Weg vom Gießkannenprinzip

Die ÖGB-Vertreter Kurt Schmid, Otto Leist und Ulrike Ernstbrunner bei ihrem Besuch in Reutte. Foto: Prxmarer

Reutte – Bei seinem Reutte-Besuch im Zuge der ÖGB-Kampagne „Lohnsteuer runter – Damit netto mehr Geld bleibt“ ging Tirols ÖGB-Landesvorsitzender Otto Leist mit der Tiroler Kinderbetreuungspolitik hart ins Gericht.

„Eine Kinderbetreuung, die weder flächendeckend, noch ganztägig oder ganzjährig zur Verfügung steht, hilft besonders Frauen auf der Suche nach Vollzeitarbeitsplätzen überhaupt nicht weiter“, sagte er. Dasselbe gelte für die hohen Kosten, die in Tirol die Geldbörsen der Familien und Alleinerzieher überproportional hart treffen. Die Tiroler Landesregierung habe es beim „Kindergeld PLUS“ versäumt, sozial schwächere zu fördern, so der Landesvorsitzende weiter. „Stattdessen werden die Mittel mit dem Gießkannenprinzip fast schon verlost“, kritisierte er. 

Auch Tirols ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner sieht die Lage ähnlich. „Atypische Beschäftigungsformen sind entgegen vieler Behauptungen nicht der langfristige Wunsch vieler Frauen. Besonders dann, wenn sie alleinerziehend sind“, kritisierte sie. „Aber wenn eine Kinderbetreuungseinrichtung zur Mittagszeit schließt, ist es schlichtweg unmöglich länger zu arbeiten. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass jeder in einem Familienumfeld lebt, in dem Verwandte die Obsorge der Kleinsten übernehmen“, so Ernstbrunner weiter. Für die Tiroler Frauenvorsitzende ist der Ausbau zu einer flächendeckenden, ganzjährigen und ganztätigen Kinderbetreuung in mehrerlei Hinsicht förderlich: „Ein Ausbau der Infrastruktur in diesem Segment, bringt Frauenarbeitsplätze im Kinderbetreuungsbereich und ermöglicht es vielen Frauen endlich ihren Traum von einer ganztätigen Vollzeitbeschäftigung zu verwirklichen.“ 

Kurt Schmid, stellvertretender Oberländer ÖGB-Vorsitzender, sieht besonders Reuttener Frauen von der Teilzeitfalle betroffen. „Nur 29 Prozent aller Frauen aus unserem Bezirk arbeiten Vollzeit. Die Notwendigkeit einer Kinderbetreuung wird kaum berücksichtigen“, berichtete er. „Es gibt in Reutte nur vier ganztägig und ganzjährig geöffnete Kinderbetreuungseinrichtungen, allesamt privat. In den anderen Gemeinden ist die Betreuung nur sehr eingeschränkt vorhanden. Somit bleibt meistens nur eine Teilzeitbeschäftigung übrig“, so Schmid. Genau dort, in der Teilzeitbeschäftigung, habe in den vergangen Jahren der höchste Beschäftigungszuwachs stattgefunden. „Diese Form der Beschäftigung ist nach wie vor eine Erwerbsform, die überwiegend von Frauen ausgeübt wird, sei es im Handel, im Tourismus, aber auch in anderen Branchen. Außerferner und Tiroler Unternehmen sollen sich wieder mehr auf ihre soziale Verantwortung besinnen und mehr Vollzeitarbeitsplätze anbieten. Das kommt sowohl der Wirtschaft als auch den Unternehmen durch erhöhten Konsum zugute“, sagte Ernstbrunner. 

Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung sei der Einkommensunterschied in Reutte enorm. „Wir sind bei Fraueneinkommen nicht nur Schlusslicht unter 99 österreichischen Bezirken, sondern haben mit 31,1 Prozent auch den größten Einkommensunterschied zwischen Männer und Frauen aufzuweisen.“ Hier müsse viel getan werden, eine zielgerichtete Kinderbetreuung sei der erste Schritt in die richtige Richtung. „Das gilt nicht nur für Reutte, sondern für ganz Tirol“, so Schmid. 

Kein gutes Haar lässt Leist am neuen „Kindergeld PLUS“. „Die Tiroler Landespolitik ist schon in der Pflicht, das Kindergeld Plus jenen Familien und AlleinerzieherInnen zugänglich zu machen, die auch wirklich Bedarf haben, sprich den Einkommensschwachen unter uns. Die fünf Millionen Euro sollten zielgerichtet und nicht mit dem Gießkannenprinzip verteilt werden“, so Leist. kb

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