Klinik-Vorstand Ute Sperling über Intensivbetten und Erkenntnisse aus der ersten Welle

Kliniken im Ostallgäu: »Wir sind gut aufgestellt«

Ute Sperling Vorstand Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
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Ute Sperling, Vorstand der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, sieht die Krankenhäuser im Landkreis gut für eine eventuelle zweite Covid19-Welle gerüstet.

Füssen/Landkreis - Steigt die Zahl der Neu-Infektionen wie in den vergangenen beiden Wochen, wird der Landkreis an diesem Wochenende voraussichtlich die Inzidenz von 100 Infektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen erreichen. Damit rücken auch die Kliniken im Kreis und der Stadt Kaufbeuren wieder in den Blickpunkt. Diese sind gut auf die aktuelle Situation vorbereitet, wie Klinik-Vorstand Ute Sperling im Interview mit dem Kreisboten erklärt.  

Frau Sperling, die Zahl der positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen im Ostallgäu steigt beständig an. Wie stellt sich die Situation aus Sicht der Kliniken dar?

Sperling: „Die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren mit ihren drei Standorten Kaufbeuren, Füssen und Buchloe sind bestens eingerichtet und ausgestattet für eine eventuelle zweite Covid-Welle. Bereits in der ersten Phase der Corona-Pandemie zeigte sich unsere Leistungsstärke. Innerhalb weniger Tage und Stunden wurden Stationen zu Isolationsstationen umgebaut, Schutzausrüstung besorgt, Testkapazitäten sichergestellt und vieles mehr. Das Engagement und der Einsatz aller Mitarbeiter der Kliniken waren absolut außergewöhnlich. Sicher weiß aktuell noch keiner, was genau auf uns zukommt, wir sehen nur die konstant steigenden Infektionszahlen. Vergleicht man jedoch die aktuelle Situation mit der ersten Welle Anfang des Jahres, so sind wir organisatorisch, medizinisch, personell und auch mit allen Strukturen so aufgestellt, so dass wir auf diese potentielle Patientenwelle gut gerüstet sind. Mit unseren drei Häusern waren wir während der ersten Welle in der gesamten Region Allgäu am stärksten betroffen, sowohl auf den Isolationsstationen, bei den ambulanten Patienten als auch bei der Versorgung auf den Intensivstationen. In dieser für uns alle neuen Situation wurden verschiedene Prozesse im Haus noch weiter optimiert. So wurden zusätzliche Materialien beschafft, eine Vielzahl von weiteren Investitionen getätigt, um auch in der zweiten, potentiellen Welle bestens gerüstet zu sein.“

Wie viele Corona-Patienten werden derzeit in den Kliniken des Verbundes betreut?

Sperling: „Im Verbund werden aktuell zwei Patienten stationär am Standort Kaufbeuren versorgt, diese sind auf der extra eingerichteten Isolationsstation untergebracht. Durch diese speziellen Isolationsstationen werden alle isolationspflichtigen oder eventuell infektiösen Patienten von den nicht infektiösen Patienten von Anfang an getrennt versorgt und die Gefahren absolut minimiert. Durch diese Vorgehensweise werden Patienten, die nicht von Covid, Influenza oder sonstigen Infektionen betroffen sind, bestens getrennt und separat behandelt. Das betrifft selbstverständlich auch alle kritischen Bereiche wie OP, Kreißsaal, Notaufnahme und vieles mehr, so dass von Anfang an separiert wird und die Versorgung aller Patienten bestens ermöglicht wird.“

Wie gut sind die Kliniken im Ostallgäu und Kaufbeuren auf möglicherweise wieder deutlich mehr Corona-Patienten vorbereitet?

Sperling: „Wir haben an den Standorten über 30 reguläre Intensivkapazitäten und können diese innerhalb von wenigen Stunden auf über 50 Intensivkapazitäten hochfahren. Jedoch hoffen wir, dass die Entwicklung dieser Pandemie nicht so eintrifft, wie aktuell zu befürchten ist. Werden die Befürchtungen tatsächlich eintreten, sind wir entsprechend vorbereitet. Dies dank des Einsatzes und Engagement aller unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Wie viele Intensivbetten stehen dem Klinik-Verbund zur Verfügung?

