Niedriglohn-Rekord in Füssen

2,81 Euro in der Stunde, das sei der niedrigste Stundenlohn, der ihm im vergangenen Jahr untergekommen sei, hatte Peter Schmidt, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Pressegespräch am Faschingsdienstag erklärt. Bezahlt hatte ihn ein Hotel in Füssen. Welcher Hotelier seinen Angestellten damit abspeiste, das verriet Schmidt auf Nachfrage des KREISBOTE zwar nicht, Dumping-Löhne seien im Gastgewerbe jedoch Gang und Gäbe – besonders bei den renommierten Hotels, verriet er.

Die 2,81 Euro seien zwar ein Ausreißer nach unten, aber Löhne um die 4,50 Euro seien in der Gastronomie keine Seltenheit, so Schmidt. Dabei bezahlen gute Hotels keineswegs auch die guten Löhne. Ein Arbeitnehmer, der es in der Gastronomie zu etwas bringen will, der brauche Referenzen und nehme auch schlechte Bezahlung in Kauf, um den Namen eines renommierten Hotels in seine Vita schreiben zu können, weiß der Gewerkschafter. „Die Hotels nutzen das schamlos aus“, erklärte er. Regelungen weggefallen Die Methode sehe so aus: Der Angestellte bekommt in einem „hingewurschtelten“ Arbeitsvertrag nur einen Nettolohn genannt. Die Anzahl der Stunden, die er dafür arbeiten muss, seien nicht geregelt, auch nicht die Arbeitszeiten. Wenn manch ein Angestellter ihm seinen Vertrag und dann den Stundennachweis zeige, erklärte der NGG-Chef, dann kommt bei der Rechnung oft ein Stundenlohn auf Dumping-Niveau heraus. Der Wegfall der Zumutbarkeitsregelung und des Tarifschutzes sorgen zudem für prekäre Arbeitsverhältnisse. Da heißt: bewirbt sich ein arbeitsloser Koch auf eine Stelle, ihm wird aber nur ein Posten als Küchenhilfe angeboten, darf er heute nicht mehr ablehnen, ohne Kürzungen des Arbeitslosengeldes in Kauf zu nehmen. Das selbe gilt, wenn der Arbeitgeber sich weigert, Tariflohn zu bezahlen. „Das führt dazu, dass die Lohnspirale nach unten geht.“ Oberstdorf wie Füssen Auch wenn der niedrigste Lohn des vergangenen Jahres in einem Hotel in Füssen gezahlt wurde, gebe es keine regionalen Unterschiede, so Schmidt. „Die zahlen in Oberstdorf genauso wie in Lindau oder Füssen“, gab er an. Auch die Entlastung der Hoteliers bei der Mehrwertsteuer, die die schwarz-gelbe Bundesregierung beschlossen hat, komme bei den Angestellten in der Gastronomie nicht an. „Das war nur ein riesiges Steuergeschenk, das nicht an die Mitarbeiter weitergegeben wird“, beklagte er.

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