Walderlebniszentrum möchte mit einer neuen Ausstellung auf Denkmäler im Wald aufmerksam machen

Ein Erdhügel oder doch ein Keltengrab?

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Dr. Gerhard Enders (rechts), der die Ausstellung mitkonzipiert hat, erklärt Harald Husel (links), Zweiter Vorsitzender des Walderlebniszentrums Ostallgäu-Außerfern, den Schaukasten der Austellung „DenkMAL im Wald” .

Füssen – Auf Bodendenkmäler im Wald macht die Wanderausstellung „DenkMAL im Wald“ im Walderlebniszentrum Ziegelwies aufmerksam. Bis Sonntag, 13. September, können sich Besucher hier an 13 Schautafeln und einem -kasten informieren, was Bodendenkmäler genau sind und durch was sie bedroht werden.

Die größte Gefahr sei dabei die Unkenntnis der Menschen, erklärte Dr. Gerhard Enders vom Zentrum Wald Forst Holz am Dienstag bei der Eröffnung. Das soll jedoch die Ausstellung ändern. Denn „nur was man kennt, schätzt man und nur was man schätzt, schützt man“, erklärte Enders. „Sta Vidator“ (Bleib stehen, Wanderer) – Mit diesem Ausspruch laden so mache alten Denkmäler Vorübergehende zum Verweilen und Nachdenken ein. 

Genau das soll auch die Wanderausstellung „DenkMAL im Wald“ bezwecken, die durch die Zusammenarbeit des Landesamt für Denkmalpflege, des Vereins für Nachhaltigkeit und des Forstzentrums Weihenstephan entstanden ist. Sie soll den Blick für Denkmäler im Wald schärfen. Schließlich liegen von den über 55.000 Bodendenkmälern in Bayern mehrere tausend im Wald. Dazu zählen Keltenschanzen, die Jahrhunderte vor Cäsar errichtet wurden, genauso wie Turmhügel und Burgställe aus dem 10. Jahrhundert, die die Bayern zur Verteidigung genutzt haben. 

Nähe und Unmittelbarkeit 

Später haben der 30-jährige Krieg und der zweite Weltkrieg mit Schanzen und Bomben-trichtern ihre Spuren hinterlassen. Zu Bodendenkmälern zählen aber auch die Hinter-lassenschaften alter Waldgewerbe: So haben Köhler Kohlplatten gegraben, Fuhrleute haben mit ihren Wagen Hohl-wege ausgefahren und Teer- sowie Pechöfen wurden angelegt. Daneben sind im Wald Marterl, Grenzsteine oder die Überreste verlassener Dörfer sowie Burgen zu finden. In Deutschland liegt außerdem das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer: Der Limes. 

Der 550 Kilometer lange Grenzwall sollte den römisch besiedelten Süden und Südwesten der heutigen Bundesrepublik von den Einfallen der Germanen schützen. „Solche Denkmale am Originalschauplatz zu erleben, das vermittelt Originalität und lässt die Aura des Ortes spüren. In der Stille des Waldes sprechen die Dinge für sich“, erklärte Enders. Dadurch entsteht Nähe. Anders als im Museum trennt den Besucher nur die Zeit vom historischen Geschehen. So sei das hauptsächliche Ziel der Denkmalpflege auch die Denkmäler „möglichst im Boden zu erhalten, um sie so für künftige Erkenntnismöglichkeiten zu sichern.“ 

Wald schützt Denkmäler 

Dass viele dieser Überreste nach mehr als 100 Menschengenerationen heute noch zu sehen sind, ist dem Wald zu verdanken. Denn er hat diese Spuren der Geschichte versteckt und vor Erosion und Pflug geschützt. Doch heutzutage bedrohen neue Gefahren diese Zeitzeugen. Dazu zählt beispielsweise die moderne Forsttechnik. Die schweren Maschinen seien zwar mit bodenschonenden Reifen oder Ketten ausgestattet, „letztlich aber fahren sie doch auf dem Waldboden“, erklärte Enders. Um profitabel wirtschaften zu können müssen in kurzer Zeit große Holzmengen geerntet werden. 

„Dass es unter diesem Zeitdruck und bei der Distanz des Fahrers zu Boden und Baum schwierig ist, auch noch nach Denkmälern Ausschau zu halten, die sowieso kaum zu erkennen sind, ist einleuchtend.“ Aber: „Ohne moderne Forsttechnik geht es nicht mehr. Wir brauchen sie, um im Wald wirtschaftlich arbeiten zu können.“ Bewusst zerstören dagegen Schatzsucher Bodendenkmäler, indem sie sie einfach mitnehmen. Materiell seien die Überreste meist wertlos, sagt Enders, doch die Zerstörung sei dafür umso größer. Denn Denkmäler seien vor allem „Wissen-, Geschichts- und Identitätszeugnisse“. 

Trotz dieser Schäden sei aber vor allem Unkenntnis „die Hauptursache für die Gefährdung der Denkmale“, so Enders. Denn heutzutage führen riesige Reviere und die Spezialisierung der Forstarbeit dazu, dass Förster, Arbeiter und Unternehmen immer weniger Ortskenntnis besitzen. Noch weniger Bezug zu den Örtlichkeiten haben meist Jogger, Wanderer und Radler, die nur in ihrer Freizeit den Wald besuchen und in der Regel gar nicht wissen, was da vor ihnen liegt: Ist das ein simpler Erdhügel oder vielleicht doch was ganz anderes? Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

Katharina Knoll

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