Mobilfunk in Füssen: Viele offene Fragen

Weniger ist mehr

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Das Thema Mobilfunk schlägt heuer hohe Wellen in Füssen.

Füssen – Die Interessen der Bürger gegenüber den Mobilfunkbetreibern vertreten will die Initiative „Mobilfunk Forum Füssen“, die sich jetzt im „Haus der Gebirgsjäger“ formiert hat. Allerdings sieht sich der Zusammenschluss nicht als „typische Bürgerinitiative“, die den Bau neuer Sendemasten blockieren will.

Mit Initiatorin Stephanie Zeller nahmen rund 30 Interessierte das in Hopfen und Füssen teilweise kontrovers diskutierte Thema „Mobilfunk“ zum Anlass, sich zum „Mobilfunk Forum Füssen“ zusammen zu schließen. Es gehe, so Diplom-Ingenieurin Zeller, nicht um die Verhinderung von Mobilfunk. Sie betonte, dass „die Nutzung von Standorten, die einen Anstieg der Funkbelastung vermeiden“ im Vordergrund stehe. 

Die Gruppe will über die Kommune auch mit öffentlichem Druck über die Medien gegenüber Netzbetreibern „unsere Interessen“ vertreten. Dabei sieht sie auch den eigenen Umgang mit Kommunikationsmitteln kritisch. „Handys weise benutzen!“ – mit dieser Anregung brachte Teilnehmerin Barbara Thielmann eine selbstkritische Haltung auf den Punkt. 

Tatsächlich ist heuer neben dem Neubau des Bahnhofs wohl kaum ein Thema so kontrovers diskutiert worden wie der geplante Bau von zwei Sendeanlagen auf dem Galgen- und dem Fischerbichl durch die Telekom (der Kreisbote berichtete mehrfach). Diese sollen eine Sendeanlage in Eschach ersetzen, die Ende des Jahres den Betrieb einstellt. Nach einigem Hin und Her konnten sich Stadtrat und Telekom beim Standort Fischerbichl zwar auf einen Kompromiss einigen. Doch dieser wird aller Voraussicht nach vom Landratsamt kassiert, wie dessen Sprecher Rainer Kunzmann gegenüber dem Kreisboten erläuterte. Wegen seiner Höhe von rund 37 Metern sei der Mast wohl nicht genehmigungsfähig. In der Schwebe hängt auch nach wie vor der Standort Galgenbichl. 

Für diesen sei im Landratsamt noch kein Bauantrag eingegangen, sagte Kunzmann. Doch Fischer- und Galgenbichl sind derzeit nicht die einzigen Mobilfunk-Baustellen in Füssen. „Nicht zu vergessen ist aber auch der dritte neue Standort im Füssener Westen. Der Suchkreis ist im Bereich Kagerstraße“, erklärte Jörg Umkehrer, Grünen-Stadtrat und Mitglied des Arbeitskreises (AK) Mobilfunk. „Hier gibt es noch keinen Alternativstandort, der außerhalb der Wohnbebauung und damit emissionsärmer ist“, so Umkehrer auf Anfrage unserer Zeitung. 

Eine vom AK Mobilfunk geforderte härtere Gangart gegenüber den Providern wie der Telekom Mithilfe des kommunalen Planungsrechts – unter anderem könnte der Stadtrat mit Veränderungssperren drohen – lehnten Stadtrat und Stadtverwaltung jedoch jüngst ab. Man wolle dazu zunächst eine Stellungnahme des Landratsamtes einholen, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) seinerzeit. 

Hilfloser Stadtrat 

Helfen soll jetzt der Fachmann Dr. Peter Nießen, der die Stadt bei der Suche nach Alternativstandorten unterstützen soll. Er berät bereits die Gemeinde Pfronten. Zumindest hat der Stadtrat beschlossen, sich zunächst ein Angebot von Nießen einzuholen. Das am Mittwoch neu ins Leben gerufene „Mobilfunk Forum“ will praktischen Nutzen aus dem Know-how des AK Mobilfunk ziehen, dem neben Jörg Umkehrer auch die Stadträte Andreas Ullrich (Freie Wähler), Wolfgang Bader (SPD) und Herbert Dopfer (FUE-Land) angehören. 

Ullrich und Umkehrer sehen gute Möglichkeiten, dass sich die Kommune gegen einen Plan der Mobilfunknetzbetreiber stemmen könne, „dem zahlreiche Bürger ablehnend gegenüber stehen“, so Ullrich. Kreisrat Hubert Endhardt (Grüne), der es im privaten Umfeld nach eigenen Angaben schafft, „ohne Netz“ auszukommen, bat im Rahmen der Versammlung Erich Ammann aus Rückholz, über seine Erfahrungen seit 1992 zu berichten. Ammann, der wie seine Mitstreiter inzwischen unter dem Dach von „Diagnose Funk“ aktiv ist, gab dem „Forum“ den Rat, „sachlich bleiben“. 

Dadurch sei eher weitere Unterstützung durch die Bürger zu gewinnen als durch – „wenn in bestimmten Situationen durchaus nützlichen“ – Populismus. Dass sich der Trend zur mobilen Kommunikation unglaublich rasant entwickelt hatte, machte Ammann mit einer Zahl deutlich: lediglich acht Prozent der Deutschen hätten im Jahr 1997 ein Handy benutzt.

Chris Friedrich/Matthias Matz

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