»Wir lassen die Kirche im Dorf« 

Vor 15 Jahren schlossen sich die Füssener Katholiken zur Pfarreigemeinschaft zusammen

Füssener Mesner Max Fischer
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Mesner Max Fischer vor dem Eingangstor zur Pfarrkirche St. Peter und Paul. Wie die Hopfener 2006 in die Pfarreiengemeinschaft Füssen „von oben“ integriert worden sind, hat der heute 72-Jährige miterlebt.
  • vonChris Friedrich
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Füssen – Die Pfarreiengemeinschaft Füssen zeichnet sich im 15. Jahr ihres Bestehens durch ein konstruktives Miteinander aus. Aus den Teilen Füssen St. Mang, „Zu den Acht Seligkeiten“ in Füssen West, St. Walburga Weißensee und ab 2006 St. Peter und Paul in Hopfen ist eine lebendige Gemeinschaft geworden, die geprägt wird durch den Dienst unterschiedlicher Priester und darüber hinaus die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Kräfte.

Die Bildung der Gemeinschaft hatte schon 2004 begonnen. Zwei Jahre danach wurde schließlich Hopfen als vierte Pfarrei integriert. Dass mittlerweile die stimmgewaltige Miriam Rosendahl-Englisch und ihre Tochter Michaela als Gesangsduo sonntags beim Gottesdienst in St. Peter und Paul zur Orgelbegleitung mitwirken, wäre noch 2005 dort ein berührender Gastauftritt gewesen.

Im 15. Jahr der Pfarreiengemeinschaft Füssen gibt es ein inspirierendes Miteinander der Gläubigen in den früher vier selbstständigen Pfarreien. Das Jubiläum gilt jedoch als zu klein für ein Fest. Es ist also nicht Corona, das die Gläubigen zum Verzicht auf eine größere Versammlung zwingt. In zehn Jahren soll allerdings groß gefeiert werden, kündigte Stadtpfarrer Andreas Deuring gegenüber dem Kreisboten an. „Wir feiern dann, wenn 25 gemeinsame Jahre der Anlass dazu sind.“

Der frühere Stadtpfarrer Karlheinz Knebel – 2017 früh verstorben – und Pater Michael Hubatsch aus dem Franziskanerkloster waren Ende des Jahres 2006 nach Hopfen gekommen, um gemeinsam den Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul zu zelebrieren. Mesner Max Fischer erinnert sich gut, was in diesem Rahmen geschah: „Monsignore Knebel stellte sich als unser neuer Pfarrer vor.“ Hopfen wurde als vierte Pfarrei in die noch junge Füssener Gemeinschaft eingegliedert– wie es von Augsburg bereits lange vorgesehen war. Denn die Diözese hatte vor über 20 Jahren einen neuen Kurs eingeschlagen, mit dem Ziel, Gemeinden nicht ausbluten zu lassen. Der Zahl der regelmäßigen Kirchenbesuche ging zurück und es herrschte ein Priestermangel. So wurde nach Möglichkeiten gesucht, durch die Bildung von Pfarrgemeinschaftne die einzelnen Gemeinden in ein Ganzes einzubinden.

Der Vollzug einer Entscheidung „von oben“ brachte der Diözese zunächst jedoch kein Lob seitens der selbstbewussten Dorfbewohner ein. „Es war durchgedrückt worden“, erinnert sich Fischer, der seit 1975 als Kirchendiener im Einsatz war. Mit Ehefrau Resi, die ihn offiziell im Kirchendienst unterstützt, erlebte Fischer aber, dass es „gut läuft“. Vieles habe sich in Hopfen gar nicht geändert, meinen Einheimische nach ihrem Besuch von St. Peter und Paul am Sonntag. Solche Aussagen von gläubigen Christen bestätigen, was Deuring – auf dem als Knebels Nachfolger die Hauptlast der vielfältigen Organisationsaufgaben liegt –, als einen Leitsatz formuliert: „Wir lassen die Kirche im Dorf.“

Anders als sie es gewohnt waren, hatten die Hopfener vor 15 Jahren plötzlich keinen eigenen Pfarrer mehr. Die Gründung der Pfarreiengemeinschaft Füssen führte dazu, dass jetzt unterschiedliche Priester für Abwechslung im kirchlichen Leben sorgten. „Das sehe ich als Vorteil“, so Deuring, der auch selbst nach Hopfen kommt und seinen neuen Kaplan Joshi Sebastian für Dienste in St. Peter und Paul einteilt.

»Große Herausforderung«

„Die Koordination von vier Pfarreien mit ihren jeweiligen Eigenheiten und den unterschiedlichen Gremien stellt eine große Herausforderung dar“, weiß der Stadtpfarrer. Er selbst kam 2008 nach Füssen. Das war eine Zeit, als sich auch in den zuvor zusammengeschlossenen Pfarreien St. Mang in Füssen, „Zu den Acht Seligkeiten” in Füssen-West und St. Walburga Weißensee für die Gläubigen vieles änderte. Oft sind es von außen betrachtet eher Kleinigkeiten, die aber einem einzelnen Teil der Gemeinschaft besonders wichtig erscheinen. So bedauert das Mesnerehepaar Fischer mit Blick auf den Monat Mai: „Die Maiandachten bei uns waren immer beliebt und daher sehr gut besucht. Es gibt nur noch eine einzige, zu der wir einladen können.“

Lebendiges Gebilde

Die Pfarreiengemeinschaft konnte bei ihrer Gründung vor 15 Jahren durchaus als Notlösung angesehen werden. Längst aber ist sie heute ein mit viel Leben gefördertes Gebilde. Das entwickelte Logo der Pfarreiengemeinschaft Füssen will dieses Miteinander unter einem Dach symbolisieren. Aus mehreren Blättern wurde der Pfarrbrief „Katholisch in Füssen“, der über die Gottesdienst sowie Veranstaltungen informiert. „In unserer Gemeinschaft wirken viele Leute ehrenamtlich mit. Sie identifizieren sich mit ihr“, freut sich Deuring Als herausragendes Beispiel führt er die Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung an. „Unsere Mitarbeiterinnen und ehrenamtlichen Kräfte haben viele Idee. Das ist für alle in der Gemeinschaft ein großer Gewinn.“ Zudem weist er auf diesen Punkt hin: „Die Jahresplanung erfolgt gemeinsam mit den Vereinen.

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