Des isch viel Arbeit gwesea"

Nesselwanger Bürgerwerkstatt Kultur dokumentiert alte Flurnamen online

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Bürgermeister Franz Erhart (2.v.r.) freut sich über die Vorstellung im Nesselwanger Rathaus.

Nesselwang – „Die Nesselwanger Bürgerwerkstatt Kultur hat mit der Online-Dokumentation der Flurnamen wieder einen Beitrag zur Weitergabe unseres kulturellen Erbes geleistet“ freut sich Bürgerwerkstatt-Sprecher Roland Miller bei der Vorstellung dieser Ausarbeitung im Nesselwanger Rathaus.

Dort gab es zahlreiche Hintergrundinformation zu dieser Materie. Im Vermessungswesen bezeichnet der Flurname im engeren Sinne eine Gruppe von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken in den Gemarkungen einer Gemeinde. Da der Markt Nesselwang und Schneidbach mit den zugehörigen Ortsteilen bis zur Zusammenlegung 1835 eigenständige Gemeinden waren, gibt es katastertechnisch bis heute diese zwei Gemarkungen. 

Auch auf die geschichtliche Entwicklung und die Bedeutung dieser alten Landschaftsbezeichnungen wurde anlässlich der Vorstellung im Rathaus eingegangen: Flurnamen dienten ursprünglich der Besitzbezeichnung, Differenzierung und Orientierung der einheimischen Bevölkerung des jeweiligen Ortes oder deren nächste Nachbarn.

Dieser Ausschnitt einer alten Karte zeigt frühere Flurnamen auf dem Gebiet der Marktgemeinde.

Sie wurden vorwiegend mündlich – also in der Mundart – gebraucht und konnten als Teil der lebenden Sprache vergessen, geändert oder neu gebildet werden. Da diese Namen unter den überlieferten historischen und sprachlichen Quellen am unmittelbarsten vom Volk stammen, sind sie einzigartige Zeugen für dessen Erfahrungswelt und Geisteshaltung. Flurnamen scheinen im heutigen Sprachgebrauch immer noch auf und dienen nach wie vor der Orientierung in der Gemeindeflur. 

„Im Brand“, „Im Gern“, „Auf der Zillhalde“ oder „Obere Wank“ sind in Nesselwang geläufig. Bei „Egga“, „Bürstling“ oder „Tröglerplatz“ wird es hingegen schon diffiziler. Der renommierte Historiker Dr. Reinhard Bauer hat in dem Beitrag „Frühe Siedlungsgeschichte und Ortsnamen“ im Heimatbuch „Nesselwang – Ein historischer Markt im Allgäu“ Grundsätzliches und Ortsspezifisches zu den Flurnamen ausgeführt. Die geographische Lage der Flurnamen im Gemeindegebiet selbst konnte in diesem Buch bis auf zwei kleine Auszüge aus Flurkarten aber nicht dokumentiert werden.

Anspruchsvolle Arbeit

„Aufgrund der Bedeutung der Flurnamen für die Ortsgeschichte und um deren schleichenden Untergang im Bewusstsein der Bevölkerung etwas entgegen zu wirken, nahm sich die Bürgerwerkstatt Kultur deren örtlicher Dokumentation auf Luftbildern Im Internet an“, erklärte Roland Miller. Josef Köberle und Albert Haug erfassten dabei zunächst alle Flurnamen im gesamten Gemeindegebiet des Marktes in einer Datei. „Des isch viel Arbeit gwesea und ma muss es scho gerea dua“, beschrieb Haug die Mühen dieser Grundlagenermittlung. „Das Auswerten historischer Karten, Recherchen bei älteren Einheimischen und Nachforschungen im Archiv der Bayerischen Vermessungsämter“, führten laut Köberle „zu einem fachlich fundierten Ergebnis“. 

Nun galt es die 325 Flurnamen und deren Örtlichkeit per einzeln fixierter GPS-Koordinaten auf dem Luftbild im Internet sichtbar zu machen. „Die anspruchsvolle internettechnische Umsetzung konnte ebenfalls aus den eigenen Reihen der Bürgerwerkstatt Kultur ehrenamtlich bewerkstelligt werden“, betonte der dabei federführende Dieter Schmidt. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei Robert Frei und Neill Hogarth. 

Bürgermeister Franz Erhart war voll des Lobes für diese neuerliche „Top-Leistung“ der Bürgerwerkstatt Kultur. „Es ist auch dem Markt Nesselwang wichtig, dass das Kulturgut Flurnamen gesichert wurde und somit dauerhaft nutzbar ist“, so Erhart weiter. Die übersichtliche, moderne digitale Präsentation sei sehr gut gelungen, dankte er den Beteiligten. 

Josef Köberle wies darauf hin, „dass es sein kann, dass Einheimische die eine oder andere Grundstücksbezeichnung hier vermissen.“ Die Arbeit der Bürgerwerkstatt nenne möglichst umfassend die belegbaren Flurnamen im gesamten Gemeindegebiet. In jüngerer Zeit wurden aber einzelnen Örtlichkeiten Namen wie beispielsweise „Andreas-Ruh“ zugesprochen. „Deren Aufnahme in diese Dokumentation würde jedoch deren Rahmen sprengen.“

kb

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