Für die Natur sensibilisieren

Neuer Ostallgäuer Gebietsbetreuer Thomas Hennemann stellt seine Arbeit vor 

Gebietsbetreuer Thomas Hennemann
+
Thomas Hennemann

Füssen – „Die Besucherlenkung stand 2020 ganz besonders im Fokus“, erklärte Thomas Hennemann, Gebietsbetreuer am Ostallgäuer Alpenrand, in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Dort stellte Hennemann nicht nur sich und seine Arbeit vor, sondern gab auch bekannt, dass seine Projektstelle um drei Jahre verlängert wurde. 

In 55 Naturräumen, die als besonders wertvoll gelten, setzen sich Bayerns Gebietsbetreuern für den Erhalt der facettenreichen Landschaften ein. Sie sollen dazu beitragen, dass die Ziele von Natura 2000, einem zusammenhängenden Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union (FFH-Gebiete und SPA-Gebiete), sowie der Bayerischen Biodiversitätsstrategie umgesetzt werden. Im Raum Füssen ist dafür Thomas Hennemann zuständig. Seit 2018 engagiert sich der Diplom-Forstwirt am Ostallgäuer Alpenrand. Sein Zuständigkeitsgebiet umfasst knapp 340 Quadratkilometer und reicht von Nesselwang über Pfronten nach Füssen, Schwangau bis nach Halblech.

Seine Aufgabe ist es, Konzepte zur Lebensraumverbesserung zu erstellen und umzusetzen. Allerdings hat er dabei keine hoheitlichen Aufgaben und Funktionen. „Das bedeutet auch, dass wir keine ,Strafen‘ verhängen dürfen“, erklärte Hennemann. Vielmehr sollen er und seine Kollegen zwischen Mensch und Natur vermitteln und so beispielsweise Kommunen und Grundstückseigentümern beratend zur Seite stehen.

In diesem Jahr war die Besucherlenkung der „Aufgabenschwerpunkt schlechthin“, wie der Gebietsbetreuer informierte. Die Wildcamper seien „bis in den hintersten Winkel der Schutzgebiete vorgedrungen“, was zum Problem für geschützte Arten wurde. Im Bereich Füssen waren vor allem die Seen betroffen. Besucher seien mit ihren Autos in Nasswiesen und Schilfbereiche hineingefahren oder hätten dort gezeltet und Feuer gemacht. Hier stand Hennemann im engen Austausch mit der Polizeiinspektion Füssen.

Mit Schildern und Öffentlichkeitsarbeit will der Gebietsbetreuer auch weiterhin die Menschen für die bestehenden Vorschriften in den Schutzgebieten sensibilisieren. In diesem Zug habe er heuer am Gipsbruchweiher mit Schildern auf das Drohnenflugverbot im Vogelschutzgebiet aufmerksam gemacht. Dabei kam es allerdings zum Missverständnis mit der Füssener Stadtverwaltung, die von der Aktion nichts wusste und irritiert war. Hier müsse die Kommunikation noch verbessert werden, zog Hennemann ein Fazit.

Ansonsten klappe die Zusammenarbeit mit der Stadt jedoch gut. So rage Füssen beispielsweise bei dem Projekt „Wiese x 16“ hervor, wie der Gebietsbetreuer unterstrich. Daneben habe die Lechstadt auch einen „tollen Stadtwald“. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Die Waldbestände würden unter Schutz stehen, weil sie ökologisch wertvoll seien.

Überhaupt trifft das auf den Großteil des Füssener Stadtgebiets zu. So liegen 58 Prozent davon im Landschaftschutzgebiet. Hinzu kommen noch einige Hektar an FFH- und Vogelschutzgebieten. Hier sind beispielsweise der seltene Dreizehen-Specht oder der Weißrückenspecht, die beide Totholz brauchen, noch häufiger anzutreffen. Gleiches trifft auf die Sumpfgladiole, eine im Juli violett blühende Pflanze, zu, die ihren europaweiten Verbreitungsschwerpunkt im Lecheinzugsbereich hat.

Kurze Wege beibehalten

Auch künftig wird es bei den Specht- und Eulenarten einiges zu tun geben, informierte der Gebietsbetreuer. Außerdem wolle er sich verstärkt auf Wiesenbrüter konzentrieren. „Die habens wirklich schwer“, erklärte er, da sie auf Wiesen angewiesen sind, die spät gemäht werden. Wie und wann gemäht werden soll, könne Hennemann mit dem Bauhof abstimmen, bot Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) die Mithilfe der Stadt an. Dieser wird 2021 eine neue Software für ein Mähkataster erhalten. „Das wäre eine super Sache“, meinte Hennemann. „Wenn wir die kurzen Wege beibehalten, wird das ein toller Erfolg.“ Auch Eichstetter zeigte sich von der Zusammenarbeit angetan. „Ich freue mich, dass Sie weiterhin tätig sein können“, wandte er sich an den Gebietsbetreuer. „Ich finde es extrem wichtig, dass Sie uns da unterstützen.“

kk

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Stadträte Metzger und Deckwerth kritisieren geplante Fußgänger-Ampel am Eisstadion
Stadträte Metzger und Deckwerth kritisieren geplante Fußgänger-Ampel am Eisstadion
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz steigt wieder – Wert im Landkreis sinkt
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz steigt wieder – Wert im Landkreis sinkt
Corona-Impfung: „Man kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren.“
Corona-Impfung: „Man kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren.“

Kommentare