Erster Entwurf soll bis Oktober stehen

Füssener Stadtrat gibt grünes Licht für die Aufstellung eines Bauprogramms

+
Die Liegenschaften der Stadt Füssen in der Ziegelwies wurden in den zwanziger Jahren erbaut. Die Haustechnik und Elektrik sind nach Angaben der Architektengemeinschaft Harbich & Beck völlig veraltet. Entsprechend aufwendig und damit teuer wird die Sanierung.

Füssen – Welche Bauarbeiten soll die Stadt zuerst in Angriff nehmen und wie kann sie das überhaupt finanzieren? Vor diesen Fragen stehen die Stadträte immer wieder, wenn es um die Sanierung der städtischen Liegenschaften oder um Hoch- und Tiefbaumaßnahmen geht.

Um einen Überblick zu bekommen, soll die Stadtverwaltung in den kommenden Wochen einen ersten Entwurf für ein Bauprogramm erstellen. Dafür gaben die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig grünes Licht. „Das Ziel ist, dass es bis Oktober steht“, erklärte Hauptamtsleiter Peter Hartl. Vor fast einem Jahr hatte die Architektengemeinschaft Harbich & Beck ihr Untersuchungs- und Sanierungskonzept für die städtischen Liegenschaften im Stadtrat vorgestellt (der Kreisbote berichtete). Dabei stellte sich heraus, dass der Sanierungsbedarf enorm ist. 

Möchte die Stadt ihre Liegenschaften auf den heutigen Standard modernisieren, muss sie in den kommenden Jahren rund zehn Millionen Euro investieren. Um das finanziell stemmen zu können, kann die Stadt die Projekte nicht einzeln betrachten, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Deshalb möchte sie jetzt den nächsten Schritt machen und in den kommenden Monaten ein Bauprogramm erarbeiten, das neben den Liegenschaften auch die anstehenden Hoch- und Tiefbaumaßnahmen beinhaltet. Diese sollen darin nach der Notwendigkeit, Dringlichkeit und Finanzierbarkeit aufgelistet werden. 

Der Entwurf soll nach Angaben von Hartl einen Zeitraum von fünf Jahren umfassen, in denen die Projekte zeitlich den einzelnen Jahren sowohl mit Blick auf die Ausgaben als auch den möglichen Finanzierungen zugeordnet werden. Außerdem werden sie in die Pflichtaufgaben einer Kommune und den freiwilligen Leistungen aufgeteilt. Bei letzteren soll die Verwaltung einen Vorschlag für die Maßnahmen machen, die sie nicht als zwingende Aufgaben sieht. Diese könnten auch Drittanbieter übernehmen. „Die städtischen Wohnimmobilien sind rein rechtlich reine freiwillige Leistungen“, so Hartl.

Die Stadt sehe es aber als verpflichtende Aufgabe an, erschwinglichen Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen. Dabei sollte sie ihren Schwerpunkt auf Familien legen, so der Hauptamtsleiter. Eine Analyse der Allgäu GmbH habe ergeben, dass „Füssen nicht Zielort für junge Familien ist, weil es zu teuer ist.“ 

Auf der Grundlage des Konzepts der Architektengemeinschaft möchte die Verwaltung vor allem Sanierungs- und Modernisierungsvorschläge für die städtischen Wohngebäude machen. Hier soll sie erarbeiten, wo die Stadt nur dem dringenden Sanierungsbedarf nachkommen, wo sie Häuser energetisch auf den aktuellen Stand bringen soll, welche Häuser sie dem heutigen Standard entsprechend modernisieren und welche sie in einem höheren Qualitätssegment sanieren soll. 

Daneben soll sie ausarbeiten, bei welchen Häusern durch Nachverdichtung zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden könnte. Danach folge eine Priorisierung und eine Festlegung, wie die Stadt mit den freiwerdenden Wohnungen in den einzelnen Immobilien mit Blick auf die Sanierungen umgehen soll. Vorab werde die Verwaltung allerdings Fördermöglichkeiten bei den städtischen Häusern in der Ziegelwies prüfen, sowohl mit Blick auf die Modernisierung als auch die Schaffung zusätzlichen, erschwinglichen Wohnraums. „Wir haben die Ziegelwies vorgezogen, weil wir hier viele Punkte abdecken können“, sagte Hartl. 

Bei der Priorisierung spiele neben den gesetzlichen Pflichtaufgaben einer Kommune auch eine Rolle, welche Verpflichtungen die Stadt bereits eingegangen ist, welche Aufgaben sie bei aktuellen Förderprogrammen erfüllen muss, für welche Projekte es bereits konkrete Beschlüsse gibt und welche Projekte für die Stadt besonders wichtig sind.

