedenken, dass die Beförderungskapazitäten erhöht wird und damit mehr Lärm entsteht.

Auch eine Zunahme des Verkehrs wird vor allem in der Anfangszeit befürchtet. Hier soll ein Konzept zur Verkehrslenkung und -planung erstellt werden. Zudem ist ein deutlicher Rückgang des Verkehrs im Ort seit der Fertigstellung der Autobahn A7 zu verzeichnen. Eine Verkehrszählung hätte durchschnittlich 1000 Fahrzeugbewegungen pro Tag festgestellt. „Das ist ein üblicher Rahmen für Ortsstraßen“, erklärte der Bürgermeister. Ein Verkehrskonzept für die Entlastung der innerörtlichen Straßen müsste ebenfalls noch erstellt werden.

hoe

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