Nicht nur Hotels verdienen

Dr. Bernhard Harrer (Mitte) ist Vorstand des 1950 gegründeten Deutschen Wissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr (dwif). Er arbeitet im Auftrag des Bundes ebenso wie jetzt für Füssen Tourismus. Bürgermeister Paul Iacob (links) und Tourismuschef Stefan Fredlmeier bezeichneten die Ergebnisse als beachtlich. Foto: gau

Noch immer hält sich das Vorurteil, dass nur bestimmte Betriebe am Tourismus verdienen würden, die Bevölkerung in den jeweiligen Orten aber das Nachsehen habe. Ein Gutachten, das die Stadt Füssen in Auftrag gegeben hat und das jetzt gemeinsam mit Stefan Fredlmeier vorgestellt wurde, belegt nun das Gegenteil. Dabei zeigte sich auch, dass es gerade im unlukrativen Tagestourismus noch Schätze zu heben gibt.

Es seien beachtliche Zahlen, gestand Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bei der Vorstellung des Gutachtens. Das hatte Dr. Bernhard Harrer, Vorstand des deutschen Wissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Uni München, kurz dwif, im Auftrag von Füssen Tourismus und Marketing erstellt. Man habe, so Iacob als Motivation für das Gutachten, wissen wollen, was eigentlich wirklich hängen bleibe in Füssen. Schließlich sei der Tourismus eines der Standbeine der Stadt und oft genug gehe es um die Frage, von wo man das Geld für Investitionen, gerade im touristischen Sektor nehme. Dabei gehe es auch darum, die Qualität des Tourismus zu verbessern und die Alleinstellungsmerkmale der Region, etwa die Schlösser, aber auch Natur und Kultur, weiter herauszuarbeiten. Denn das Gutachten enthält auch eine Warnung – die, dass der Tourismus kein Selbstläufer ist. Weder seien die Schlösser Garant für Touristen, so Harrer, noch reiche die Investition von vor 40 Jahren in das Hotel aus, um heutige Ansprüche zu erfüllen. Und gerade im Tourismus laufe viel über Mundpropaganda – einmal ein schlechter Ruf und diese Scharte ist nicht mehr auszuwetzen. Für das nun vorgestellt Gutachten, so erläuterte der Münchner Experte, habe man die Aussagen von 100.000 bundesweit geführten Interviews herangezogen, in denen unter anderem gefragt wurde, wohin Tagesausflüge und Urlaubsreisen unternommen würden. Desgleichen wurden aber auch vor Ort Befragungen vorgenommen und vergleichbare Zahlen herangezogen. Herausgekommen ist ein Konvolut an Aussagen und Zahlen, die der Experte in den richtigen Zusammenhang gestellt hat. Viele Millionen Euro Insgesamt summieren sich die Aufenthaltstage aller Gäste auf 3,643 Millionen Tage pro Jahr, wobei diese Urlauber 179 Millionen Euro in die Region bringen. Dabei zählen alle Übernachtungsgäste ebenso wie die rund 2,5 Millionen Tagesgäste, die hierher kommen, um die Schlösser zu sehen, ein Eis in Füssen zu essen oder in Faulenbach spazieren zu gehen. In dieser Rechnung nicht enthalten sind geschätzte 100.000 Übernachtungsgäste, die bei Freunden und Verwandten schlafen. Ein Marktsegment, das es zu heben gelte, so Harrer, der Beispiele nannte, wo es eine Art Königscard für Mama und Papa gebe. Quasi eine „Wohin mit den Eltern für einen Tag“-Lösung. Doch Harrer hatte auch berechnet, wer wie viel mit dem Tourismus verdient. Rund die Hälfte der touristischen Ausgaben gehen dabei an die Herbergen, je etwa ein Viertel teilen sich Einzelhandel und Dienstleister. Doch damit ist die Rechnung noch nicht abgeschlossen. Denn in den Umsätzen der Hoteliers sind auch weitere Leistungen enthalten, wie die der Handwerker oder die „Vorlasten“ der Lieferanten. Rund 60 Millionen Euro sind direktes Einkommen, wie zum Beispiel Löhne und Gehälter, und weitere 30 Millionen indirektes Einkommen. Der absolute touristischer Beitrag zum Primäreinkommen der Region, so rechnete Harrer vor, beträgt jährlich 90 Millionen Euro oder 28 Prozent. Allein aus der Mehrwert- und Einkommenssteuer würden so dem Fiskus jährlich 19,4 Millionen Euro zufließen. Womit auch widerlegt wäre, dass nur der Hotelier am Touristen verdient.

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