Sperling: „Wir haben in Buchloe sechs Intensivbetten, die erweitert werden können auf zehn Intensivbetten, die auch schon zur Verfügung stehen. Am Standort Kaufbeuren haben wir 20 Intensivplätze, die nochmals erweitert werden können bis auf über 30 Intensivbetten. Und am Standort Füssen haben wir ebenfalls sechs Intensivbetten, die ebenfalls innerhalb von wenigen Minuten erweitert werden können auf zehn Intensivbetten bis hin zu 12 Intensivplätzen. Insgesamt können wir über 50 reguläre Intensivbetten aufstellen, zuzüglich weiterer Kapazitäten, falls die schlimmsten vorstellbaren Befürchtungen zutreffen.“

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der ersten Welle im Frühjahr gezogen?

Sperling: „Die Erkenntnisse der ersten Welle sind überwiegend im Bereich der Organisation, Beschaffung und Kommunikation zu sehen. Gerade in der Abwicklung haben wir viele Erfahrungen sammeln können oder sammeln müssen: die Erfassung der Patienten, die Meldung an und Rückmeldung von den Gesundheitsämtern, die Ermittlung von Kontaktpersonen und ähnliches mehr. Daneben haben wir natürlich auch noch Kommunikationsverbesserungen erkannt. So haben wir Videokonferenzen eingeführt, tägliche Covid-Sitzungen und Besprechungen mit den Chefärzten aller drei Häuser durchgeführt, um uns ständig untereinander abzustimmen. Doch wir hatten auch viele kritische Erlebnisse, gerade in der Zeit wo die Schutzausrüstung zum absoluten Engpass wurde. Da gab es plötzlich Engpässe in Bereichen, die wir uns nicht vorstellen konnten. Auch sind die Preise von Schutzausrüstungen explodiert und die benötigten Mengen waren nicht mehr verfügbar.“

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Infektionszahlen im Ostallgäu?

Sperling: „Die weitere Entwicklung der Infektionszahlen im Ostallgäu sehe ich zweigeteilt. Zum einen haben wir sicherlich zum jetzigen Zeitpunkt und auch zukünftig wesentlich mehr Testverfahren und wesentlich mehr Testmöglichkeiten, so dass eine Vielzahl von Personen unabhängig von dem eigentlichen Krankheitsgeschehen getestet werden kann. Parallel ist auch erkennbar, dass die Bevölkerung sich in ihrem Verhalten in zwei Richtungen geändert hat. Ein Teil der Bevölkerung ist wesentlich vorsichtiger geworden, er hält sich sehr streng an die Vorgaben. Auf der anderen Seite gibt es einen Teil in der Bevölkerung, der meines Erachtens die Thematik der Covid-Erkrankung unterschätzt und die Vorgaben immer wieder ignoriert. Da gibt es Situationen, wo die Abstände nicht eingehalten werden, wo erkennbar kein Mund-Nasen-Schutz oder dieser nicht richtig getragen wird. Insgesamt stehen die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren gut da und wir sind sowohl aus Sicht der Pandemie als auch aus der Versorgung der Bevölkerung gut aufgestellt. Wir behandeln sehr viele Patienten, die unabhängig von Corona dringend einer Versorgung bedürfen. Insbesondere ist erkennbar, dass Patienten, die aus Angst vor einer Ansteckung nicht oder nicht rechtzeitig zu uns kamen, nun Gefahr laufen, einen langwierigen Krankheitsverlauf zu haben. Dahingehend sprechen wir dringend die Empfehlung aus, dass Patienten außerhalb dieser klassischen Covid-Thematik auf jeden Fall rechtzeitig zu uns ins Krankenhaus kommen sollen, um sich behandeln zu lassen.

Matthias Matz

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