Im Seniorenheim St. Michael können Jung und Alt jetzt Schach lernen

"Der Kopf ist beschäftigt"

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Die Köpfe rauchen, denn der nächste Zug will bedacht sein. Tobias (links) wählt die Offensive mit der Dame.

Füssen – Das Spiel der Könige, wie Schach auch genannt wird, ist eine Herausforderung für den Kopf. Es zwingt zu Ruhe, Konzentration und vorausschauendem Handeln – Gehirnakrobatik pur. Eigentlich. Manchen dient es aber auch als Auszeit vom üblichen Trott. 

„Ich schalte dabei ab, vergesse den Alltag“, meint Gabriele Baach (59) aus Füssen. Sie ist zur Schachstunde von Martin Felser gekommen. „Zum Vergnügen und zur Entspannung, weil der Kopf mit etwas anderem beschäftigt ist.“

Seit Ende Juni bietet der mit dem Schachclub Dillingen groß gewordene Felser einen Abend für Groß und Klein an. Zwischen 18 und 19 Uhr bringt er im Seniorenheim St. Michael dem jungen Nachwuchs das Schachspiel bei, anschließend ist auch Zeit für die Großen. „Dadurch, dass ich den Raum kostenlos nutzen kann, ist es erst möglich, hier Nachwuchsarbeit zu leisten“, erklärt der engagierte Pfrontener. Am liebsten würde er einen Schachklub in Füssen gründen, „Gründungsmitglieder willkommen“, schmunzelt er. 

Martin Felser spielt selbst erfolgreich für den Schachklub Marktoberdorf, kennt vom Verein her die Schwierigkeiten, die sich dabei auftun, vor allem junge Menschen für Schach zu begeistern. Oft sei es gar nicht mangelndes Interesse, die Zeit für regelmäßige Treffen fehle zumeist. Tobias (11) und Markus (10) haben sich die Zeit genommen, Markus lässt sogar ein bisschen von seiner Doppelstunde Sport dafür ausfallen. Ihm hat die Oma das Spiel der Könige beigebracht, bei Tobias war es der Vater, der es schon von seinem Vater erlernte. Beide spielen gerne Schach.

 Markus' Spiel-Strategie liegt eher im schnellen Spiel, flugs beseitigt er die wichtigen Figuren des Gegners: Läufer, Pferde und Türme werden geschlagen. Tobias hingegen scheint zunächst nur zu reagieren. Aber auf einmal sagt er „Schach“ und fügt darauf ein „Matt“ an. Im Stillen hat er seine Chance entdeckt, Markus' König so arg in Bedrängnis zu bringen. „Super gesehen“, merkt eine Füssenerin an, die sich im Laufe des Spiels beobachtend dazugesetzt hat. Auch sie hat die Möglichkeit wahrgenommen, „mal wieder zu spielen“. 

Sowohl die Buben als auch die Erwachsenen können es sich gut vorstellen, öfter und regelmäßig zu den Schachtreffen am Mittwochabend zu kommen. Vielleicht etabliert sich damit wieder eine Sportart, die weniger die Ausdauer er Muskeln als die des Gehirns trainiert.

Anne Berkmüller

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