Abschied mit ein bisschen Wehmut

Füssener Ex-Bürgermeister Paul Iacob im Rückblick: "Es ist gut gelaufen"

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Gewohnt diskussionsfreudig: Füssens Ex-Bürgermeister Paul Iacob (SPD) im Gespräch mit dem Kreisbote.

Füssen – Der Einstand verlief zwar holprig und unter denkbar schlechten Vorzeichen, nach 12 Jahren als Bürgermeister der Stadt Füssen hat sich Paul Iacob unterm Strich aber nicht viel vorzuwerfen. „Es ist gut gelaufen“, blickt er im Gespräch mit dem Kreisbote zufrieden auf seine Amtszeit zurück.

In diesen 12 Jahren sei viel für die Stadt Füssen bewegt worden. „Das Image von Füssen ist gut!“, ist der ehemalige Rathauschef überzeugt. 

Begonnen hat alles am 16. März 2008. In der Stichwahl setzte sich Iacob, damals bereits seit 24 Jahren für die Füssener SPD als Stadtrat tätig, gegen Amtsinhaber Christian Gangl (CSU, FBB) mit deutlichem Vorsprung durch. „Es gab nach sechs Jahren Christian Gangl ein gewisses Rumoren, denn es ging nichts wirklich vorwärts“, erklärt Iacob, warum er sich damals dazu bereit erklärte, für die Sozialdemokraten gegen den Christsozialen anzutreten. 

Doch so überzeugend sein Sieg in der Stichwahl, so schwierig war sein Start ins neue Amt. Weil die Stadtratswahl für ungültig erklärt worden war, stand der neue Bürgermeister zunächst allein auf weiter Flur. „Ich war drei Monate ohne Stadtrat – und das gleich am Anfang ist natürlich eine ungeheure Belastung!“ 

Vor allem, da sofort heikle Entscheidungen mit enormer Tragweite anstanden. So musste Iacob als eine seiner ersten Amtshandlungen ohne Rückendeckung über die Zukunft des Hallenbad-Geländes entscheiden – und verkaufte das Areal. 

Außerdem stellte sich die Frage, was mit seinem Amtsvorgänger Gangl geschehen solle. Denn dieser hatte als ehemaliger Kämmerer zwar einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung im Rathaus, hatte aber als Bürgermeister das Amt des Kämmerers an jemand anderen abgeben müssen. Iacob handelte pragmatisch und machte Gangl kurzerhand zum Beauftragten für Fördermittel. Gangl verließ die Lechstadt bald darauf in Richtung Sindlfingen. 

Schlechte Rahmenbedingungen

Überhaupt waren die Rahmenbedingungen 2008 ungleich schwieriger als bei seiner Wiederwahl sechs Jahre später, erinnert er sich. Die Stadt stand vor gewaltigen finanziellen Problemen, das Stadtsäckel war leer. „Wir mussten sparen, sparen, sparen und konnten viele Ersatzeinstellungen nicht machen“, erinnert sich Iacob an seine ersten Monate im Amt. 

Mittlerweile steht die Stadt ungleich besser dar als zu Iacobs Amtsantritt. „Wobei wir die glückliche Situation hatten, dass die Konjunktur angezogen hat“, wie er freimütig zugibt. Auch die Zinsentwicklung habe ihm zweifelsohne in die Karten gespielt. „Das war eine tolle Sache!“ Mit der positiven finanziellen Entwicklung einher ging ein starker Anstieg der Füssener Bevölkerung. „Wir haben bei knapp 14.000 angefangen, jetzt sind wir bei knapp 16.000“, bilanziert der ehemalige Rathauschef. 

Die finanzielle Entwicklung ermöglichte es Iacob in den Folgejahren, seine politischen Ziele durchzusetzen. Besonders stolz sei er darauf, mit der neuen Sportanlage im Weidach etwas für die Jugend getan zu haben. 

