Gastgeber atmen auf

Touristiker verzeichnen an Pfingsten eine gute Auslastung

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Während der Pfingstferien war die Füssener Fußgängerzone wieder gut besucht. Über volle Häuser konnten sich aber nicht alle Gastgeber in der Region freuen.

Landkreis/Füssen – Mit Lockerung der Covid-19-Beschränkungen zog es in den Pfingstferien viele Touristen und Tagesgäste in das Ostallgäu. Die Tourist Informationen in Füssen, Schwangau, Pfronten und Nesselwang hatten kaum noch freie Kapazitäten. Dennoch profitierten nicht alle Gastgeber davon.

Trotzdem liegt Füssen derzeit quantitativ deutlich unter dem Vorjahr, weshalb es den Gastgebern bisher nicht gelungen sei, die Umsatzeinbußen aufzuholen, erklärte Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier gegenüber demKreisbote

Nachdem die Grenzen zu beliebten Urlaubsländern wie Spanien auch zu Beginn der Pfingstferien geschlossen blieben, nutzen vor allem Familien die Wiederöffnung der bayerischen Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze und machten im südlichen Ostallgäu Urlaub – auch wenn sie sich aufgrund der Corona-Pandemie auf Einschränkungen einstellen mussten. 

Unter diesen litten vor allem die Wellness-Hotels. „Hier waren die Buchungen zunächst vielversprechend, doch nach der Ankündigung, dass die Wellnessbereiche geschlossen bleiben, kamen die Stornierungen“, so Fredlmeier. „Das Regenwetter an mehreren Feiertagen verschärfte den Stornierungsdruck.“ Gut gebucht waren dagegen Ferienwohnungen, Hotels, Bauernhöfe und Gasthöfe, die nicht ausgewiesene Wellness-Spezialisten sind und ihre Leistungen damit fast uneingeschränkt anbieten konnten. Auch Schwangau hatte während des verlängerten Fronleichnam-Wochenende kaum noch freie Kapazitäten. Pfronten vermeldete ebenfalls viele Anfragen. „Camping Hopfensee war sehr gut gebucht – nicht zuletzt durch seine hohe Stammgäste-Quote“, fügte Fredlmeier hinzu. Dagegen verkauften sich Wohnmobilstellplätze aufgrund der geschlossenen Sanitärräume eher durchschnittlich. 

Wesentlich weniger ausgelastet waren auch teure Hotels und die Gastronomie, erklärte Wolfgang Sommer, Kreisvorsitzender Ostallgäu des Bayerischen Hotel – und Gaststättenverbands (DEHOGA Bayern). „Manche Betriebe wurden geöffnet, obwohl es sich manchmal nicht lohnte.“ Andere ließen ihre Türen gleich geschlossen. Daneben blieb staatliche Unterstützung vielfach aus, kritisierte Sommer. Zu schaffen machte den Gastgeber auch, dass es teilweise zu starken Verzerrungen der Wettbewerbsbedingungen gegenüber anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg kam. „Die Betriebe sind wirtschaftlich sehr belastet.” 

Hoher Aufwand 

Dennoch hätten sie sich engagiert auf die Wiedereröffnung vorbereitet und die Auflagen umgesetzt. „Die Veröffentlichung der Hygienevorgaben für Vermieter von offizieller Seite war recht kurzfristig. Hier wäre eine etwas längere Vorlaufzeit sicherlich gut gewesen“, kritisierte jedoch Julian Knacker von der Tourist Information Pfronten. Diese seien vor allem in der Gastronomie sehr aufwändig umzusetzen, sind sich Fredlmeier und Nesselwangs Bürgermeister Pirmin Joas (CSU) einig. Da es kein Buffet geben darf, muss das Frühstück am Tisch serviert werden, wofür es viel Personal braucht. „Bei der Gastronomie führen die Abstandsregelungen zu einer geringeren Auslastung und daher niedrigeren Umsätzen. Den Gästen das Eintragen der Adressdaten nahezubringen, gelingt zwar überwiegend, ist aber im Einzelfall mühsam“, sagte Fredlmeier. 

Trotzdem kamen die meisten Touristen und Gastgeber gut mit den coronabedingten Auflagen klar. „Hier ist auf beiden Seiten Verständnis für die notwendigen Einschränkungen gegeben“, so Knacker. Das fiel auch in Schwangau auf. „Ein dickes Lob an die Vermieter, die sich wirklich nach bestem Wissen und Gewissen bemühen, alles einzuhalten und es den Gästen so einfach und schön wie möglich zu machen“, sagte Tourismusdirektorin Petra Köpf. Allgemein seien die Gäste froh gewesen, Schwangau und die umgebende Landschaft wieder genießen zu können. „Sie waren sehr geduldig und haben überwiegend die Abstandsregeln eingehalten.“ Auch Nesselwangs Bürgermeister sprach seinen Gastgebern und den Freizeiteinrichtungen wie der Alpspitzbahn und dem Biathlon-Schnupperkurs sein Kompliment aus. 

Durch die Corona-Krise war auch ein etwas anderes Gäste-Klientel im südlichen Ostallgäu zu sehen. „Die Änderungen sind gerade in der Hotellerie sehr deutlich: fast nur deutsche Gäste, keine Busgruppen, sehr viele Familien“, informierte Fredlmeier. 

Junge in der Natur 

Auch Zielgruppen, die bisher eher eine Fernreise gebucht haben, waren verstärkt im Allgäu zu finden. So fiel Joas auf: „Sehr viele junge Menschen scheinen ein Bedürfnis nach der Natur gehabt zu haben.“ Doch genau das machte in den vergangenen zwei Wochen der Landschaft zu schaffen. „Die Leute machen in den Wiesen Picknick oder laufen über Felder“, so Joas. Daneben parkten einige frech im Naturschutzgebiet (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Das und der starke Verkehr hatten aber gerade bei Einheimischen für Empörung gesorgt. Diese Haltung kritisiert der Füssener Tourismusdirektor. Für die kommenden Wochen erhofft er sich deshalb, „dass man sich mehr über den wieder startenden Tourismus mit seiner Wertschöpfung für die Stadt freut als sich über den starken Verkehr ärgert, der nicht zuletzt mit den vielen Ausflüglern und der coronabedingt nur schwachen ÖPNV-Nutzung zusammenhängt.“ Gleichzeitig wünschen er und seine Tourismus-Kollegen sich, dass eine zweite Corona-Welle ausbleibt, die Auflagen gelockert werden und dadurch die Nachfrage aus dem In- und Ausland wieder zunimmt. 

Daneben hofft Hotelier Sommer, dass in Bayern künftig gleiche Wettbewerbsbedingungen wie etwa in Österreich herrschen und die Betriebe eine ähnliche staatliche Unterstützung erhalten werden wie nebenan in der Alpenrepublik.

Katharina Knoll

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