Gutachten vorgelegt

Streit um Füssener Luxus-Hotel: BN sieht sich bestätigt

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Wie wertvoll ist die Einmündung der Füssener Ach und das Auengehölz für die dort lebenden Tiere? Planer und Biologen kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen.

Füssen – Nicht erst seit dem vorläufigen Aus der Pläne für das Luxus-Hotel am Festspielhaus sehen sich die Gegner des Projekts um Bund Naturschutz (BN) und Kreisfischereiverein Füssen (KFV) mit dem Vorwurf konfrontiert, die Wertigkeit des Areals an der Ach zu übertreiben und mit Falschaussagen Stimmung zu machen.

Durch ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten sehen sie sich jetzt allerdings bestätigt. „Mit diesem Gutachten können wir erneut darlegen, dass es sich um hochwertiges Biotop handelt“, sagte BN-Ortsvorsitzender Michael Käs am Freitag bei der Vorstellung der Expertise. 

Erstellt hat das Gutachten für den Uferbereich des Forggensees im Bereich der Füssener Ach – wo bislang Manfred Rietzler sein Fünf-Sterne-Hotel bauen wollte – der Diplom-Biologe Bernd Kurus-Nägele. „Aus artenschutzfachlicher Sicht ist das geplante Vorhaben auf der vorgesehenen Fläche nicht vertretbar“, lautet sein Fazit. 

Der vom Hotel-Bau betroffene Ufer-Bereich weise einen hohen Biotopwert auf und biete insgesamt vier Fledermausarten, 36 Vogelarten, vier Amphiebienarten und elf Libellenarten einen Lebens- und Nahrungsraum – auch wenn diese Arten nicht so relevant seien, dass sie einer speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) unterzogen werden müssten. Dennoch komme er zu dem Ergebnis, dass der betroffenen Bereich nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt werden müsse, da durch den Hotelbau der Lebensraum der Tiere zerstört werde. „Die Hälfte der von den Tieren genutzte Fläche wäre weg.“ 

Zwar könnte der Bauherr durchaus eine Ausnahme beantragen. Dafür müsste er aber einen gleichwertigen Ausgleich schaffen. Und das schon vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahme, damit die betroffenen Tiere umziehen können. Die in den bisherige Planunterlagen aufgeführten Maßnahmen und vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen könnten aber keinesfalls gewährleisten, dass die dort lebenden Arte nicht geschädigt, gestört, verletzt oder getötet würden. Im Gegensatz zu Rietzlers Planern kommt er daher zu dem Ergebnis: „Von daher ist aus artenschutzrechtlicher Sicht keine Ausnahme möglich!“Michael Käs ergänzte: „Die Ausgleichsflächen Rietzlers können das gar nicht ausgleichen, da sie kein See sind.“ 

Streit um Begriffe

Dazu kommt laut Kurus-Nägele, dass sich auf der anderen Gehölzes an den Ausläufern des Barockgartens langsam aber sicher „Sand-Kies-Sukzessionsflächen“ mit Biotop-Potenzial entwickeln. „Da besteht ein großes Entwicklungspotenzial“, so der Biologe. Immer wieder waren BN und KFV in der Vergangenheit außerdem dafür kritisiert worden, dass sie das Gehölz zwischen Festspielhaus und Ach als Auwald bezeichneten. „Man hängt sich zu sehr an Begrifflichkeiten auf“, sagte dazu Diplom-Biologe. 

Für einen Auwald sei der Gehölzstreifen tatsächlich nicht groß und alt genug. „Aber es ist schützenswert“, erklärte er. Walter Hundhammer vom BN Füssen sagte dazu: „Dass der Auwald nicht so alt ist wie an der Donau, ist uns auch klar“, sagte er. Aber selbst das Landesamt für Umwelt (LfU) sei in seinem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei dem Gehölz um ein Auenwald jüngerer Ausprägung handle. Tatsächlich ist selbst im von der Stadt beauftragten Gutachten von Kling Consult vom 15. November die Rede „von typische Ufer- und Auengehölze jüngerer Ausprägung“.

Politisch motiviert?

Michael Käs sieht sich und die Hotel-Gegner durch das Gutachten rehabilitiert. „Nach unserer Ansicht ist das ein schützenswertes Biotop – das Gutachten bestätigt das voll und ganz“, sagte er. „Anderslautende Aussagen von Seiten der Hotel-Befürworter sind wohl politisch motiviert.“ Nach Ansicht von Käs und Hundhammer ist aus naturschutzfachlicher Sicht ein Hotelbau beim Festspielhaus nur südwestlich – also dort, wo das Tagungszentrum entstehen sollte – möglich. Diese Option hatte Eigentümer Rietzler in der Vergangenheit aber stets abgelehnt, da sich so die angesterebten Synergieeffekte zwischen Hotel und Veranstaltungshaus nicht erzielen ließen.

mm

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