Viel für die Jugend getan

Als weitere Erfolge verbucht er für seine Amtszeit die Schaffung neuer Wohnungen und sozialen Wohnraums, den AWO-Kinderhort, den Bau der Wertachtal-Werkstätten in 2013, den Umbau des städtischen Museums für die Landesausstellung 2010 oder der Ausbau der Städtepartnerschaft mit Cremona. „Die Kulturarbeit musste deutlich angestoßen werden“, erinnert sich der Sozialdemokrat. „Worauf ich auch stolz bin, ist, dass wir heute mehr Grundbesitz für künftige Wohngebiete haben denn je!“ 

Dazu komme, dass in seiner Amtszeit noch Ausbau und Sanierung der Grund- und Mittelschule angestoßen wurde. „Mein Vater war Schulrat und hat die Schule gebaut. Von mir wird sie jetzt ausgebaut.“ 

Sorge um Festspielhaus

War in 12 Jahren Bürgermeister Paul Iacob also alles eitel Sonnenschein in der Lechstadt? Mitnichten. „Was ich gerne noch abgeschlossen hätte, ist der Bebauungsplan für ein Hotel am Festspielhaus“, erzählt er. Er halte ein Hotel nach wie vor „für unabdingbar“ für einen langfristigen Erhalt des Veranstaltungshauses am Forggensee. „Ich würde es begrüßen, wenn ein neues Vorhaben für ein Hotel am Festspielhaus in die Wege geleitet würde“, betont Iacob. 

Dass er die Umgestaltung des Magnusplatzes nicht mehr geschafft hat, wurmt ihn ebenfalls. „Beim Magnusplatz bedauere ich es zutiefst, dass die Platzgestaltung nicht mehr gelungen ist!“ 

Persönlich betroffen gemacht hat ihn in den 12 Jahren vor allem der Tod zweier langjähriger Mitarbeiterinnen jeweils kurz nach ihrer Pensionierung („Das tat weh!“) sowie der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft verschiedene unsachliche Behauptungen und falsche Unterstellungen gegen ihn strafrechtlich nicht verfolgt habe. 

Geärgert habe ihn auch „,manche Respektlosigkeit im Stadtrat“. „Es gab Situationen durch ein oder zwei Stadträte, da hätten Höflichkeit und Respekt vor dem Menschen eigentlich eine andere Wortwahl verdient“, kritisiert er. In der großen Mehrheit sei das Stadtparlament aber in all den Jahren ein „konstruktives Gremium“ gewesen. Gut getan habe auch der Zuspruch zahlreicher Bürgermeisterkollegen und Bürger. 

Familiärer Rückhalt

Dennoch habe das Amt ihn verändert. „Ich bin deutlich strenger geworden mit mir selbst und mit anderen.“ Da ein Bürgermeister immer unter einer gewissen Beobachtung stehe, habe er auch seine frühere Unbeschwertheit und Kreativität verloren. Umso wichtiger sei es, eine intakte Familie hinter sich zu wissen. „Als Bürgermeister wollte ich kein Solist sein“, erklärt er. Denn irgendwann kommen immer die Kritiker hervor. „Das musst du verarbeiten können.“ 

Familiärer Rückhalt sei dabei enorm hilfreich. „Ohne wäre es viel, viel schwerer geworden!“ Zwar gibt Iacob unumwunden zu, dass er wohl noch einmal kandidiert hätte, hätte er gedurft. 

Gleichwohl sei der jetzige Zeitpunkt nicht der schlechteste zum Aufhören. Denn durch die Coronakrise habe er zuletzt ohnehin nur noch eingeschränkt arbeiten können. „Ich sause also nicht von 180 auf Null herunter“, erklärt er. „Das macht es mir leichter.“ Jetzt freue er sich auf seine zusätzliche Freizeit, seine Familie und seine Hobbys. 

Engagieren möchte er sich aber weiterhin: als Präsident des Vereins „Via Claudia Augusta“, als Vorsitzender der vhs füssen, der Musikschule und natürlich in seinen Schulprojekten im Senegal und Gambia.

Matthias Matz

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