APCOA sammelt überraschend Rabattierungsgeräte ein

Missverständnis um "Eins Parken frei"

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Die Mitglieder der Werbegemeinschaft Füssen wollen an der Aktion „Eins Parken frei“ festhalten. Wie diese jedoch langfristig finanziert werden soll, ist derzeit noch unklar.

Füssen – Ist die Aktion „Eins Parken frei“ Geschichte? Diese Frage hat sich wohl so mancher Einzelhändler in Füssen gestellt, als der Parkplatz-Betreiber APCOA vor kurzem überraschend seine Locher eingesammelt hat.

Die brauchen die Füssener Einzelhändler, um die Parkermäßigung für ihre Kunden ausstellen zu können. Doch auch die Vorstandschaft der Werbegemeinschaft Füssen traf die Aktion völlig unvorbereitet, wie Erster Vorsitzender Alexander Mayerhofer sagte. Am Ende stellte sich heraus: Das alles war nur ein Missverständnis, so Mayerhofer. Doch eine Frage blieb trotzdem: Besteht überhaupt noch Interesse am „Eins Parken frei“?

Erst drei, dann zwei und schließlich nur noch eine Stunde umsonst parken: Seit der Einführung der Aktion 1999 hat sich die Freiparkzeit immer weiter verkürzt. Ursprünglich hatte sie die Werbegemeinschaft Füssen in Kooperation mit der Stadt Füssen und APCOA ins Leben gerufen, um den Nachteil der Gastronomen und Einzelhändler in der Innenstadt auszugleichen – die fehlenden Parkplätze. Der Kunde musste nur für 15 Euro in einem Geschäft der Werbegemeinschaft einkaufen und konnte dann sein Auto eine Stunden kostenlos auf der Morisse oder in der Sparkassentiefgarage stehen lassen.

 Im vergangenen Jahr stand „Eins Parken frei“ dann schließlich ganz auf der Kippe: Denn APCOA stieg zum 1. Juli endgültig aus der Aktion aus. Der Grund: Zum einen die Pacht für die Sparkassentiefgarage, die nach der Eröffnung des Theresienhofs gestiegen ist. Zum anderen die „sukzessive gesunkene Anzahl der Rabattierungen“ der Einzelhändler, „die unseren Abrechnungsaufwand nicht mehr gerechtfertigt haben“, wie APCOA-Pressesprecher Sebastian Merkle erklärte.

Doch die Werbegemeinschaft wollte an dem Modell festhalten. Sie beschloss den Kostenanteil von APCOA zu übernehmen. Daraufhin gab auch der Stadtrat grünes Licht für die weiter Beteiligung an dem Projekt (der Kreisbote berichtete).

Missverständnis um Vertrag

 Im Oktober hatte die Vorstandschaft der Werbegemeinschaft laut Mayerhofer zusammen mit Helmut Schauer, Leiter der Stadtwerke Füssen, und APCOA über den neuen Vertrag gesprochen und alle Details, die Mayerhofers Vorgängerin Sabina Riegger ausgehandelt hatte, mündlich bestätigt. Anfang November schickte APCOA einen entsprechenden Vertragsentwurf an die Stadtwerke und die Werbegemeinschaft. Da jedoch die Stadtwerke einige Punkte genauer abklären wollten, unterzeichneten sie den Vertrag noch nicht.

Bei APCOA kam das aber offenbar anders an: Der Parkplatzbetreiber ließ die Locher abholen, weil er „bis Ende des Jahres keine Rückmeldung erhalten hat“, so Merkle.

Besteht noch Interesse?

Das Unternehmen wollte laut Mayerhofer „nicht auf irgendwelchen Kosten sitzen bleiben, nachdem der Vertrag nicht unterschrieben wurde.“ Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft fügt hinzu: „Ich muss ganz klar sagen, dass die Konditionen in diesem Gespräch bereits komplett abgeklärt waren und auch die bisherigen Vereinbarungen meines Wissens kein End-/bzw. Ablaufdatum hat. Es gibt demnach keinen Zugzwang, auch da in dem Gespräch vereinbart wurde, bis zum Vertragsabschluss es so weiterlaufen zu lassen wie bisher.“

Mittlerweile wurde das Missverständnis geklärt, wie Merkle auf Nachfrage des Kreisboten bestätigte. Der Parkplatzbetreiber hat die Locher wieder zurückgegeben. Doch ein Problem bleibt: In den vergangenen Jahren nutzten immer weniger Geschäfte das Angebot. Manche Betriebe seien bei nur „20 Lochungen im Jahr gelandet“, so Mayerhofer. Deshalb startete er eine Umfrage, ob überhaupt noch Interesse daran besteht. Das Ergebnis: „Das Interesse ist da“, erklärte Mayerhofer. Nur zwei Mitglieder hätten sich dagegen ausgesprochen. Deshalb werde die Werbegemeinschaft „das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen.“

Allerdings muss ein anderes Finanzierungsmodell her. Denn der Beitrag der Werbegemeinschaft werde zum Teil von Sponsoren abgedeckt. „Das funktioniert nur begrenzt. Das kann nur eine Übergangslösung sein“, meinte Mayerhofer. Denn „größere Beträge kann kein Sponsor übernehmen“, so der Erste Vorsitzende. Vor allem, da sich jetzt auch Nichtmitglieder an der Aktion beteiligen möchten, informierte er. „Das ist ein Grund, warum wir uns mit APCOA noch nicht einig sind.“

Derzeit sucht die Werbegemeinschaft nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Ideen gebe es bereits, doch die seien „noch nicht ausgereift“, sagte Mayerhofer. Diese müsse die Werbegemeinschaft erst mit Schauer absprechen, damit „ein tragbares Konzept“ herauskomme, das auch der Stadtrat absegnen könne. Bis Mitte Februar wollen alle drei Partner eine Lösung gefunden haben. Denn „APCOA ist nicht so gewillt, das Ganze in der Schwebe zu lassen“, erklärte Mayerhofer.

Katharina Knoll

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