Amtsgericht Kaufbeuren entscheidet: Pfarrer i. R. Drosihn muss Strafzettel zahlen

"Da war kein Schild!"

Pfarrer i. R. Horst Drosihn aus Lechbruck vor dem Amtsgericht Kaufbeuren. Das Gericht entschied nun, dass Drosihn einen Strafzettel bezahlen muss. Doch er will nicht. Archiv

Kaufbeuren/Lechbruck – Ein Gerichtsstreit um 15 Euro – für Horst Drosihn, Pfarrer i.R. in Lechbruck, ist das keine Farce, sondern Ernst. Der rüstige 77-Jährige hatte im Mai 2014 einen Strafzettel am Füssener Theresienhof bekommen.

Ein Schild hatte er dort allerdings nicht gesehen. Dass er trotz eines Vollstreckungsbescheid nicht zahlen wollte, machte Schlagzeilen. Nun wurde der Fall am Donnerstag vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verhandelt. Der Gerichtsentscheid: Drosihn soll zahlen. Doch das will er nicht auf sich sitzen lassen. „Ich werde Rechtsbeschwerde einlegen“, kündigte Drosihn gleich nach der Verhandlung an – auch wenn für ihn schon jetzt auf die strittigen 15 Euro noch die aktuellen Gerichtskosten von cirka 75 Euro draufkommen. 

Denn dem Pfarrer geht es nicht um die 15 Euro, nicht ums Geld, sondern um die „Wahrheit“, wie er sagt. „Da war kein Schild“, so sein Hauptargument. Die Vorgeschichte: Im Mai 2014 wollte Horst Drosihn mit seiner Ehefrau in der Füssener Innenstadt einkaufen. Wegen Bauarbeiten seien die Parkmöglichkeiten an der Theresienstraße zu diesem Zeitpunkt sowieso recht unübersichtlich gewesen, erklärte er am vergangenen Donnerstag vor Gericht. 

Als er, von Richtung Hauptstraße kommend, einen freien Platz fand, sei er der festen Überzeugung gewesen, „dass man dort stehen darf“, denn es habe dort kein ersichtliches Parkverbot gegeben. Auch andere Autofahrer hätten an der Stelle geparkt. 

Als er allerdings vom Einkaufen an sein Fahrzeug zurückkehrte, fand der Lechbrucker prompt einen Strafzettel vor – den er nicht bezahlen wollte. Sogar als die Stadt Füssen per Vollstreckungsbescheid versuchte, den widerspenstigen Betroffenen zur Zahlung zu bewegen (der Kreisbote berichteten), ließ er sich nicht beirren. 

Den Bescheid hat die Stadt Füssen mittlerweile zurückgezogen, Klärung sollte nun die Verhandlung in Kaufbeuren bringen. Nach umfangreicher Erörterung der Gegebenheiten vor Ort sowie der Befragung von Drosihns Ehefrau und des Mitarbeiters der Verkehrsüberwachung, der den Strafzettel damals ausgestellt hatte, gab der Kaufbeurer Richter zwar zu, dass die Beschilderung der betreffenden Stelle am Theresienhof im Mai 2014 „wirklich ein wenig exotisch“ gewesen sei. 

Dies ändere aber nichts daran, dass Pfarrer Drosihn mitten in einer sogenannten „Halteverbotszone“ geparkt habe. Für eine solche reiche nämlich, im Gegensatz zum „Halteverbot“, ein Hinweisschild am Zonenbeginn aus. „Ob an der Stelle, an der Sie geparkt haben, ein gesondertes Schild war, oder nicht, spielt deshalb gar keine Rolle, weil Sie sich innerhalb der Halteverbotszone befunden haben“, versuchte der Richter Drosihn nahe zu bringen. 

Kein Kuhhandel 

Dieser blieb selbstbewusst bei seiner Meinung: „Die Stadt Füssen hat nachträglich ein zusätzliches Schild an der Wand angebracht – das zeigt doch schon, dass die Situation vorher irreführend war“. Und: „Ich sollte nach einem Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter statt der 15 Euro zehn Euro zahlen. Aber entweder habe ich Schuld – oder eben nicht. Einen Kuhhandel gibt es da für mich nicht“. Dies wollte wiederum das Gericht nicht gelten lassen: „Das neue Schild macht die Sache für die Autofahrer klarer, war aber grundsätzlich nicht notwendig“, so der Richter. 

Umso mehr, als die Halteverbotszone laut dem bestürzten Zeugen der Verkehrsüberwachung „seit bestimmt 20 Jahren an dieser Stelle besteht“. Drosihn indes glaubt weiter an sein Recht. Er hat nun einen Monat Zeit, Rechtsmittelbeschwerde einzulegen. „Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern auch für andere Autofahrer“, ist er sich sicher. Und: „Wenn die Stadt Füssen jetzt ein zusätzliches Schild angebracht hat, habe ich ja schon was erreicht“.

Michaele Frisch

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