Knöllchenaffäre: Lechbrucker Pfarrer will für die Wahrheit notfalls ins Gefängnis gehen

Pfarrer droht Gefängnis

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Stand bereits schon einmal vor Gericht: Pfarrer Horst Rosihn aus Lechbruck wurde 2013 wegen Ladendiebstahls angeklagt.

Lechbruck/Füssen – Eigentlich wollte Horst Drosihn (77) mit seiner Frau in dem Füssener Kaufhaus nur ein Dankeschön-Geschenk für eine Bekannte kaufen.

Als der Pfarrer im Ruhestand und seine Frau jedoch zu ihrem Wagen zurückkommen, klemmt ein Knöllchen an der Windschutzscheibe ihres Wagens: 15 Euro für Falschparken. Der Lechbrucker soll ein Parkverbotsschild übersehen haben. 

Bis heute schwört Drosihn, dass es zu diesem Zeitpunkt keines gab. Fotos hat er damals nicht gemacht, die einzige Zeugin ist seine Ehefrau. „Ich bin dann sofort zur Verkehrsüberwachung gefahren“, erklärt Drosihn, „und habe dort vorgesprochen.“ Die Beamten seien gar nicht „lustig gewesen“. Aber der Pfarrer aus Lechbruck lässt nicht locker. Nach dem Motto „Wahrheit bleibt Wahrheit“ diskutiert er munter mit dem Chef der Behörde. Auch als der ihm anbietet, das Bußgeld auf zehn Euro herunterzusetzen, willigt Drosihn nicht ein. „Ich werde doch nicht das Handeln anfangen“, sagt er.

 Wochen später bekommt der Geistliche eine Mahnung. 43 Euro soll er nun zahlen. Mit der nächsten Mahnung werden daraus schon 73 Euro. Zudem flattert auch noch ein Brief des Gerichtsvollziehers ins Haus. Dort ist von Pfändung die Rede. „Wenn ich nicht zahle, droht man mir mit Beugehaft“, sagt der 77-Jährige. Aber Drosihn fürchtet sich nicht. Es hört sich fast heroisch an, wenn er sagt: „Ich gehe in Haft, weil ich einer bin, der für die Wahrheit kämpft.“ Notfalls kämpfe er auch bis zum Umfallen. Und: „Als Pfarrer sehe ich es als meine Aufgabe an, auf solche Dinge hinzuweisen, damit sie anderen nicht auch passieren.“ 

Ungünstig für Drosihn ist die Tatsache, dass er bei der Justiz kein Unbekannter ist. Ende 2013 stand er wegen Ladendiebstahls vor dem Amtsgericht Kaufbeuren. Der Fall ging durch die Zeitungen. Ein Ladendetektiv will ihn dabei beobachtet haben, wie er im V-Markt eine Packung Batterien in die Hosentasche gesteckt habe. Laut Detektiv habe der vermeintliche Dieb nicht nach rechts und links geschaut. Drosihn wird vom Gericht allerdings freigesprochen.

 Heute sagt er dazu: „Das passiert anderen Leuten auch einmal.“ Er habe die Batterien in der Tasche vergessen. Aber die Vergangenheit ruht. Jetzt dreht sich alles um ein Verkehrsschild. Wann es vor Gericht geht, ist noch unklar. Und ob es dann auch wieder „in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten“ heißen wird auch.

Maria Gerhard

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