Mit Offenheit gegen Intoleranz

Ostallgäuer Grüne sprechen über die Akzeptanz von queeren Themen im Allgäu

Daniel Pflügl (oben v.l.), Victoria Broßart, Michael Scharpf, Florian Bodendörfer (unten) und Dr. Doris Hofer tauschen sich über das Thema Queerpolitik aus.
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Daniel Pflügl (oben v.l.), Victoria Broßart, Michael Scharpf, Florian Bodendörfer (unten) und Dr. Doris Hofer tauschen sich online über das Thema Queerpolitik aus.

Landkreis – Über das Thema Queerpolitik haben sich jetzt die Grünen im Ostallgäu bei ihrem „Café Vielfalt“, ihrer Online-Diskussionsrunde, ausgetauscht.

Dazu hatte Daniel Pflügl, Bundestagskandidat für den Wahlkreis 257 Ostallgäu, geladen. Erst kürzlich wurden Initiativen der Grünen und der FDP im Bundestag debattiert, das seit über 40 Jahren geltende Transsexuellengesetz zu reformieren. Denn das ist ihrer Ansicht nach in einigen wichtigen Punkten veraltet und diskriminierend. Ersetzt werden soll es durch ein Selbstbestimmungsgesetz, das innerparteilich schon seit Langem intensiv diskutiert wird, erklärte Victoria Broßart.

Sie setzt sich unter anderem als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft „Queer.Grün.Bayern“ für eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-, Inter- und Queerpersonen ein. Zu ihrem Engagement in diesem Politikfeld gehört für die Bundestagskandidatin aus Rosenheim auch, über ihre eigene Geschichte als Transfrau zu reden und über das Thema aufzuklären: „Statistisch gesehen haben acht von neun Menschen keinen direkten persönlichen Kontakt und kennen sich mit dem Thema überhaupt nicht aus.“

Mit queeren Themen in Kontakt kommen

Dies nennt Florian Bodendörfer vom Verein „Allgäu Pride“ auch eines der Hauptanliegen des Vereins: „Aufmerksamkeit schaffen und den Leuten die Chance geben, mit queeren Themen in Kontakt zu kommen.“ Dabei gehe es nicht darum, gegen tatsächliche oder nur gefühlte Intoleranz anzukämpfen, die im Allgäu auch gar nicht besonders groß sei, so Bodendörfer. „Es gibt auch Leute, die sind einfach intolerant und ablehnend. Ein Großteil der Leute weiß aber einfach nur zu wenig. Wer niemanden persönlich kennt, fühlt sich oft unsicher,“ erklärt er.

Die bisherige Resonanz auf den im vergangenen Jahr gegründeten Verein beschreibt Bodendörfer durchweg positiv. Noch in diesem Jahr soll vor allem bei der „Pride Week“ vom 12. bis 18. September in Kaufbeuren das Vereinsziel aktiv gefördert werden – mit großer Unterstützung aus der Kulturszene und unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters.

Als Michael Scharpf mit dem „Gay Summit Club (GSC) Allgäu“ vor über 25 Jahren begann, das Filmfest für Schwule in Bad Wörishofen zu etablieren, war seinen Angaben nach gesellschaftlich und kulturell zunächst noch eine größere Zurückhaltung zu spüren. Die ersten Filme wurden noch nicht wie das normale Programm öffentlich angekündigt, sondern nur über Flyer und die eigene Website, erinnert sich Scharpf.

Mittlerweile sei das Festival mit schnell ausverkauften Sälen und einem breiten Programm fest etabliert und überregional bekannt. Filmverleihe bieten ihre thematisch passenden Filme für Vorpremieren, der Dreiteiler „A Very English Scandal“ lief sogar exklusiv beim GSC Filmfest im Allgäu.

Weniger Berührungsängste

Das Thema Sichtbarkeit war im GSC ausschlaggebend, die Aktivitäten auch um das Filmfest als öffentliche Kulturveranstaltung zu erweitern: „Die Akzeptanz ist da, weil man uns kennt“, so Scharpf, der auch als Bad Wörishofer Stadtrat und in der Nachbarschaft positive Erfahrungen mit der Offenheit machte.

„Je selbstverständlicher der eigene Umgang ist, desto einfacher wird es für die anderen“, bestätigt auch Dr. Doris Hofer, die 2020 für das Bad Wörishofer Bürgermeisteramt kandidierte. Wirkliche Homophobie sei eher die Ausnahme, wie etwa ein anonymer Hassbrief während ihrer Kandidatur zur Bürgermeisterin.

Für sie sei das Leben im ländlichen Raum sogar ein Vorteil gegenüber der Großstadt, die Vielen noch als Zufluchtsort gilt. Ohne die städtische Subkultur könne man auf dem Land nicht immer nur unter sich bleiben: „Ich finde, da wird gleichgeschlechtliche Lebensweise leichter zur Normalität, wenn es gelingt, sich in das Dorfleben zu integrieren. Ich glaube, da verändert sich auch viel im Moment. Die Akzeptanz steigt, die Berührungsängste werden weniger.“

kb

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