Exotisches auf Bio-Feldern

Öko-Modellregion Günztal stellt Anbauversuch der Schwarzen Bohne vor

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Bio-Landwirt Konrad Specht erklärt interessierten Besuchern seine ersten Erfahrungen im Anbau der Schwarzen Bohne.

Landkreis – Bei einem Feldabend entlang der Wertschöpfungskette „Vom Acker bis zum Teller“ haben jetzt Experten den Anbauversuch der Schwarzen Bohne vorgestellt. Wenn der Anbau gelingt, kann zukünftig ein Bio-Verarbeiter aus der Region mit regionalen Bio-Schwarzen Bohnen versorgt werden.

Und somit könnte eine Lücke in der Wertschöpfungskette geschlossen werden.

Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen, Soja und Co. werden immer beliebter. Es gibt sie in einer großen Vielfalt und in vielen Farben von weiß über gelb, rot, grün bis hin zu schwarz. Die Schwarze Bohne ist ein exotisches Beispiel unter den Hülsenfrüchten. Sie hat ihren Ursprung in Mittel- und Südamerika und ist dort für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar. Aufgrund der Übernahme von Nahrungsgewohnheiten anderer Kulturen, findet man die Schwarze Bohne immer öfter auch auf deutschen Tellern. Zum Beispiel in würzigen Suppen und Eintöpfen, in mexikanischen Burritos, als Bohnenreis oder zu Tempeh verarbeitet.

Was ist Tempeh?

Aber was genau ist eigentlich Tempeh? Bei der Herstellung von Tempeh werden ganze Bohnen mit einem ausgewählten Edelschimmel fermentiert. Das Fermentationsprodukt ist eine seit Jahrhunderten geschätzte Spezialität aus Indonesien. Die Tempeh Manufaktur aus Markt Rettenbach im Unterallgäu verarbeitet Soja, Lupinen und Schwarze Bohnen in Bio-Qualität zu diesem veganen Produkt. Im Gegensatz zu Lupinen und Soja gibt es für Schwarze Bohnen keine Bio-Erzeuger aus Deutschland. Die Bohne muss einen weiten Weg von China bis ins Unterallgäu zurücklegen, wo sie anschließend verarbeitet wird. Das Interesse Bio-Schwarze Bohnen aus Deutschland oder aus der Region zu beziehen, ist daher groß. 

„Geht nicht, gibt‘s nicht“

Aber kann der Anbau von Schwarzen Bohnen im Allgäu gelingen? „Geht nicht, gibt‘s nicht“, dachten sich zwei Bio-Landwirte und starteten mit Unterstützung der Öko-Modellregion einen Anbauversuch. „Das Ziel ist es durch den Anbau der Schwarzen Bohne die Lücke in der Wertschöpfungskette zu schließen und gleichzeitig die Vielfalt auf dem Acker zu erhöhen. Weiterhin sollen durch diese Nische neue Absatzmöglichkeiten entstehen und somit der Ökolandbau in der Region gestärkt werden“, erklärt Rebecca Schweiß, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Günztal.

Rund 40 Interessierte folgten der Einladung der Öko-Modellregion Günztal auf das Feld von Bio-Landwirt Konrad Specht bei Oberkammlach, um sich den Anbauversuch aus nächster Nähe anzuschauen. Auf 1,5 Hektar wurden Ende Mai Bio-Schwarze Bohnen ausgesät. Da es für Saatgut ebenfalls kaum Bezugsquellen gibt, wurde Speiseware für die Aussaat verwendet.

Pflanze düngt Feld

Fachberater der Bio-Anbauverbände Bioland und Naturland sowie Experten des Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne teilten mit den interessierten Besucherinnen und Besucher ihr Wissen und bewerteten den Bohnenbestand. Auch die erste Vorsitzende des Vereins Förderer der Gartenkultur aus Illertissen, Thea Zedelmeier, brachte ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit ein. Obwohl Speiseware ausgesät wurde, sind die Bohnen relativ gut aufgegangen und die Knöllchen an den Wurzeln zeigten, dass die Pflanzen aktiv sind. Die Knöllchen entstehen durch eine Symbiose zwischen Wurzeln und Bakterien. Dadurch ist die Schwarze Bohne, wie auch andere Leguminosen, in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden und für sich und nachfolgende Pflanzen als Nährstoff verfügbar zu machen. „Die Pflanzen düngen mein Feld umsonst“, erklärt Specht.

Schwierige Ernte

Herausforderungen sahen die Experten in der rechtzeitigen Abreife der Bohnen und der Erntetechnik. Da die Schwarze Bohne eine sehr dünne Schale besitzt, muss sie schonend geerntet werden, um diese nicht zu zerbrechen. Nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ sind die Landwirte den Anbauversuch angegangen und nehmen bereits aus den eigenen Erfahrungen sowie den Empfehlungen der Experten, Verbesserungspotenziale für das nächste Anbaujahr mit.

Die weitere Entwicklung der Bohne und die Ernte werden zeigen, ob dieses Jahr bereits eine erste Probeverarbeitung durch die Tempeh Manufaktur möglich ist. „Im Herbst wissen wir dann mehr“, freut sich Rebecca Schweiß. Damit ist man dem Ziel einen kleinen Schritt näher, die Bio-Wertschöpfungsketten in der Region zu stärken.kb

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