»Genusstage im Schlosspark« gehen am 2. Oktober in die zweite Runde

Fleisch auf Holzbrett mit Pfeffersauce
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Das Augenmerk auf hochwertige regionale Produkte zu lenken, ist das Ziel der anstehenden „Genusstage im Schlosspark 2020“.

Landkreis – Die Corona-Krise brachte nicht nur den Lockdown für Gastronomen und das Verbot von Veranstaltungen jeglicher Art. Auch die „Genusstage im Schlosspark 2020“ sollten eigentlich im Frühjahr stattfinden. Nun wagt das Team um Regionalmanagerin Jana Betz einen zweiten Anlauf: Vom 2. bis 11. Oktober sollen die „Genusstage“ nun stattfinden.

Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) machte am Dienstag das Projekt im Gasthaus Pfrontener „Engel“ schon einmal schmackhaft.

Die „Genusstage“ sollen insbesondere Einheimische ansprechen und weniger dazu dienen, Touristen in die Restaurants zu locken. Die Reihe soll Bewusstsein und Wertschätzung erzeugen für die Nahrung, die wir zu uns nehmen. Darüber hinaus ist es das Ziel, ein Netzwerk zu schaffen, das es ermöglicht, regionale Produkte in Gastronomiebetrieben und in den Küchen der landkreiseigenen Betriebe zu etablieren.

Die ersten „Genusstage“ fanden im vergangenen Jahr statt. Dabei arbeitete das Landratsamt mit dem Tourismusverband Ostallgäu, der Öko-Modellregion Ostallgäu, „bergaufland Ostallgäu“ und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren (AELF) zusammen. Der Wunsch dahinter war, Erzeuger, Verarbeiter und die Gastronome der Region zu vernetzen. Tatsächlich entstanden bereits erste Lieferbeziehungen, wie Regionalmanagerin Jana Betz berichtete. Insgesamt sei das Fazit für 2019 sehr gut. „Es kann jedoch noch besser werden.“ Idealerweise, so Zinnecker, entstehen langfristige Kooperationen aus dieser Zusammenarbeit.

Heuer starten die „Genusstage 2020“ zwar zu einem späteren Zeitpunkt, dafür aber mit einer Verlängerung auf zehn Tage. 22 Ostallgäuer und Kaufbeurer Gaststätten wollen hochwertige regionale Produkte in die Öffentlichkeit bringen. Transparenz spiele dabei eine große Rolle. So ist auf den Speisekarten zu sehen, von welchem Landwirt oder Verarbeiter aus der Region die Lebensmittel stammen. Die Produkte können so auch privat besorgt und genossen werden. „Seit Corona müssten wir uns alle bewusst sein, was es bedeutet, regionale Produkte zu haben“, sagte die Landrätin. Nicht zuletzt habe die Krise auch gezeigt, welche Probleme die Abhängigkeit vom Import mit sich bringen kann.

Genuss, Verantwortung und Bewusstsein

Zum Genuss gehöre aber auch Verantwortung und Bewusstsein. Viele Teilnehmer setzen auf bio-regionale Erzeugung und Produkte. Severin Schmölz beispielsweise ist Landwirt und einer der neuen Teilnehmer des Projekts. Auf 20 Hektar betreibt er den Bio-Milchviehbetrieb „Zum Härbrar“ in Seeg – seit 2003 als Bioland-Hof und seit diesem Jahr nach Demeter-Richtlinien. Sein Tiere dürfen das ganze Jahr über draußen sein und bekommen nur frisches Gras auf der Weide und im Winter ausschließlich Heu zu fressen. Die Kälber werden von den Müttern oder einer Ammenkuh aufgezogen. Schmölz verzichtet bewusst und aus ethischen Gründen auf Milchpulver oder jegliches Zufutter auf Getreidebasis. Die „Genusstage“ bieten ihm die Möglichkeit, die Direktvermarktung seiner Erzeugnisse zu fördern und außerdem auf Bio-Regionalität aufmerksam zu machen.

Die Mission für unsere  Erlebnisregion ist es, Herzen zu berühren und das Leben zu bereichern.

Robert Frei, Tourismusverband Ostallgäu

Schinken von Schmölz‘ Rindern bietet Daniel Kinast im „Gasthof Engel – Alps Hostel“ bei seinem „Allgäuer Frühstück“ an. Er bemüht sich nach eigenen Angaben, seinen Betrieb mit regionalen und nachhaltigen Produkten zu betreiben. „Frische ist uns enorm wichtig! Frisch zu kochen und das mit Bezug zur Region“, ist sein Bestreben. Dass es nicht einfach sei, regionale Produkte regelmäßig und in ausreichenden Mengen zu beziehen, musste der Gastronom aber rasch feststellen. „Deshalb war ich für die ‚Genusstage‘ Feuer und Flamme.“

Zu einem Frühstück gehört für viele Menschen auch Honig. Simon Nuschele vom „Honigdorf Seeg“ bietet nicht nur das Süße aus der Wabe, in der Erlebnisimkerei kann außerdem der Weg von der Biene bis zum Honig im Glas verfolgt werden. Für die „Genusstage“ wird es spezielle Führungen geben, die die Leistung der Tiere hervorheben und erklären, wie der Honig ins Glas kommt. Gruppen seien ebenfalls immer willkommen. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit, sage ich immer“, schmunzelte der Imker. Einige weitere Höfe und Betriebe werden gleichfalls einen solchen Blick hinter die Kulissen anbieten, um Verbrauchern zu zeigen, wie naturnah und kleinstrukturiert die Produktion der Lebensmittel abläuft und wie viel Arbeit in hochwertiger Ware steckt.

Kleiner Schritt

„Die Genusstage sind auch wichtig, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Dazu gehört, die Landschaft so lebens- und liebenswert zu erhalten wie sie ist“, sagte Dr. Paul Dosch, Leiter des AELF Kaufbeuren. Das Projekt sei ein kleiner Schritt, um ein Bewusstsein zu schaffen. „Wir sind aber nicht ganz am Anfang, sondern schon mitten auf dem Weg“, freute er sich darüber, dass die „Genusstage“ heuer nicht gestrichen wurden. So könne „dem Guten ein Gesicht“gegeben werden. Außerdem zeige sich in der Bevölkerung deutlich der Wunsch nach lokaler Identität. Für die teilnehmenden Gastronomiebetriebe sei der neue Termin unter Umständen sogar von Vorteil, da die Saison etwas verlängert werden kann.

„Im Urlaub sind die Menschen bekanntlich gewillter, mehr auszugeben und den Fokus auf regionale Spezialitäten zu legen“, hofft Robert Frei, Geschäftsführer des Tourismusverband Ostallgäu. Der Verband habe bereits vor drei Jahren das Potenzial der regionalen Produkte erkannt. „Die Mission für unsere Erlebnisregion ist es, Herzen zu berühren und das Leben zu bereichern.“ Da gehöre kulinarischer Genuss dazu.

Egal ob Einheimische oder Gäste, alle Menschen hätten doch ein Bedürfnis nach Freiheit, ergänzte Zinnecker. Dazu gehöre auch, wieder essen gehen zu können und es richtig zu genießen.

Am Freitag, 2. Oktober, starten die „Genusstage“. Bis Sonntag, 11. Oktober, nehmen 28 landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeitungsbetriebe und Gastronomen in Kreis und Stadt Kaufbeuren daran teil. Die Liste aller Landwirte, Verarbeiter und Gasthäuser gibt es unter www.genusserlebnis-schlosspark.de.

sh

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