Kämmerer zur Eröffnung: "Das steht in den Sternen"

Kein Pächter und kein Bademeister: Das Füssener Mitterseebad bleibt geschlossen

+
Eigentlich sollte der baufällige Toilettentrakt abgerissen und an anderer Stelle neu gebaut werden. Doch mittlerweile herrscht Baustopp im Mitterseebad.

Füssen – Eine Öffnung und Betrieb des Mitterseebades in diesem Sommer wird immer unwahrscheinlicher. „Eine Eröffnung steht in den Sternen“, sagte Kämmerer Marcus Eckert am Dienstag im Stadtrat.

Der Grund: Zwei potenzielle Pächter haben einen Rückzieher gemacht bzw. das Angebot der Stadt abgelehnt. Ohne Pächter gibt es aber auch keinen Bademeister – und ohne Aufsicht darf im Mitterseebad nicht gebadet werden. 

Mit der Bekanntgabe von Dienstag erlebt die Posse um die historische Badeanstalt ihren vorläufigen Höhepunkt. Denn eigentlich sollte das alte und zum Teil marode Naturfreibad längst saniert und für den Badebetrieb geöffnet sein. Nachdem es aber immer wieder zu Verzögerungen der Arbeiten kam und im Frühjahr auch noch überraschend das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) auf den Plan trat, herrscht nun Stillstand (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Denn bevor die Stadt an den Gebäuden Arbeiten vornehmen darf – unter anderem ist ein Abriss und Neubau des statisch unsicheren Toilettentrakts und eine spätere Erweiterung des Gastronomiebereichs vorgesehen – muss zunächst das LfD das Bad auf seine Schutzwürdigkeit hin untersuchen. Das ist bislang aber noch nicht geschehen. Noch nicht einmal einen Termin für eine Besichtigung gebe es bislang. „Wir dürfen jetzt nichts mehr dort tun“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) gegenüber dem Kreisbote die Situation. 

„Dieses Jahr wird es keine Umbaumaßnahmen mehr geben. Das wurde ausgebremst.“ 

Große Verantwortung

Auch diese Unsicherheit, wie es mit dem Bad überhaupt in Zukunft weitergeht, habe einen Pächter – mit dem sich die Stadt eigentlich schon einig gewesen sein soll – bewogen seine Bewerbung wieder zurück zu ziehen, erklärte Iacob weiter. „Der Betrieb muss schließlich auch wirtschaftlich arbeiten.“ 

Hauptgrund für den Rückzieher des neuen Pächters seien aber vor allem die Risiken gewesen, die mit dem Betrieb des Bades einhergehen. Denn er ist nicht nur verpflichtet, einen Bademeister zu stellen. Ihm unterliegt als Betreiber auch die haftungsrechtliche Verantwortung. Entsprechende Richtlinien bezüglich dieser Verantwortung wurden 2015 zulasten der Bad-Betreiber verschärft. Dazu gehörte unter anderem eine Beweislastumkehr im Fall von Badeunfällen. Diese wurde vom Bundesgerichtshof in einem Urteil vom November 2017 bestätigt. „Das verunsichert natürlich ungemein“, so Iacob. 

Nachdem die Verwaltung von der Absage offenbar kalt erwischt wurde, suchte sie daraufhin das Gespräch mit einem weiteren Bewerber aus der Pachtausschreibung im Frühjahr. Doch diesem sei die Sache zu kurzfristig gewesen, erläuterte der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Solange es aber keinen Bademeister gibt, sehe er derzeit keine Möglichkeit mehr, dass das Bad in diesem Sommer öffnen werde. „Offiziell wird das Bad nicht geöffnet!“ Denn auch die Stadt könne es nicht leisten einen Bademeister zu stellen. 

Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte der Rückgriff auf ein altes Konzept von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) weisen. Dieses sieht vor, die Einbauten im Wasser zu entfernen und die Liegewiese für jedermann ohne Eintrittsgeld zugänglich zu machen. Einen freien Zugang zum See sieht die bayerische Verfassung ohnehin vor. Durch diesen Kniff würde aus der Naturfreibad eine Badestelle, für die es keinen Bademeister brauche. Zunächst muss laut Iacob aber die Untersuchung durch das LfD abgewartet werden. Über diese müsse dann wiederum der Stadtrat beraten und entscheiden.

mm

Auch interessant

Meistgelesen

Fahrer entleert bei Füssen Bustoilette auf die Straße
Fahrer entleert bei Füssen Bustoilette auf die Straße
Bedenkliche Entwicklung in der Füssener Innenstadt
Bedenkliche Entwicklung in der Füssener Innenstadt
Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen
Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen
Burg Schwanstein: Der fauchende Schwan
Burg Schwanstein: Der fauchende Schwan

Kommentare