Eröffnung des neuen Kindergartens ist weiter ungewiss

Kosten für neuen Kindergarten explodieren

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Der geplante neue Kindergarten mit AWO-Familienzentrum im Füssener Neubaugebiet Weidach wird deutlich teurer als zunächst veranschlagt.

Füssen – Rund fünf Millionen Euro und damit zwei Millionen Euro mehr als eigentlich geplant wird der neue Kindergarten im Weidach kosten.

Das erklärte Architektin Dorothea Babel-Rampp, als sie am Dienstagabend in der Sitzung des Stadtrats über den aktuellen Planungsstand berichtete. Der Grund für die Kostenerhöhung sind die zwei Gruppen mehr, die künftig in dem Gebäude unterkommen sollen, und weitere Änderungen im Vergleich zur ursprünglichen Planung. Größter Kostenfaktor ist dabei die nötige Auffüllung des Bodens. „Die Kosten sind stimmig für die Größe des Objekts“, unterstrich die Architektin. 

Nachdem die Pläne für den neuen Kindergarten mehrmals im Stadtrat vorgestellt und diskutiert worden waren, seien die Anregungen der Räte, „die möglich waren, eingebracht worden“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Die Pläne wurden schon mit dem Landratsamt Ostallgäu, der Regierung von Schwaben und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) besprochen, fügte Babel-Rampp hinzu. Und auch der Bauantrag liege bereits beim Landratsamt. 

Vor allem im Erdgeschoss gab es „diverse Optimierungen“, erklärte die Architektin die Änderungen. Neben drei Kindergartengruppen findet hier auch eine Krippengruppe ihren Platz, die im Bedarfsfall aber auch Kindergartenkinder aufnehmen könnte. Außerdem kann im ehemaligen Therapieraum eine Notfallgruppe unterkommen. Neben einem Aufzug, dem Treppenraum und einem Kinderwagenabstellplatz, sind nun auch Markisen vorgesehen, die für Schatten auf den Spielflächen im Außenbereich sorgen sollen.

Sechs statt vier Gruppen

Im Obergeschoss findet dagegen der AWO-Familienstützpunkt seinen Platz. Hier ist neben einem Mehrzweckraum auch eine Mensa vorgesehen, die beispielsweise für Versammlungen zu einem großen Raum verbunden werden können. Daneben ist eine Küche vorgesehen, in der Betreuer und Kinder zusammen kochen können. Außerdem ist hier unter anderem der Personalbereich und eine kleine Toilette für Erwachsene eingeplant. Im Dachgeschoss kommen die Lüftungsanlage und Abstellräume unter. 

Rein rechnerisch wuchs der Kindergarten damit von ursprünglich 4,5 geplanten Gruppen (zwei Kindergarten-, eine Krippen- und 1,5 weitere Gruppen, die rechnerisch für das Familienzentrum stehen) auf 6,5 Gruppen an. Das schlägt sich in den Kosten nieder. Hatte die Stadt anfangs mit grob drei Millionen Euro gerechnet, fallen jetzt 4.950.000 Euro an. Neben den zwei zusätzlichen Gruppen schlagen sich hier auch die weiteren Änderungen nieder. Allein für die Baugrundauffüllung rechnet die Stadt mit 199.000 Euro. Für den Aufzug und Fluchtbalkon fallen weitere 100.000 Euro bzw. 95.000 Euro an. 

Rothemund wundert sich

„Wir würden die Räumlichkeiten nicht bauen, wenn wir nicht den Nachweis hätten, dass wir sie brauchen“, betonte Iacob. „Sonst würden wir auch keine Förderung bekommen.“ Diese kann bis zu 85 Prozent betragen. Um jedoch den entsprechenden Antrag bei der Regierung von Schwaben stellen zu können, müsse der Stadtrat erst die höheren Kosten abnicken. „Ich dachte, der Förderantrag wurde schon gestellt“, wunderte sich Dagmar Rothemund (SPD). Schließlich „pressiert es ein Stück weit.“ Deshalb wollte sich auch wissen, wann der Kindergarten dann fertig sei. 

Doch einen konkreten Zeitpunkt wollte die Stadtverwaltung am Dienstagabend nicht nennen. Der Baubeginn hänge davon ab, wann die Förderzusage erteilt werde, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Die Stadtverwaltung habe die Erfahrung gemacht, dass das oft lange dauert. „Wir werden aber deutlich machen, dass wir eine schnelle Zusage brauchen“, fügte der Rathauschef hinzu. Daneben komme es auch darauf an, wie schnell der Baugrund aufgefüllt werden könne, so Angeringer.

AWO beteiligt sich an Kosten

Frühestens im Frühjahr 2019 könne mit dem Bau begonnen werden. Wegs der höheren Baukosten habe die Stadt bereits mit der AWO gesprochen, die einen Teil davon stemmt, erklärte Iacob. „Wir haben die schriftliche Zusage, dass die AWO bis zu einer gewissen Summe dabei ist. Und die halten wir auch ein.“ Die Stadt könne allerdings erst einen Vertrag mit dem Verband abschließen, wenn der Förderantrag gestellt wurde. „Aber die Eckwerte stehen.“ Am Ende werden aber doch Kosten von ca. 600.000 Euro an der Stadt hängen bleiben, war im Gremium zu hören. 

Wie die Stadtverwaltung das stemmen will, wollte Jürgen Doser (FWF) wissen. Die Summe soll über zwei Jahre im städtischen Haushalt verankert werden, erklärte der Rathauschef. Das habe er mit dem Kämmerer Marcus Eckert besprochen. Positiv bewertete dagegen Andreas Eggensberger (CSU) die Kalkulation. Als sich die Stadträte vor drei Jahren einen Kindergarten in Buchloe angeschaut hatten, hieß es, dass Baukosten unter 800.000 Euro pro Gruppe gut seien. Aktuell sei die Stadt bei 763.000 Euro pro Gruppe. Das sei super, so Eggensberger. 

Bedenken hatte dagegen Dr. Christoph Böhm (CSU) – und zwar wegen den geplanten Parkplätzen. Die Zufahrten widersprechen nicht nur der städtischen Stellplatzsatzung, sondern seien auch gefährlich. Jeder, der an Schulen oder Kindergärten arbeite, wisse: „Mütter veranstalten jeden Tag eine Mütterrallye“, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto abliefern. „Diese Anordnung finde ich so einfach gefährlich.“ Deshalb plädierte er, nur eine Zufahrt zu bauen. Da seine Kollegen das aber offenbar anders sahen, stimmten sie bei einer Gegenstimme von Magnus Peresson (UBL) der vorgelegten Planung inklusive Baukosten zu.

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