Theatersaison 2020/21 fällt aus

Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang will Corona-Pause für Neuorganisation nutzen – Dasser übergibt nach 23 Jahren Vorsitz

Annerose Umfahrer (links), Ulrike Rottenburger und Gebhard Dasser
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Annerose Umfahrer (links) und Ulrike Rottenburger danken dem langjährigen Vorsitzenden Gebhard Dasser für sein jahrzehntelanges Engagement.

Pfronten – Nach 23 Jahren hieß es für Gebhard Dasser jetzt: Die Show ist vorbei. Der Vorsitzende der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang stellte sich während der Jahreshauptversammlung nicht erneut zur Wahl, sondern freute sich sichtlich darüber, den Generationswechsel bei den Neuwahlen vollziehen und damit den Vorsitz in gute Hände übergeben zu können. Neue Vorsitzende wurde Ulrike Rottenburger aus Pfronten, zweite Vorsitzende Annerose Umfahrer aus Nesselwang. Daneben gab die Theatergemeinde bekannt, dass die Theatersaison 2020/21 aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen wird.

Der große Auftritt kam ganz am Schluss: Ihren scheidenden Vorsitzenden Dasser verabschiedete das Vorstandsteam der Theatergemeinde nach über 20 Jahren nicht nur mit Karten für ein Theaterdinner, sondern ebenso mit einer emotionalen Dankesrede und einem Überraschungsauftritt von Vorstandsmitglied Espen Nowacki. Er sang für Dasser „You did it your way“ in Anlehnung an Frank Sinatra – ein bewegender Moment zum Ende einer Ära. Mit dem neuen Führungsduo Rottenburger und Umfahrer wird auch im neuen Vorstand die gute Zusammenarbeit der beiden Gemeinden deutlich, was die beiden anwesenden Bürgermeister Alfons Haf aus Pfronten und Pirmin Joas aus Nesselwang wohlwollend registrierten. Als neue Schriftführerin wählten die Versammelten Sabine Henke und bestätigten Anika Carle-Huber als Schatzmeisterin. Im Beirat wirken weiterhin Espen Nowacki, Gabriele Claves-Dasser und nun neu Gebhard Dasser.

Ein Rückblick auf die vergangene Theatersaison zeigte, dass die Kultur einen hohen Stellenwert in Pfronten und Nesselwang hat. Die Zahl der Abonnenten ist deutlich gestiegen. Wer im Besitz eines Abos ist, hat die Plätze sicher, während reguläre Besucher auf den Vorverkauf warten und möglicherweise bangen müssen, ob sie noch eine Karte ergattern können.

Die vergangene Spielzeit eröffnete „Die Maschine steht still“. Geradezu visionär erscheint es, wie der über 100 Jahre alte Text in der Inszenierung des Theaters Schloss Maßbach das Internetzeitalter und in gewisser Weise sogar die Corona-Pandemie vorweg nahm: Eine Welt, in der die Menschen ihre Häuser nicht mehr verlassen und nur noch digital kommunizieren, erschien zu diesem Zeitpunkt noch als überzeichnete Fiktion auf der Theaterbühne – die wenig später die Realität einholte. Im November war die Show eines berühmten Zauberers in die Alp­spitzhalle zu sehen. Am selben Nachmittag verzauberte „Miras Sternenreise“ Familien mit einem Zaubertheater.

Für Aufregung sorgte im Februar eine kleine Sensation: Mit der Neue-Deutsche-Welle-Show „Ich will Spaß“ zeigte die Theatergemeinde Espen Nowackis neueste musikalische Produktion als Uraufführung. Nowackis Dreifachrolle als treffsicherer Musical-Produzent, exzellenter Sänger und engagierter Beirat der Theatergemeinde erwies sich als Glücksfall. Die Weltpremiere und eine Zusatzvorstellung waren restlos ausverkauft. Mit bewusst reduzierter Zuschaueranzahl konnte die Theatergemeinde kurz vor dem Lockdown gerade noch die Komödie „Mein Freund Harvey“ mit dem Theater Dinkelsbühl zeigen. Die weiteren Theatertermine musste die Theatergemeinde allerdings coronabedingt absagen.

Besucherzahlen steigen

Trotzdem gingen die Besucherzahlen dank Zusatzvorstellungen in die Höhe – und auch die durchschnittliche Auslastung stieg weiter an. Theater sei in Pfronten und Nesselwang längst ein gesellschaftliches Ereignis. Von aussterbendem Publikum könne schon lange nicht mehr die Rede, betonte Dasser. Denn der Generationswechsel sei nicht nur vereinsintern , sondern auch bei den Zuschauern gelungen. Auch der Erfolg der Junior-Reihe habe sicher dazu beigetragen.

Positiv fiel auch die finanzielle Bilanz aus. Unterstützung der beiden Gemeinden sowie zuverlässiger Sponsoren verschaffe Planungssicherheit in der Budgetierung. Schatzmeisterin Anika Carle-Huber und Kassenprüfer Reinhold Ammer berichteten, dass ein Großteil der Abonnenten auf die Erstattung ihrer Karten für die zuletzt abgesagte Aufführung verzichtet hatte – „dafür sind wir dankbar“, so Carle-Huber. Die Corona-Pandemie wirbelte auch die Pläne der Theatergemeinde gewaltig durcheinander: Der Spielplan für die Saison 2020/21 hatten die Engagierten schon vor einem Jahr geplant. In der aktuellen Situation sei er allerdings so nicht durchführbar, erklärte die Theatergemeinde. Ihre Partnertheater müssten Produktionen streichen, verschieben und ersetzen. Massive Zuschauerbeschränkungen und Hygieneauflagen ließen einen „normalen“ Theaterbetrieb aktuell nicht zu. Daher habe sich das Theaterteam schweren Herzens entschlossen, die kommende Saison ruhen zu lassen. Bei einer sich verbessernden Infektionslage wird es prüfen, ob es kurzfristig einen Theaterabend organisieren kann.

Die nun entstandene „Ruhesaison” will das Team der Theatergemeinde für strukturelle und inhaltliche Weiterentwicklung und für Neuorganisation nutzen. Die Pause sieht es bei allem Bedauern als unerwartete Chance, sich für die Zukunft auszurichten.

Weitere Infos zur Theatergemeinde erhalten Interessierte online unter www.theater-gemeinde.de und auf facebook@theaterpfronten.

kb

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