Lob von Hipp 

Daneben werde die Verwaltung prüfen, ob diese Aufgaben die Stadt allein meistern kann, ob sie sie an Dritte abgibt oder ob sie sie in Kooperation mit anderen umsetzt. Bei letzteren müsste sich die Stadt allerdings die entsprechenden Beteiligungsrechte sichern. „Damit wir bestimmen können, was geplant wird.“ Bei dieser Aufstellung spiele letztlich auch eine Rolle, welche Projekte die Kommune wann finanziell stemmen kann. „Es ist ein relativ großes Werk. Es macht nur Sinn, wenn wir es fortsetzen.“ 

Deshalb soll es die Verwaltung regelmäßig fortschreiben. Schließlich soll es auch als Grundlage für die Haushaltsberatungen dienen. Darüber hinaus machte der Hauptamtsleiter aber auch klar: „Wenn wir die Objekte alle umsetzen, wird das zu einer Verschuldung führen. Sie amortisieren sich erst im Laufe der Nutzungsdauer.“ „Ein Gesamtplan ist schon lange fällig gewesen“, meinte Heinz Hipp (CSU). „In der Vergangenheit haben wir oft nur reagiert und im Nebel gestochert.“ 

Auch sein Fraktionskollege Michael Schmück meinte: „Ich finde es gut, dass das endlich ins Laufen kommt.“ Zudem bewertete Ilona Deckwerth (SPD) das Werk als „ganz wichtige Entscheidungshilfe.“ Sie fügte hinzu: „Wir haben immer noch nicht die Hälfte von dem erreicht, was wir an sozialen Wohnungen brauchen.“

Mit diesem Plan zeige die Stadt, dass es voran gehe. „Das ist ein ganz wichtiges Signal.“ Dass die Sozialdemokratin nur dieses Klientel im Blick hat, ärgerte jedoch Jürgen Doser (FWF). „Das ist bei jeder Stadtratssitzung so“, meinte er und forderte Weitblick. „Es gibt nicht nur ein Klientel. Es gibt ein ,sowohl als auch‘ und nicht ein ,entweder oder‘.“ Aber auch er bewertete das Bauprogramm als wichtigen Fahrplan, um zu wissen, welche Investitionen anstehen. „Herr Hartl hat das richtig gut dargestellt.“ Die Vorgehensweise hierbei irritierte jedoch Herbert Dopfer (Füssen-Land). 

Seiner Ansicht nach sollte die Stadt zuerst definieren, was sie unter sozialverträglichen Wohnraum verstehe. Das sah der Hauptamtsleiter allerdings anders. Zuerst müsse die Stadt schauen, was die Sanierung koste und welche Förderung sie dafür bekomme. „Erst vor der endgültigen Entscheidung werden wir die Mieten beschließen. Wir wollen ganz normalen Wohnraum, keinen hohen Standard.“ Die Mieten werden deshalb nicht stark steigen.

 Kritik von Fröhlich

 Kritik übte auch Christine Fröhlich (FWF). Mit Blick auf das Konzept der Architektengemeinschaft plädierte sie dafür, keine städtischen Wohnungen zu verkaufen, sondern alles selbst zu sanieren. „Darum geht es heute noch gar nicht“, meinte jedoch Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Die Häuser in der Ziegelwies werden zunächst einmal vorab überprüft. Wie sie dann saniert werden, sollen die Räte erst zu einem späteren Zeitpunkt beschließen. 

Um die Ziegelwies ging es auch Dr. Christoph Böhm (CSU). In einer Fraktionssitzung sei die CSU zu der Ansicht gekommen, dass sie nicht verkauft und auch nicht nachverdichtet werden sollte. „Städtebaulich ist das ein wunderschönes Ensemble wie die Hanfwerke“, so Böhm. Er befürchtete, dass das ein Neubau zerstören könnte. „In der Fraktionssitzung war das ein Gedankenaustausch und nicht eine Entscheidung“, verdeutlichte Fraktionsvorsitzender Hipp jedoch. „Geben sie doch der Verwaltung die Möglichkeit alle Varianten zu prüfen. Sie fällen dann diese Entscheidung“, erwiderte Iacob. Zudem fügte Hartl hinzu: „Wir werden verpflichtet zur Nachverdichtung.“ Wenn ein Gebiet locker bebaut ist, werde die Stadt nicht darum herum kommen.

kk

Auch interessant

Meistgelesen

Polizei stoppt Irrfahrt eines psychisch auffälligen Mannes nach Beinaheunfällen
Polizei stoppt Irrfahrt eines psychisch auffälligen Mannes nach Beinaheunfällen
Einzeldenkmal in der Füssener Altstadt soll saniert werden
Einzeldenkmal in der Füssener Altstadt soll saniert werden
Kein Ende in Sicht: Umstrittener Bebauungsplan für Hopfen am See ist immer noch nicht fertig
Kein Ende in Sicht: Umstrittener Bebauungsplan für Hopfen am See ist immer noch nicht fertig
Der Kreisbote verlost 2x2 Karten fürs LOSAMOL-Konzert in Füssen
Der Kreisbote verlost 2x2 Karten fürs LOSAMOL-Konzert in Füssen

Kommentare