Ein Tag der Botschaften

Volkstrauertag: Redner blicken auf Kriegsopfer, die Bedeutung der Wahrheit und die Corona-Pandemie

Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) bei seiner Ansprache zum Volkstrauertag in der Kirche St. Nikolaus in Pfronten.
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Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf hebt bei seiner Rede zum Volkstrauertag die Bedeutung der Wahrheit hervor.

Pfronten/Füssen – Unter besonderen Vorzeichen stand heuer der Volkstrauertag. Am vergangenen Sonntag gedachten die Gemeinden traditionell den Opfern der Kriege. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten diese Veranstaltungen aber nicht wie sonst üblich über die Bühne gehen. So fanden Gottesdienste und Gedenkfeiern nur mit begrenzter Teilnehmerzahl statt. Ganz direkt Bezug auf die derzeitige Krise nahm Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) in seiner Ansprache in der Stadtpfarrkirche St. Mang. 

Den Umständen der derzeitigen coronabedingten Hygiene- und Schutzmaßnahmen entsprechend war die Kirche St. Nikolaus in Pfronten gut besucht, als dort mehrere Redner der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedachten. Bei dem ökumenischen Gottesdienstes betonten so nicht nur die beiden Pfarrer Werner Haas und Jörn Foth von der katholischen beziehungsweise evangelischen Kirche ihr „gemeinsam empfundenes Leid“ (Foth) gegenüber den „unzähligen Verletzten, Vermissten und Gefallenen der Kriege“.

Aus Platzgründen fand sich heuer nicht die gesamte Fahnendelegation der verschiedenen ortsansässiger Vereine und Organisationen ein, sondern nur der jeweilige Fähnrich. Sie standen im Hintergrund, als der Pfrontener Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) unterstrich, wie wichtig die Wahrheit und deren Verlust „gefährlich“ sei. Und während er nur hoffen könne, „dass die Zahl der Vernünftigen immer überwiegen wird“, hob er den Volkstrauertag unter anderem als ein „Signal für Frieden und Versöhnung in der großen Welt, aber auch im eigenen Umfeld“ hervor. Dazu könne „jede und jeder seinen Beitrag leisten“, erklärte Haf.

Friede und Freiheit

Anschließend bezeichnete der Kompaniechef des 2. Gebirgsaufklärungsbataillons 230 in Füssen, Major Matthias Rautenberg, den Volkstrauertag als einen „Tag der Stille und des Gedenkens“, bevor er versicherte, dass die Soldaten der Bundeswehr „für Frieden und Freiheit“ stünden. Daher gedachte er auch speziell den „gefallenen Soldaten der Bundeswehr“ und rief dazu auf, „gerade jetzt zusammenzustehen“ und sich gegenseitig zu unterstützen. Der erste Vorsitzende der Reservisten- und Veteranenkameradschaft Pfronten, Johannes Haug, unterstrich in seinen Ausführungen in erster Linie „die freiheitliche demokratische Staatsform“, die er als „schützenswertes Gut“ bezeichnete. Angesichts des Schreckens des Krieges hoffe er, dass sich auch heute „genügend Freiwillige finden, das zu verteidigen“.

Nach der Messe endete die Gedenkveranstaltung. Wegen der Corona-Krise verzichtete die Gemeinde auf die Kranzniederlegung an der Kriegerkapelle und das gemeinsame Essen. In der Stadtpfarrkirche St. Mang in Füssen erinnerte Bürgermeister Maximilian Eichstetter nicht nur an die Opfer von Krieg und Gewalt, sondern auch an die Opfer des Corona-Virus. „Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als 50 Millionen Infizierte weltweit, darunter über eine Millionen Tote. So erschreckend diese Zahlen auch sind, die Auswirkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, sind durch Zahlen nicht abzubilden“, sagte der Füssener Rathauschef. Die Pandemie mache Einschränkungen notwendig, die in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos seien – sowohl wirtschaftlich als auch privat.

„In diesen Zeiten wird uns allen schmerzlich bewusst, wie wichtig soziale Kontakte sind – und wie sehr wir darunter leiden, wenn wir diese einschränken müssen. So schlimm sich die Situation derzeit aber auch darstellt; ich bin mir sicher, dass wir die Corona-Pandemie meistern werden“, fügte Eichstetter hinzu. Und das bedeute, dass sich alle konsequent an die Maßnahmen halten. Zwar sei ein Impfstoff entwickelt, doch bis dieser flächendeckend verteilt sei, werde es noch dauern. „Derzeit bleibt uns also nur, vernünftig zu sein und die Maßnahmen zu befolgen. Jetzt ist die Zeit, in der jeder einzelne von uns dazu beitragen kann, die Verbreitung des Virus einzudämmen und dadurch Leid zu vermeiden.” Gleichzeitig dankte er allen, die in der Krise dafür sorgten, dass die Gesellschaft auch in der Krise weiterhin funktioniere.

lex/kb

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