Mit Optimismus gegen die Krise

Gelingt es 2010, nach dem Krisenjahr die konjunkturelle Trendwende zu schaffen? Das ist nach Ansicht von Peter Wartusch, Obman der Bezirksstelle Reutte der Wirtschaftskammer Tirol, die entscheidende Frage, wie er am vergangenen Donnerstag bei der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftskammer erklärte. Neben den entsprechenden Voraussetzungen bei Infrastruktur und Bildung sei ein Miteinander aller Verantwortlichen notwendig, um dieses Ziel zu erreichen.

Wartusch plädierte für einen Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern: „Mit Egoismus, Gier und Rücksichtslosigkeit nicht nur bei den Investmentbankern muss Schluss sein. Es ist an der Zeit, dass die soziale Marktwirtschaft sich wieder auf Wirtschaftsethik und die Menschen besinnt, dass Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit wieder vermehrt Einzug in unser Wirtschaftsleben halten". Die Finanzierungsprobleme der Klein- und Mittelbetriebe seien teilweise erheblich, führte er aus. Schlechte Kreditkonditionen lähmen zudem die Investitionsbereitschaft. Wartusch sprach auch vom zukünftigen Fachkräftemangel, qualifizierten Arbeitskräften, die für Wachstum und Wohlstand bedeutsam sind. Dem Potenzial junger Migranten soll in diesem Punkt ein größeres Augenmerk gerichtet werden. Jedoch müssten die von sich aus, aber auch durch Förderung die notwendige Grundlage für eine höhere Qualifizierung schaffen – vor allem durch gute Deutschkenntnisse . Das heutige Bildungssystem, so Wartusch, brauche mehr Freiräume für die außerplanmäßige Förderung von Schülern: „Wir brauchen nicht das teuerste Schulsystem in Europa sondern das beste – im Klartext ein effizientes und erfolgreiches Schulsystem". Ein weiteres Thema war die Verkehrssituation im Bezirk. „Man baut eine Ortsumfahrung (Heiterwang) für sage und schreibe 30 Millionen Euro und wundert sich, dass für eine Südumfahrung Reutte kein Geld mehr vorhanden ist, von der Finanzierung eines Fernpassscheiteltunnels ganz zu schweigen", bemängelte er. Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) rief zu einer „jetzt erst recht-Stimmung" auf und forderte ein Ende der kontraproduktiven Umverteilungsdebatten. „Ich kenne keinen Unternehmer, der in ‘Saus und Braus’ lebt oder der mit seinem Unternehmen sorglos umgeht". Die Politik sei bemüht, Stolpersteine aus dem Weg zu schaffen und fördere heimische Unternehmen mehr denn je. Vorsprung halten „Gehen wir mit Kompetenz, Vertrauen und Verantwortung ins kommende Jahr", rief der Wirtschaftskammerpräsident Dr. Jürgen Bodenseer den Unternehmern zu und fügte hinzu: „Wir sind 2009 recht gut über die Runden gekommen - besser als andere Bundesländer und Nachbarstaaten". Er zeigte sich überzeugt davon, dass dies auch heuer gelingen wird. Der Branchenmix Handel, Industrie, Dienstleistung und darüber „das Sahnehäubchen Tourismus" werde eine positiven Trend bewirken. Nach nunmehr 18 Jahren als Obmann der Bezirksstelle Reutte war es für Peter Wartusch heuer der letzte Neujahrsempfang an verantwortlicher Stelle. Für seine großen Verdienste in diesem Zeitraum verlieh ihm WK-Präsident Dr. Jürgen Bodenseer die Große Silberne Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer Tirol.

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